Ich weiß, Gott ist tot …

… und Nietzsche auch …

… aber von Letzterem ist uns immerhin eine gehörige Anzahl an Aphorismen geblieben, die in ihrem Wahrheitsgehalt ebenso trefflich sind, wie manche seine Aussage zu Gott erachten, die er im Aphorismus 125 der Fröhlichen Wissenschaft formuliert hat.

Eine Auswahl seiner Aphorismen hat der Steffen Verlag nun zusammengestellt – unter dem anregenden Titel Mit einer Bosheit beginne ich den Tag – heutig klar und schnörkellos illustriert von Joe Villion.

Das quadratisch gestaltete Büchlein reiht sich aufs Feinste ein in frühere Aphorismen-Sammlungen des Verlags – von Christian Morgenstern über Theodor Fontane, Arthur Schopenhauer, Frank Kafka, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz bis hin zu Texten von Jane Austen und Katharina die Große, deren Überschrift Kluge Frauen sind gefährlich zwar so manchen Mann in einem möglichen Vorurteil bestätigen mag, tatsächlich jedoch zu dessen Entlarvung gedacht ist.

Die Bildung wird täglich geringer,
weil die Hast größer wird.

Was soll überhaupt die Wissenschaft,
wenn sie nicht für die Kultur Zeit hat.

Die Wüste wächst:
Weh dem, der Wüsten birgt.

Es sind Aussagen wie diese, die ich mag – aber, ich sage es gerne, ich mag auch ihre liebevolle „Verpackung“, die der Steffen Verlag ihnen angedeihen lässt.

Wenn auch in einem deutlich kleineren Format, so steht dieses Büchlein, die Sorgfalt und ästhetische Finesse betreffend, den für denselben Verlag von Hans-Jürgen Gaudeck mit seinen Aquarellen komplementär gestalteten Selbstzeugnissen und Gedichten eines Hans Fallada und Rainer Maria Rilke oder einer Eva Strittmatter, über die ich mich bereits  – beispielhaft hier – in den „Wortspielen“ empfehlend geäußert habe, in nichts nach.

Mit einer Bosheit beginne ich den Tag ist, wie die früheren Ausgaben in der Reihe der Aphorismen-Sammlungen des Steffen Verlags, der Aufmerksamkeit wert und – da bin ich mir sicher – auch anderen als eine kleine Aufmerksamkeit, zu welchem Anlass auch immer, willkommen!

 

 

 

Advertisements

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Literatur, Wortspiele abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Ich weiß, Gott ist tot …

  1. simonsegur schreibt:

    Schöner Hinweis – meinen herzlichen Dank dafür!

  2. SätzeundSchätze schreibt:

    Den Band mit den klugen Frauen bekam ich mal geschenkt, ein kleines Buch, das ich sehr witzig finde und als Geschenk an mich natürlich sehr passend. Der Einblick, den Du gibst, der ist toll – und erstaunlich wie abwechslungsreich und vielfältig Herr Gaudeck doch zu illustrieren weiß.

    • SätzeundSchätze schreibt:

      Oh, da habe ich was falsch gelesen – jetzt beim Wiederlesen: Die Illustrationen sind nicht von Gaudeck. Sorry! Aber dieser ganz andere Stil, das wäre auch zu verblüffend. Gefällt mir jedoch ausgesprochen gut!

  3. Karin Kronreif schreibt:

    Danke für diesen Beitrag…finde ich ganz toll. Lieben Gruß..Karin

  4. Peter Peters schreibt:

    Gott ist tot … und Nietzsche ist tot ,,, und wenn man aufschaut, sich umschaut, den Blick wendet, stellt man zwischen Verwunderung und Entsetzen fest: sie fehlen, beide.
    Danke für den Hinweis auf dieses Bändchen mit Aphorismen.

  5. Pingback: Geburtsverhöre in den hintersten Winkeln | Wildgans's Weblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s