J. J. Voskuil: Direktor Beerta Das Büro 1 Verbrecher Verlag

Das gebe ich mit großer Freude weiter! Herzlichen Dank für diese wunderbare Besprechung!

literaturleuchtet

2016-11-09-15-33-30

Sehr helles Leuchten, ach was, ein Leuchtfeuer!!!

„Womit bist du gerade beschäftigt?“
„Mit den Wichtelmännchen.“
„Dann schreib doch eine Doktorarbeit über die Wichtelmännchen! Du wirst sehen, was für einen Erfolg du damit haben wirst.“

Wenn ich ehrlich bin: Ich kann mir die überdimensionale Sogwirkung dieses über 5000 Seiten zählenden Romanzyklus von J. J. Voskuil einfach nicht erklären. Es ist unfassbar.
Zum ersten Mal davon gelesen habe ich, wenn ich mich recht erinnere, auf dem Blog von Wolfgang Schiffer und auch danach blinkte er irgendwo zwischendurch wieder auf. Und in seinem neuen Buch „Jasper und sein Knecht“ schwärmte Gerbrand Bakker  von „Het bureau“. Das muss der Punkt gewesen sein, an dem ich beschloss, mit dem Lesen von „Das Büro“ zu beginnen – und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Denn wie von allen Seiten prophezeit, macht „Das Büro“ süchtig. Mit Teil 1 ist es bei Weitem nicht getan, es muss weitergelesen…

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Die Vielgestalt des Hörspiels…

Das freut: Heute ist in der Literaturbeilage der SZ eine erste Besprechung zur Hörspiel-Anthologie „Bilanz“ erschienen, vor wenigen Tagen veröffentlicht in der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung NRW im Lilienfeld Verlag.

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„Wir“ – ein Werk von anhaltender Aktualität

Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik für Hörspielbearbeitung

Hörbücher…

Hörbücher…

Mit einem der elf in diesem Jahr vergebenen Jahrespreise ehrt der Preis der deutschen Schallplattenkritik die Hörspielfassung des Science-Fiction Klassikers Wir von Jewgenij Samjatin, produziert vom SWR und als Hörbuch erschienen bei DAV, dem Audio Verlag.

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik ist ein eingetragener Verein mit mehr als 150 ehrenamtlich tätigen Fachkritikerinnen und Fachkritikern, der qualitative Orientierung bieten will auf dem Markt der zahlreichen CD- und DVD-Produktionen in Musik und Wort. Dazu erstellt er in einem unabhängigen Juryverfahren alle drei Monate eine Bestenliste in über 30 Kategorien verschiedener Musik- und einiger Wortrichtungen; zehn Kritikerinnen und Kritiker finden sich darüber hinaus unter Leitung des Vereinsvorsitzes Anfang Oktober stets zu einem „Jahressauschuss“ genannten Gremium zusammen und befinden über bis zu vierzehn Jahrespreise, drei Ehrenpreise und eine besondere Auszeichnung: die „Nachtigall“.

Insgesamt waren diesmal 113 Produktionen aus den letzten achtzehn Monaten von der Gesamtjury, also den mehr als 150 tätigen Fachkritikerinnen und Fachkrikern, als herausragend evaluiert und für die Longlist nominiert worden. Dem Jahresausschuss oblag die Qual der Wahl, aus dieser Fülle abermals eine Auslese treffen zu müssen, wobei die repräsentative Bandbreite an Musiksorten, wie sie vom PdSK e.V. Quartal für Quartal beobachtet und bewertet wird, immer noch aufscheinen sollte. Und so finden sich unter den Jahrespreisen Neues neben Altem, eine Verdi-Oper neben einem Soul-Blues-Debut, Jazz-Poesie neben Schubert-Liedern, Trommelgesänge neben Hör-Dramen.

wir-2Als Mitjuror für die Kategorie Wort gehörte ich in diesem Jahr dem Jahresausschuss an und hatte so die Ehre, die kurze Begründung für die Auszeichnung des gewählten Werks schreiben zu dürfen.

