Um von Menschlichem zu erzählen

Eine weitere Stimme zum Hotlist-Kandidaten Gedichte erinnern eine Stimme

Es ist die Stimme des Menschen, der hinter der Vielfalt menschlichen Seins die Menschheit sieht, das Gemeinsame hinter allem, was trennt. Dieser große humanistische Gedanke drückt sich in vielen Gedichten aus…
Pálsson greift auf Bilder aus der Natur zurück, setzt sie ganz gezielt ein,
um von Menschlichem zu erzählen, die Person in den Mittelpunkt zu stellen.

Petra Lohrmann bespricht in ihrem Blog Gute-Literatur-Meine-Empfehlung den Hotlist-Kandidaten Gedichte erinnern eine Stimme des 2017 verstorbenen isländischen Dichter Sigurður Pálsson, erschienen im ELIF Verlag, – und alle am Zustandekommen dieses Buches Beteiligten danken ihr dafür!

Wer den Gedichten, die eine Stimme erinnern, u. a. vielleicht nach der Lektüre dieser Empfehlung, seine Stimme fürs mögliche Erreichen der ersten 10 der Hotlist, dem Preis für Bücher aus unabhängigen Verlagen, geben möchte, findet hier den direkten Weg zur Wahlurne.

Im Namen aller sagen die Übersetzer herzlichen Dank!

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Poetisch, schlicht und schnörkellos

Gedichte erinnern eine Stimme und die Hotlist 2019

Als in Island 2016 Sigurður Pálssons letzter Gedichtband, Ljóð muna rödd, erschien, widmete  mir der Autor ein Exemplar mit dem folgenden Text:

Handa Wolfgang Schiffer
með allra bestu kveðjum!
Fram til sigur(ð)s!

Für Wolfgang Schiffer
mit allzeit besten Wünschen!
Bis zum Sieg!

Natürlich entspricht die letzte Zeile in der Übersetzung nicht wirklich dem isländischen Originaltext, ist doch in diesem vieldeutig der Buchstabe ð eingearbeitet, der auf den Namen des Autors verweist und den Sieg somit zu seiner Sache macht. Und seine Sache, das war der Sieg über eine todbringenden Krankheit, unter der er seit längerem litt.

Ich werde immer noch sehr traurig, wenn ich diese Widmung lese. Nichts hätte ich Sigurður Pálsson mehr gewünscht als diesen Sieg! Er sollte ihn jedoch nicht erringen. Der Tod ereilte ihn nur ein Jahr später mit nur 69 Jahren, im September 2017.

Manche seiner letzten Gedichte zeugen von seiner Auseinandersetzung mit ihm; mehr als dies jedoch noch belegen sie Sigurður Pálssons Liebe zum Leben, zur Musik, zur Sprache, zur Poesie.

Ins Blaue hinein

Ich kann mir nie merken
das Offensichtliche zu sagen:

All diese Gedichte
sind tief im Innern
für dich

Suchend sind sie unbemerkt
aus der Tiefe der Nacht
tief im Innern
wie Katzen hervorgeschlichen
allein für dich

Nahaufnahmen lösen sich auf
bei zu viel Nähe
verschwinden wie man so sagt
ins Blaue hinein

Das Orchester spielt Musik
die nur jetzt und jetzt ist
und wieder nur jetzt

Und während die Musik lebt
verschwinde ich nicht

Während die Musik lebt
fürchte ich mich nicht

Habe keine Angst vor
dem sogenannten ins Blaue hinein

Gesang

Heute Morgen habe ich in Gedanken gesungen
und auf der rechten Seite war eine Landschaft
und auf der linken Seite war eine Landschaft

Ich wollte nicht für ihn singen
wollte auch nicht über ihn singen

Wollte nur über das Leben singen

Ich habe keine Angst vor ihm
er kommt wenn er kommt
„Sei gegrüßt, wann immer du willst“

Und ich singe weiter über das Leben
und die Landschaft auf der rechten Seite
und die Landschaft auf der linken Seite

Stimmen in der Luft

Die Stimme kam plötzlich und flüsterte:
Du hast diese vier Wörter
auf dem Blatt

Freiheit
Sehnsucht
Freude
Glück

Lass dir von niemandem etwas anderes einreden

Die Erde weht auf
von nackter Erde

Leg einen Stein auf das Blatt
sodass es nicht wegweht

Mit Sigurður Pálssons Tod hat nicht nur die isländische Literatur einen großen Dichter verloren! Wir alle sind um eine einzigartige poetische Stimme ärmer geworden. Das zeigen nicht zuletzt die vielen positiven Bewertungen, die auch die deutsche Übersetzung seines letzten Gedichtbands (und zudem einzigen, der bislang ins Deutsche übertragen wurde) erfahren hat; – manche davon habe ich hier bereits vorgestellt, auszugsweise stehen sie auch auf der Verlagsseite oder sie sind unter dem Suchbegriff Gedichte erinnern eine Stimme, dem Titel des Buches, im Netz nachzulesen.

