Und noch mehr Freiheit…

Hauke Harde spricht in Leseschatz-TV über Lyrik …

„Freiheit“ – Gestaltung: Ümit Kuzoluk

Und dabei auch über den Gedichtzyklus Freiheit der Isländerin Linda Vilhjálmsdóttir!

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Freiheit-en

Eine weitere Stimme zu dem Gedichtband „Freiheit“ von Linda Vilhjálmsdóttir… Danke, Herr Hund!

hundstrüffel

Es ist das Vorrecht der Poesie, die Auslegung dessen, was sie sagen will, Klügeren zu überlassen. Sie sagt, was ist. Das ist schwierig genug. Sie schreibt nicht davon, was es bedeutet. Noch gibt sie Anweisungen für ein „gutes Leben“. Sie ist, muss es sein, in dieser Hinsicht wenig dazu geeignet, praktisch zu sein. Sie ist nutzlos.

Sie mahnt nicht und hebt nicht den Finger. Sie schreibt keine Paragraphen. Keine Parolen. Sie fordert nichts. Nicht einmal, gelesen zu werden (was, in Anbetracht der Tatsache, wie wenig Poesie gelesen wird, wohl nur zu gerne angenommen wird).

Sie ist im besten Sinne des Wortes unpolitisch. Das würde ihr nicht bekommen. Ebenso wäre es für die Poesie fatal, religiös oder moralisch zu sein. Poesie ist nicht die Dienstmagd irgendwelcher Ideologien, noch bezahlte Lobbyistin. Sie trägt keinerlei Parteiabzeichen.

Sie ist frei. Und was hätte einer davon, sie durch Auslegung in Ketten zu legen? Sie sagt…

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„Freiheit“ oder …

… wenn ein Gedichtband aus Island …

… der hierzulande auch in deutscher Sprache erschienen ist, von Rezensentinnen und Rezensenten für wichtig und gut befunden wird, freut dies auch die Übersetzer.

Und diese Freude, da bitte ich um Verständnis, will geteilt sein. Also „reaktiviere“ ich kurz meine „Wortspiele“ zu diesem Zweck und zitiere mit Dank und, ja, ich gestehe es freimütig, auch ein wenig Stolz, einige Stimmen, die dem Gedichtband Freiheit von Linda Vilhjálmsdóttir, den Jón Thor Gíslason und ich gemeinsam für den ELIF Verlag (September 2018) übertragen haben, bislang zuteil geworden sind.

Birgit Böllinger, Literaturblog Sätze & Schätze, 7. September 2018

„Da bricht nach Jahren eine Isländerin die Zeit ihres Schweigens und legt einen schmalen Band vor, der auf mehreren Ebenen voller Wucht ist: Der Gedichtband „Freiheit“ erhielt bereits nach seinem Erscheinen 2015 mehrere Literaturpreise. Wenig verwunderlich: Treffen diese auf den ersten Blick beinahe nüchternen Zeilen, die bar sind von jeder blumigen Metaphorik, mitten ins Mark. (…)

Die Lyrikerin setzt sich mit der selbstgewählten Konformität unserer Leben auseinander, sie geht den Zwängen religiöser und politischer Regeln auf die Spur, sie zeigt auf, wie sehr wir unsere Freiheit in der Freiheit des Konsums erschöpfen. (…)

Man könnte meinen, um unsere Befähigung zur Freiheit sei es schlecht bestellt. Doch solange es Dichterinnen wie Linda Vilhjálmsdóttir gibt, die mit dem literarischen Finger sozusagen auf die Wunden zeigen, ist es mir wiederum nicht allzu bange. Schreiben, dichten, lesen: Das sind Akte der Freiheit.“

 

Urs Böke, ratriot.de / Maulhure, 15. September 2018

Der im isländischen Original 2015 erschienene Band FREIHEIT von Linda Vilhjálmsdóttir erblickt nun das Licht der deutschen Lyriklandschaft, klug übersetzt von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer, verlegt im kleinfeinen ELIF Verlag.

Und eines vorweg: Falls Gedichtbände immer so ausfallen würden, bräuchte niemand mehr das tägliche Brot. Die Gedichte der Autorin definieren Zusammenhänge und bieten Erklärungen, ohne dabei Lehrstücke zu sein. Sie sind hochpolitisch, tiefsinnig und einfach zugleich, eine Mixtur wie ein Molotow. Aber die Autorin beim Empfang mit einem Cocktail? Kaum vorstellbar bei all dieser Schlichtheit, die umso mehr Sprachkunst ist. Luzide Gedichte ohne Maskierungen, wohlfeile Sprache, die Wurzeln benennt und die Wurzeln reißt.

