Auf dem Weg zur Buchmesse Leipzig 2017

Letzte Vorbereitungen…

… und dann geht´s los! Da warten ein wenig Arbeit und viel Vergnügen auch mich!

Und im Anschluss geht es weiter – weiter in südöstliche Richtung! Man kennt das ja bereits von mir – und auch die Pause, die folglich hier in den „Wortspielen“ entstehen wird.

Man bleibe ihnen dennoch gewogen, bitte!

Und an dieser Stelle auch ein deutliches Dankeschön fürs Bisher!

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Zum Welttag der Poesie

Ein lyrisches Statement des Isländers Ragnar Helgi Ólafsson

 

DICHTERSPRACHE

 

Ich möchte mit dir in einer Dichtersprache sprechen,

ohne die Stille zu durchbrechen.

Es ist nicht so schwierig, wie es klingen mag:

Es ist nur so,

als zöge man ein Kristallglas

an einem Wollfaden

über

einen steinübersäten Strand.

 

SKÁLDAMÁL

 

Mig langar að tala við þig á skáldamáli

án þess að rjúfa þögnina.

Þetta er ekki jafn erfitt og það kann að hljóma:

Bara eins og

að draga kristalsglas

í lopabandi

eftir

stórgrýttri fjöru.

 

Entnommen Ragnar Helgi Ólafssons Gedichtband DENEN ZUM TROST, DIE SICH IN IHRER GEGENWART NICHT FINDEN KÖNNEN – auf Deutsch erscheint er in der Übersetzung von Jón Thor Gíslason und mir in einer zweisprachigen Ausgabe im Herbst im ELIF Verlag, einem engagierten Verlag, der ausschließlich Poesie verlegt!

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Das Ding drehn

Hans Schefczyk erzählt eine durchaus mögliche Geschichte…

„Es ist völlig ausgeschlossen, dass wir illegale Handlungen gleich welcher Art dulden. Oder gar Folter. Wir sind hier nicht in Amerika.“

„Sie müssen nichts dulden. Sie müssen mich nur über den Stand der Ermittlungen informieren. Wer verdächtig ist, wo er sich aufhält und so weiter. Um den Rest kümmern wir uns.“

„Sie meinen Morlock, Wahls und Lasker?“

„Wenn wir die Verdächtigen nach modernsten psychologischen Erkenntnissen verhören könnten, würden wir ganz gewiss polizeitaktisch verwertbare Aussagen bekommen. Vielleicht sogar gerichtsfeste Aussagen.“

Benz verbeugte sich im Sitzen. Es sah aus wie ein auf Hüfthöhe beginnendes Ganzkörpernicken. „Wir wissen  nicht, wo sich die Verdächtigen aufhalten. Morlock suchen wir seit fünfzehn Jahren erfolglos. Und Wahls und Lasker sind vor zwei Jahren spurlos untergetaucht.“ Und weil Klier enttäuscht ins Leere starrte, fügte er zum Trost an: „Aber wir haben noch ein Eisen im Feuer. Verhöre werden gar nicht nötig sein.“

Das „Eisen im Feuer“, das der Verfassungsschützer Armin Benz hier gegenüber Gerd Klier, seinerseits Security-Chef des Billigtextilien-Herstellers Jansen & Peters, erwähnt, ist ein ehrgeiziger Absolvent der Bundesverwaltungsschule, der in die Rolle eines gestorbenen Kriminellen namens Lutz Trede schlüpft und als solcher auf Beate Seiler, alias Ronja, angesetzt ist.

Ronja steht im Verdacht, eine der führenden Köpfe einer Anarchistischen Zelle zu sein, in der Vergangenheit verantwortlich für viele terroristische Anschläge, und in Kontakt zu stehen mit den in dem Gespräch genannten weiteren Mitgliedern.

Und in der Tat: Trede, der mit Ronja eine zunächst lockere, dann aus seiner Sicht jedoch ernster werdende Liebebeziehung eingeht, muss bald erkennen, dass Ronja nicht der bürgerlichen Fassade entspricht, in der zu leben sie vorgibt.