Zu diesen positiven Reaktionen kommt nun ein weiterer Nachweis der Wertschätzung hinzu, von dem ich mir wie von allen anderen wünschte, der Autor hätte ihn noch erleben können: Der im ELIF Verlag erschienene Gedichtband ist von einem unabhängigen Kuratorium ins quasi Halbfinale der Hotlist 2019 gewählt worden, dem Wettbewerb um das beste Buch aus einem unabhängigen Verlag. Aus dieser Auswahl der vorerst noch 30 besten Bücher  wird nun eine Shortlist von 10 bestimmt, von denen zum Schluss eines mit dem Preis der Hotlist 2019 ausgezeichnet wird.

Wer von den 30 nominierten Büchern auf die Shortlist der 10 gesetzt wird, entscheidet wiederum eine unabhängige Jury, aber nicht nur diese. Auch die Leserinnen und Leser können mitbestimmen. Alle Titel sind auf der Seite der Hotlist im Internet ausführlich vorgestellt. Per Abstimmung wählt das Publikum hier mit. Die drei Titel mit den meisten Voten kommen eine Runde weiter; die Jury wählt sieben weitere dazu.

Zur Vorstellung der 30 besten Bücher aus unabhängigen Verlagen und zur Abstimmung darüber geht es hier.

Natürlich wünsche ich allen Nominierungen den verdienten Erfolg, doch dass meine Daumen für  e i n e  Nominierung besonders fest gedrückt sind, wird wohl ein jeder verstehen!

Daher folgt hier für Schnellentschlossene auch noch der direkte Link zur Stimmvergabe für Gedichte erinnern eine Stimme!

Für einen Click danke ich im Namen aller, die am Zustandekommen dieses Buches beteiligt waren, ganz herzlich.

 

 

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Cinema – eine Lyrikanthologie

In teils eigener Sache und für mehr als 60 Lyriker*innen, die sie möglich gemacht haben …

So individuell wie auch jeder gute Film oder Darsteller zeigen die versammelten Dichterinnen und Dichter, wo ihr Herz filmisch begraben liegt und von was sie aus der bunten Welt des Films inspiriert wurden zu ihrem jeweiligen Gedicht. Bleibt noch, die bildnerischen Filmcollagen von Stefan Heuer in der Anthologie zu erwähnen, der in seiner Kunst den großartigen Kollegen der Dichtkunst in nichts nachsteht.

Matthias Ehlers in Bücher, dem Literaturmagazin auf WDR 5, über die Lyrikanthologie Cinema, herausgegeben von Dincer Gücyeter und mir im ELIF Verlag …

Und an anderer Stelle heißt es:

Ein großes Reservoir an verdichteten Filmen und Geschichten rund um die Filmkunst.

Herzlichen Dank, die Einschätzung freut sehr!

Die komplette Besprechung der Lyrikanthologie findet sich hier.

Und hier das im Titel der Rezension erwähnte Gedicht von Klára Hůrková:

Cinderella

Manchmal sahst du in der Stadt
sterbende Tauben
Sie schauten müde und verwundert
über das, was sie erwartet
Vielleicht hätte Aschenputtel
eine Antwort auf ihren Blick gewusst

Cinderella dagegen
(in einem Prager Non-Stop-Kino
der Siebziger)
interessierte sich nicht für Tauben
und auch nicht für Haselnüsse

Für sie verwandelte sich der große Kürbis
in eine glänzende Kutsche
Als sie den Prinzen traf
hob sie aus dem Brunnen
Abglanz der Sterne wie Diamanten auf
schwebte in gläsernen Schuhen
durch den Ballsaal
bevor sie sich in der Luft auflöste

So wolltest du auch sein
als du damals aus dem Kino kamst
Nicht in den grauen Straßen deiner Stadt
den sterbenden Tauben in die Augen sehen

Cinderella, Zeichentrickfilm von Walt Disney, USA 1950

 