Matthias Ehlers, WDR 5 Bücher, 5. Oktober 2018

Dieses Buch ist allgemeingültig in seiner dichterischen Wahrnehmung, inspiriert geschrieben und spannend. Zu einem echten Highlight aber wird „Freiheit“ durch Linda Vilhjálmsdóttirs traumwandlerisch sicheren Umgang mit Sprache.

 

Kristian Kühn, Signaturen-Magazin, 3. November 2018

Eine Litanei mit politischem Sprengstoff, über alles, was uns unfrei machen kann, wenn wir zu sehr uns mit Schablonen und apodiktischen Narrativen vermeintlicher Verheißungen beschäftigen – ein bisschen zynisch, ein bisschen verzweifelt – aber immer inspiriert, fließend und sprachlich präzise.

 

Marina Büttner, Literaturblog Literaturleuchtet, 22. Dezember 2018

In einem einzigen strömenden Ton, teils anklagend, teils ermahnend, durchleuchtet sie unser heutiges Menschsein. Die 58-jährige Isländerin hakt nach und gibt sich nicht gleich zufrieden. Energisch, teils wiederholend und dringlich schiebt sie nach, ein gesellschaftskritisches Bild nach dem anderen. Wie sagt man so schön: Sie hält uns den Spiegel vor.

Nick Lühti, BookGazette, 23. Dezember 2018

Vilhjálmsdóttir verhandelt in ihren Gedichten große Themen: Tod, Religion und unsere Kulturgesellschaft. (…) Man spürt förmlich die Wut (und manchmal auch die Abscheu), die Linda Vilhjálmsdóttir aus dem Bauch steigt und aufs Blatt überspringt. Sie hat eine große Botschaft zu verkünden, mit entsprechender Wortgewalt trägt sie diese auch vor. Das fängt gleich ganz zu Beginn damit an, dass sich die Gesellschaft in einem der ersten Gedichte, sorgsam wie sie ist, das eigene Grab schaufelt, schön drapiert und ausschmückt.

„Freiheit“ von Linda Vilhjálmsdóttir empfehle ich sehr. Es ist unglaublich schwierig, in einfacher Sprache eine solche Dringlichkeit zu erzeugen, solche Wut auszudrücken, solch einen Drang nach Freiheit zu verpacken. Hier gelingt das problemlos. Besonders erwähnt an dieser Stelle soll auch noch das Übersetzerteam Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer sein, die die Gedichte ins Deutsche übertragen haben.

 

Hauke Harder, Leseschatz, 09. Januar 2019

Diese Lyrik ist unglaublich politisch und großartig. Ein Band, der in seiner Knappheit, Emotion und seinen Wiederholungen eine kunstvolle Wucht darstellt. Es ist Literatur, die allgemeine Gültigkeit besitzt und durch die verspielte, leicht wirkende Sprache im Leser viele Gefühle und Gedanken weckt.

Die isländische Lyrikerin Linda Vilhjálmsdóttir

Näheres zu Linda Vilhjálmsdóttir ist neben anderem nachzulesen in einem meiner früheren Blog-Beiträge „Europäischer Dichter der Freiheit“.

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27. Dezember. Vorbei …

So könnte es zu Recht lauten, wenn es ihn denn gegeben hätte, den Schnee …

 

 

Der Kälte Ende

Jetzt geht der Schnee.
Jetzt schmilzt das Eis.

Und wärmer,
dass es wärmer sei,
steht nur am Morgen in der Zeitung.

 

(PS: Das Foto zeigt ein Gemälde der Malerin Michaele Helker.)

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23. Dezember – schneelos!

So in etwa könnte es aussehen, wenn es ihn denn gäbe, den Schnee …
Doch ich kann mir erneut nur eins meiner Gedichte dazu vorlesen.

Landschaft

Die gelbweiße Kruste auf dem Weg,
ein Ast, gebrochen, wer weiß
durch welche Hand.

Ein Telegrafenmast,
Bauernhaus in kaltem Licht,
sich versteckende Bierflasche, Wellpappe, vereist:
dieses Leben, im Winter.

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