Jewgenij Samjatins Anti-Utopie „Wir“ nahm 1920 in ihrer Vision vom gleichgeschalteten, gläsernen Menschen warnend vorweg, was nur wenige Jahre später die totalitären Systeme Nationalsozialismus und Stalinismus kennzeichnen sollte: Glücksverheißung und Führerkult, vollständige Kontrolle über den Einzelnen, die Vernichtung eines Jeden, der sich dem System widersetzt. Auch heute hat der Roman nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Was allerdings seine Bekanntheit betrifft, so stand er stets im Schatten der von ihm angeregten Dystopien „Schöne neue Welt“ und „1984“. Diese Hörspielbearbeitung bringt „Wir“ endlich eindrucksvoll zur Geltung. Garanten dafür sind die konzentrierte Bearbeitung von Ben Neumann, die effektvolle Orchestrierung der eigens für das Hörspiel komponierten Musik von Raphael D. Thöne, die Professionalität der agierenden Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Jana Schulz, Andreas Pietschmann und Hanns Zischler. Unter der sensibel-sicheren Regie von Christoph Kalkowski fügen sich alle Elemente der Produktion – Ton, Geräusch, Wort, Stimme – zu einem fesselnden Klangerlebnis, in dem das Werk auf beunruhigend gegenwärtige Weise kritische Wirkung entfaltet.

Jetzt gilt es, einen öffentlichen Termin zu finden, an dem die Auszeichnung in Form einer Urkunde stellvertretend für alle Beteiligten an den Hörspielbearbeiter Ben Neumann und Regisseur Christoph Kalkowski übergeben werden kann.

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Abends der Mai war Liebeszeit

Eine moderne Übersetzung des berühmten Romantik-Gedichts

Seitenausschnitt aus dem von Antonín Šilar illustrierten Buch

Seitenausschnitt aus dem von Antonín Šilar illustrierten Buch

Vor einiger Zeit habe ich in meinen „Wortspielen“ einen kleinen Beitrag zu Karel Hynek Mácha geschrieben, dem großen, 1810 in Prag geborenen tschechischen Romantiker, der bereits mit 26 Jahren starb – mit seinem poetischen Epos Máj / Mai der Nachwelt jedoch das wohl eindrucksvollste Gedicht der tschechischen Romantik hinterließ.

Mácha verfasste Gedichte auf Tschechisch und Deutsch; Máj / Mai war in tschechischer Sprache verfasst, erfuhr aber in Deutschland bereits früh einige Übersetzungen. Zitiert habe ich in meinem früheren Beitrag einen Auszug aus der Übersetzung von Alfred Waldau (1837 – 1882), einem Offizier der Österreichischen Armee, der für seine Übersetzungen tschechischer Werke ins Deutsche und der Vermittlung traditioneller tschechischer Kultur bekannt und geschätzt wurde. Seine Übersetzung von Máj / Mai entstand wohl um 1860; veröffentlich wurde sie zusammen mit einer Auswahl weiterer Gedichte von Karel Hynek Mácha 1862. Nachzulesen ist der Auszug unter diesem Link, der zu meinem Beitrag vom 5. November dieses Jahres führt.

In diesem Beitrag schrieb ich auch, dass ich auf eine zeitgenössische Übertragung des Epos um den Räuberhauptmann gestoßen bin, um den Mann, der hingerichtet wird, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat, und sich nun mit großer Wortgewalt und in eindrucksvollen Bildern von der Erde verabschiedet.

Abbildung einer Seite aus dem vorgestellten Buch

Abbildung einer Doppelseite aus dem vorgestellten Buch

Erschienen ist diese neue Fassung – sie hat mich inzwischen erreicht – 2012 im österreichischen Verlag Labor, die Übertragung ist von dem jungen tschechisch-österreichischen Autor und Übersetzer Ondřej Cikán, illustriert hat die zweisprachige Edition  der tschechische Zeichner und Bühnenbildner Antonín Šilar.

mai-6Allein schon zu blättern in diesem sorgfältig edierten und gestalteten Band, ist eine große Freude – Schrifttype, Zeilennummerierung, Lesebändchen, Papierwahl, ein umfassendes Nachwort des Übersetzers zur Bedeutung des Werks, seiner Form als Epos und dessen Versmaßen – das  alles nimmt einen sofort ein für dieses Buch.

Und wenn man dann das Werk selbst zu lesen beginnt, in dieser frischen und wunderbarst klangvoll daherkommenden Übertragung, versteht man umso mehr, warum das Werk eine so hohe Wertschätzung erfahren hat und in seinem Reichtum an Bildern so manchen Surrealisten in Tschechien sogar zum Vorbild wurde.

Wer mag, kann vergleichen mit der Fassung von Alfred Waldau (dessen Verdienste zu seiner Zeit ich keineswegs schmälern will…); ich zitiere im Folgenden ebenfalls den Beginn des Epos, also denselben Ausschnitt wie zuvor – hier nun in der Übertragung von Ondřej Cikán.