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Die Zeit ist gekommen

Knut Ødegårds Lyrik endlich auf Deutsch

Als 2017 in Norwegen der Gedichtband Tida er inne erschien, schrieb der bekannte Literaturkritiker Andreas Neraal begeistert:

Knut Ødegård hat eine der anregendsten und besten Gedichtsammlungen des Jahres geschrieben … die klangvollste und warmherzigste Sammlung Lyrik, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Dem ELIF Verlag im niederrheinischen Nettetal ist es zu verdanken, dass dieser Band, übertragen von Åse Birkenheier, nun auch auf Deutsch zu lesen sein wird – und damit erstmals ein lyrisches Werk von Knut Ødegård in deutscher Sprache überhaupt. In etwa 40 weitere Sprachen ist der Dichter bereits übersetzt; ins Deutsche, von verstreuten Veröffentlichungen einiger weniger Gedichte abgesehen, bislang jedoch noch nie! Jetzt kann man, pünktlich zum Ehrengast-Auftritt Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse 2019, Knut Ødegård, einen der bedeutendsten zeitgenössischen Dichter Norwegens, endlich für sich entdecken, auch wenn man der Originalsprache nicht mächtig ist. Und das mit einem vollständigen Gedichtband: Tida er inne – Die Zeit ist gekommen.

In den Handel kommt der Band, der von NORLA (Norwegian Literature Abroad) gefördert wurde, erst in einigen Wochen, doch ein kleiner Vorgeschmack auf den poetischen Ton des Dichters sei hier schon gegeben.

Der Schlaf

Blaue Luft, und da: das Haus
so weiß, die Krähe, die im Wind
fliegt

der Schlaf in den Steinen,
dieser Zaun
um das Haus herum, Rauch
steigt dem Abend entgegen
schräg

die Axt, im Schuppen eingesperrt,
hat sich im Hackklotz festgebissen
unter den frisch geschlachteten Leibern.

Und eine persönliche Anmerkung sei auch erlaubt: Es hat große Freude gemacht, am Zustandekommen dieses Lyrikbandes aus Norwegen ein wenig mitgewirkt zu haben!

Ich wünsche dem Gedichtband Die Zeit ist gekommen, dass er in den vielen tollen Neuerscheinungen norwegischer Literatur aus Anlass der Präsenz des Landes als literarischer Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, nicht übersehen werden möge! Ein Vormerken wäre daher schön.

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In der Stadt, wo du lebst…

100 Jahre wäre er heute geworden, der große Hans Bender, Entdecker, Herausgeber und Schriftsteller.
Dass er zu meinem ersten Gedichtband seinerzeit die Nachbemerkung fürs Cover schrieb, war mir stets und ist mir immer noch eine große Ehre! Wir alle im Literaturbetrieb haben viele Gründe, ihn zu vermissen!

Am 3. Juli veranstaltet das Literaturhaus Köln zu Ehren des 100. Geburtstages einen Abend für Hans Bender. Beginn ist um 19:30 Uhr!

Wortspiele: Ein literarischer Blog

Hans Bender in Köln
Im Kölner Volksgarten © Wolfgang Schiffer Im Kölner Volksgarten © Wolfgang Schiffer Vor vielen Jahren gab es sie bereits einmal: die Schriftenreihe Literatur in Köln, kurzLiK genannt, herausgegeben von der Stadtbücherei Köln. Auch ich hatte damals, 1985, die Ehre, zu den Kölner Autoren zu gehören, die hier im Zeitungsformat auf gelbem Papier vorgestellt wurden.

Jetzt haben die Stadtbibliothek, ihr Literatur-in-Köln-Archiv und Heinrich-Böll-Archiv an diese Tradition angeknüpft und ein erstes neues Lik veröffentlicht, herausgegeben von der Leiterin der Archive, Dr. Gabriele Ewenz, erschienen, nunmehr als veritable Buch-Broschur, im Verlag der bekannten Kölner Buchhandlung Klaus Bittner.

Vorgestellt wird im ersten Exemplar der neu aufgelegten Schriftenreihe der Schriftsteller, Kritiker, Herausgeber und Redakteur Hans Bender – und das in seinem spezifischen Verhältnis zu der Rheinmetropole. Hierhin verschlug es ihn gegen Ende der 50er Jahre, als er die Leitung des Feuilletons der in Köln ansässigen Deutschen Zeitung und Wirtschafts-Zeitung übernahm.
Das alte und das neue LiK Das alte und…

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