Eine Welt in voller Blüte

Birgit Böllinger bespricht „Der sechste Wintermonat“.

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Winter in Island – Foto © Wolfgang Schiffer

Das freut! Zeitgleich mit dem Erscheinen des Künstlerbuchs, der auf 22 Exemplare begrenzten Ausgabe der an sich schon bibliophil hochwertigen „Volksausgabe“ des lyrischen Zyklus Der sechste Wintermonat von Björg Björnsdóttir, erscheint eine Besprechung der von mir sehr geschätzten Kritikerin Birgit Böllinger, die schon das normale Buch noch einmal feinst empfiehlt. Ein poetischer Juwel sei dieser Zyklus, so heißt es da, und weiter, auf die ebenfalls limitierte „Volksausgabe“ bezogen, ich zitiere:

Doch allein schon die Volksausgabe ist ein Beispiel allerfeinster Buchkunst: Mit den Radierungen des Künstlers, Gedicht für Gedicht sorgsam gesetzt auf einer Linotype und Buch für Buch nach japanischer Art offen gebunden, ist es ein wahrer bibliophiler Schatz.

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Die „Volksausgabe“ …

Inhaltlich sind beide in der Corvinus Presse erschienenen Ausgaben natürlich gleich, doch enthält nur das Künstlerbuch die vom Mit-Übersetzer und Künstler Jón Thor Gíslason geschaffenen Radierungen signiert im Original. Und auch die „Verpackung“ ist eine andere: gebunden mit Vorsatz im Buch und Kassette drumherum …

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als ich aufwache fliegen gerade die vorhänge aus dem fenster

Gedichte von Jónas Reynir Gunnarsson

Zu den Preisträgern des Maistern, einer der bedeutendsten Auszeichnungen für Poesie, wenn nicht  d i e  bedeutendste überhaupt in seinem Heimatland Island, zählt der Lyriker und Autor Jónas Reynir Gunnarsson. Geehrt wurde er hiermit für seinen 2019 im Verlag Páskaeyjan erschienenen Gedichtband þvottadagur / waschtag.

Als Übersetzer-Duo haben daraus der Maler Jón Thor Gíslason und ich einige der so lakonisch wie wort- und bildreich dahinfließenden Gedichte übersetzt, zwei davon wurden bereits vor Monaten in dem leider nicht mehr aktiven Poesie-Magazin Fixpoetry veröffentlicht; das Online-Literaturmagazin Signaturen fügt diesen in seiner Reihe Wortlaut Island nun dankenswerterweise vier weitere hinzu. Hier ein Beispiel:

als ich aufwache fliegen gerade die vorhänge aus dem fenster

ein müllauto fährt in den gefrorenen spurrillen als wären es gleise

 

ein mann schiebt einen einkaufswagen voller aludosen

und brauner und grüner flaschen

in richtung mülllaufbereitungsanlage

 

das rasseln erinnert an schritte eines soldaten der viele orden trägt

 

die schritte und das dröhnen der maschine

deuten auf einen bevorstehenden kampf hin

 

mit einem gegner der nicht menschlich ist

und sich nicht dafür interessiert für was man kämpft

Wer nun mehr kennenlernen möchte von der Lyrik des Jónas Reynir Gunnarsson, der ist herzlich eingeladen, diesem Link des Signaturen-Magazins zu folgen:

Jónas Reynir Gunnarsson, geboren 1987, wuchs in Fellabær im Nordosten Islands auf und erhielt einen MA in Creative Writing an der Universität von Island in Reykjavík. Er veröffentlichte u. a. die Romane Millilending (Zwischenlandung), 2017, Krossfiskar (Seesterne), 2018 und Dauði Skógar (Tote Wälder), 2020, nominiert für den Isländischen Literaturpreis 2020 und für den Literaturpreis der Europäischen Union 2021). Seine beiden ersten Gedichtbände waren Leiðarvísir um þorp (Gebrauchsanweisung für ein Dorf), 2017, und Stór olíuskip (Große Öltanker), ebenfalls 2017; für Letzteren gewann er 2017 den angesehenen Tómas Guðmundsson Poesie Preis. Sein jüngster Gedichtband, Þvottadagur (Waschtag) wurde 2019 mit dem „Maistern“ ausgezeichnet, einem der wichtigsten Preise für Poesie in Island.

Jónas Reynir Gunnarsson – Foto © Saga Sig

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Der sechste Wintermonat. Björg Björnsdóttir — Lyrikatelier Fischerhaus

Poetische Lichter leuchten durch die klare, farb- und klangintensive Sprache, die aufhören lassen: „ Als ich nichts mehr sehe, / fallen die Sandkörner zwischen den Wimpern / die Wangen hinunter und bis auf den Grund. //“

Auch das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer dankt herzlichst für diese feine Besprechung!

In den Gedichten von Björg Björnsdóttir dieses bibliophilen Lyrikbandes verschmilzt das lyrische Ich oft und gern mit der es umgebenden Natur, ihrer weisen Weite und Unabdingbarkeit, sommers wie winters. Der Jahresverlauf gibt dem 12teiligen Zyklus Struktur, in dem es nach dem alten isländischen Kalender nur Sommer -und Wintermonate gibt. Deshalb tauchen auch in den Titeln […]

Der sechste Wintermonat. Björg Björnsdóttir — Lyrikatelier Fischerhaus
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Dorf-Sheriff Kalli ist ein Philosoph wie Forrest Gump: Joachim B. Schmidts wunderbar anrührender Island-Roman „Kalmann“

Ein Wahl-Isländer sorgt für beste Unterhaltung! Der „Bücheratlas“ sagt, warum. Herzlichen Dank, Petra Pluwatsch!

Bücheratlas

Foto: Bücheratlas

Kalmann ist der Sheriff von Raufarhöfn hoch oben im Nordosten von Island. Wir können ihn uns klein und ein wenig untersetzt vorstellen. Auf dem Kopf trägt er einen Cowboyhut, an seiner Jacke steckt ein Sheriffstern. Und die Mauser, die einst seinem amerikanischen Großvater gehörte, ist geladen. Auch wenn jeder im Ort glaubt, dass es sich dabei um eine Spielzeugpistole handelt. „Peng“, sagt Kalmann, wenn er auf etwas zielt, aber nicht abdrückt. Und alle lachen über Kalli, den „Dorfdeppen“, der mit Stühlen wirft und sich in die Hand beißt, wenn ihn jemand so nennt: einen Depp.

„Er ist etwas ganz Besonderes“

Denn Kalmann, der Titelheld des gleichnamigen Romans von Joachim B. Schmidt, ist zwar anders als andere Menschen. Ein Depp ist er nicht. Das hat schon sein isländischer Großvater immer gesagt, bevor der ins Heim musste und jetzt manchmal nicht mehr weiß, wie sein Enkel heißt: „Kalmann ist etwas…

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Linda Vilhjálmsdóttir: das kleingedruckte Elif Verlag

Eine weitere Stimme zu „das kleingedruckte“ von Linda Vilhjálmsdóttir und Hinweise auf Bücher mit isländischer Literatur im ELIF Verlag. Und obendrauf eine kleine Würdigung unseres Beitrags zu Island im Band 280 der Literaturzeitschrift „die horen“ …

Das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer dankt Literaturleuchtet aka Marina Büttner aufs Herzlichste!

https://literaturleuchtet.wordpress.com/2021/06/02/linda-vilhjalmsdottir-das-kleingedruckte-elif-verlag/

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