Immer häufiger verschwindet sie für mehrere Tage, taucht dann, ohne Lutz Trede auch nur den Ansatz einer Erklärung zu geben, wieder auf – der Leser allerdings bleibt nicht im Dunkeln über das, was geschieht; er erfährt von der Erpressung der Firma Jansen & Peters, die Ronja zusammen mit den Untergetauchten als Komplizen plant.

Politisch sind die Motive der meisten von ihnen aber längst nicht mehr. Wolfgang Morlock, der seit vielen mit falscher Identität in Barcelona lebte, ist aufgeflogen und hat alles, das ihm seine Existenz gesichert hat, verloren. Jetzt geht es für ihn ums nackte Überleben, und auch Erik Lasker, der frühere Geliebte von Ronja, und seiner jetzigen Partnerin Nele Wahls geht im Untergrund allmählich das Geld aus. Überhaupt: die Anarchisten Zellen haben längst ihre Auflösung beschlossen – allein Ronja hängt noch den politischen Idealen nach und scheint auch vor einem bewaffneten Kampf nicht zurückzuschrecken.

Was Hans Schefczyk vor dem Hintergrund dieser Konstellation in seinem knapp 200seitigen Roman, jüngst erschienen im Transit Verlag, erzählt, mit Barcelona, Köln, Toulouse, Madrid, Lissabon und schließlich Paris als wechselnde Schauplätze quer durch Europa, wie sich Lutz Trede, der Undercover-Mann, zunehmend tiefer in die Sache verstrickt, mit welchen Mitteln die Erpresser die geforderte Summe stetig in die Höhe treiben und das Ding drehn, welche Strategien dagegen der Verfassungsschutz und vor allem die von Jansen & Peters engagierten privaten Jagdkommandos entwickeln – das alles fasziniert durch stimmige Charaktere, Einfallsreichtum, Tempo, Spannung und Genauigkeit.

Insbesondere das polare Denken von anarchistischen Tätern und Sicherheitsbehörden wie privaten Securities ist bestens antizipiert – hätte es diese Tat, die Erpressung, ihre Vorgeschichte und ihren dramatischen Ausgang  in der Realität der 70er und 90er Jahre (das sind die zeitlichen Koordinaten des Geschehens) wirklich gegeben, es hätte alles so ablaufen können.

Wie gesagt, ein fulminantes Ende, das hier natürlich nicht verraten wird, setzt der Autor zum Schluss obendrauf!

Kurzum, ich habe mich durch die Lektüre bestens unterhalten gesehen – und, da Trede und Ronja vorwiegend in Köln mit einander zu tun haben, auch ein wenig erinnert: an die Anfänge der Zeitschrift Stadtrevue (für die  Hans Schefczyk selber gearbeitet hat), an das Billardcafé Schneider, die Zeitung Ana Bela, einem anarchistischen Untergrundblatt, an ein Klima in dieser Stadt zu einer Zeit, in der sich die Anarchos noch regelmäßig auch in einer Kneipe trafen, die zur Tarnung den Namen „Kneipe ohne Namen“ trug!  Und natürlich frage ich mich, ob ich hier dem Autor nicht schon einmal begegnet bin – damals vor so vielen Jahren…

 

 

 

 

 

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Ich weiß ein Haus am Wasser

Hans Fallada in Selbstzeugnissen – mit Aquarellen von Hans-Jürgen Gaudeck

Teilabbildung aus dem besprochenen Buch © Hans-Jürgen Gaudeck / Steffen Verlag

Sehnsucht ist besser als Erfüllung – unter diesem Titel hat der Steffen Verlag bereits ein Jahr, bevor Hans Fallada, der große Schriftsteller der „Neuen Sachlichkeit“, zu seinem 70. Todestag am 5. Februar dieses Jahres eine kaum noch zu übersehende Neu-Entdeckung erfuhr, eine kleine, von Jutta Mirtschin mit treffendem Strich illustrierte Sammlung mit Lebensweisheiten und Aphorismen aus dem Werk des Autors veröffentlicht, ausgewählt von Werner Sagner, einem Mitglied der Hans-Fallada-Gesellschaft, und Erika Becker, der Leiterin des Hans-Fallada-Archis Carwitz.