Es war spät Abend – erster Mai –
Abends der Mai war Liebeszeit.
Das Täubchen rief zur Lieb herbei,
Der Föhrenhain duftete weit.
Von Liebe flüsterte das Moos;
Und blühend log von Schmerz ein Baum,
Die Nachtigall sang ihren Traum,
Die Rose schwieg, sie seufzte bloß.
Im Sträucherschatten still zerronnen
Rauschte der See geheimes Leid,
Das Ufer hielt ihn lang und breit;
Und fremder Welten helle Sonnen,
Sie irrten durch azurne Strähnen,
Loderten dort wie Liebestränen.
Die Welten auch, die höher strebend
In ewger Liebe Zuflucht nahmen;
Bis sie – sich immer höher hebend,
Verloschen still, wie Funken schwebend –
Verirrt, verliebt zusammenkamen.
Der Luna volles Angesicht –
Bleiche Helle, helles Verbleichen
Die Liebste sucht, doch er muss weichen –
Errötete im zarten Licht;
Sie sah sich in den Wassern stehen
Und musste nach sich selbst vergehen.
Fern sah man dunkle Höfe scheinen:
So kamen sie sich nah, ganz nah
Und lagen bald umarmt schon da,
Tief, tiefer, um sich ganz zu einen
Im dunklen Schoß der Dämmerungen.
Auch Bäume halten sich umschlungen. –
Am fernsten liegt der Berge Schatten,
Wo Birke, Kiefer süß ermatten
Zu zweit ganz, und die Wellen rollen
Den Wellen nach. Nichts bleibt der vollen
Liebe jetzt fern – zur Liebeszeit.

Am Ende seines Epos wiederholt Karel Hynek Mácha die ersten drei Zeilen seines Werks,  lässt das Täubchen aber in einer letzten Zeile die Liebenden herbeirufen –  ein Ruf, dem am 1. Mai eines jeden Jahres immer noch viele Liebespaare folgen: sie spazieren zum Denkmal des Dichters auf dem Petřín, einem bewaldeten Hügel in Prag, um sich hier zu küssen und sich ihrer Liebe zu versichern.

Das Denkmal zu Ehren von Karel Hynek Mácha, geschaffen in den Jahren 1910 bis 1912 von dem Bildhauer Josef Václav Myslbek und dem Architekten Antonín Balšánek © Wolfgang Schiffer

Das Denkmal zu Ehren von Karel Hynek Mácha, geschaffen in den Jahren 1910 bis 1912 von dem Bildhauer Josef Václav Myslbek und dem Architekten Antonín Balšánek © Wolfgang Schiffer

 

 

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Das Hörbuch „Bilanz“ ist erschienen.

Hörspielkunst aus den Studios des WDR

Gestalterisch eine Besonderheit: ein Hörbuch als Faltbuch

Gestalterisch eine Besonderheit: ein Hörbuch als Faltbuch

So ist denn meine Ankündigung doch noch wahr geworden – die Hörspiel-Anthologie mit 13 Produktionen des WDR aus den Jahren 1958 bis 2013 auf 10 CDs ist nun erhältlich. Erschienen ist sie – nicht zuletzt aus Anlass des 70. Geburtstags des Landes Nordrhein-Westfalen – im Lilienfeld Verlag als Band 7 der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung NRW.

In deren Vorwort, gezeichnet von Dr. Fritz Behrens, dem Präsidenten der Kunststiftung NRW, und der Generalsekretärin Dr. Ursula Sinnreich, heißt es in dem mehr als sechzig Seiten umfassenden Begleitbuch zu der Sammlung u. a.:

Zum 70. Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen würdigt die Stiftung eine Kunstform, die zwischen Sprache, Theater und Musik angesiedelt ist und in NRW in den letzten Jahrzehnten eine besondere Blüte erlebte. Zu danken ist dies dem Westdeutschen Rundfunk in Köln, der als Partner der Kultur und deren Unterstützer in den 60 Jahren seines Bestehens wichtige Anlaufstelle und nicht unbedeutender Auftraggeber auch für die Schriftstellerinnen und Schriftsteller des Landes war. Der WDR bot Raum auch für ausgefallene literarische Experimente, und so entstand in seinem Auftrag über die Jahrzehnte hinweg in Nordrhein-Westfalen eine Vielzahl von Originalhörspielen und damit eine Tradition dieser ureigensten Form des Hörfunks.

Bilanz Lilienfeld

Und ich füge gerne hinzu, dass viele dieser Hörspiele weit über Nordrhein-Westfalen hinaus ausstrahlten und dies immer noch tun – ja, manche sogar weit über Europa hinaus in die Welt!

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