Zum Todestag selbst veröffentlicht der Verlag sodann die neue Fallada-Biografie von André Uzulis – im aktuellen Beitrag Hans Fallada: Kleiner Mann, mit Größe gescheitert des Blogs Sätze & Schätze von Birgit Böllinger findet diese ebenso ihre Würdigung wie die neue Biografie zu Hans Fallada (alias Rudolf Ditzen mit bürgerlichem Namen), die Peter Walther im Aufbau Verlag publiziert hat.

Der Steffen Verlag legt aber noch ein in meinen Augen ansehnliches Schmuckstück obendrauf. In seiner Reihe edition federchen, in der der Berliner Maler Hans-Jürgen Gaudeck u. a. bereits ausgewählten Texten von Eva Strittmatter und Rainer Maria Rilke auf kongeniale Weise sein Können als Aquarellist zur Seite gestellt hat, ist vor wenigen Wochen nun der Band Ich weiß ein Haus am Wasser erschienen.

 

Aus Selbstzeugnissen komponiert, entnommen dem autobiografischen Werk Heute bei uns zu Haus, Tagebüchern und Briefen an Eltern, Schwester und Verwandte, erzählt Ich weiß ein Haus am Wasser von der wohl glücklichsten Zeit im bewegten Leben des Autors, der von sich selbst einmal gesagt hat:

Ich habe immer Glück im Unglück gehabt, aber ich hatte auch stets Pech im Glück.

Abb. aus dem besprochenen Buch © Hans-Jürgen Gaudeck / Steffen Verlag

In Carwitz, einem kleinen Dorf in Mecklenburg in der Feldberger Seenlandschaft, kauft Hans Fallada 1933 ein kleines altes Gutshaus mit einer dazugehörigen Landwirtschaft. Hier erleben wir ihn nun neben seinem Schreiben bei der Arbeit auf dem Hof, im Umgang mit Frau und Kindern und dem Hund, wir riechen geradezu den Geruch von Blättern und Heu, hören das schlappende Geräusch der Wellen auf dem See, das Sirren der Bienen und spüren den Frost des Winters, der die Obstbäume erfrieren lässt.

Abb. aus dem besprochenen Buch © Hans-Jürgen Gaudeck / Steffen Verlag

All dies, was uns die klare Sprache des Autors  bereits auf eindrückliche Weise vermittelt, verstärkt Hans-Jürgen Gaudeck in einem Wechselspiel von Text und Aquarell nun noch durch ein Augenerlebnis besonderer Güte.

In meinem seinerzeitigen Beitrag Oh hoher Baum des Schauns zur Dichtkunst Rainer Maria Rilkes habe ich bereits meinen Respekt vor dem Können des Künstlers bekundet. Hier bestätigt er dieses Können einmal mehr.

Mal fließend, mal flächig, mal getupft schreiben die Farben in den stets richtigen Schattierungen – von euphorisch leuchtend bis melancholisch gedämpft – die Stimmungen des Autors fort, lassen uns den Wechsel der Jahreszeiten erleben und beleben derart das Nachempfinden der tiefen Zuneigung, die Hans Fallada für dieses sein Haus am Wasser empfunden hat.

Gut 80 Seiten Literatur und Kunst des Aquarells in schönster Korrespondenz  – ich möchte sie nicht missen!

Abb. aus dem besprochenen Buch © Hans-Jürgen Gaudeck / Steffen Verlag

 

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Zum zweiten Mal: Horchposten in Wien

Ein Hörspielfestival zur Gegenwart und Zukunft einer Kunstform

Von 6. März bis 4. April gestaltet FALKNER (alias Michaela Falkner) in der Alten Schmiede als Nachfolgeprojekt von Horchposten I ein Hörspielfestival, das sich Modellpositionen des zeitgenössischen Hörspielschaffens widmet.

Mit HORCHPOSTEN II lenkt FALKNER den Blick auf die Institutionen, die die Kunstform Hörspiel tragen, ermöglichen und fördern. An vier Abenden werden Hörspielredaktionen öffentlich-rechtlicher Sender porträtiert, die mit ihren Produktionen die zeitgenössische Hörspielästhetik wesentlich prägen. Zudem werden studentische Hörspielprojekte vorgestellt. Exemplarische Hörspielproduktionen werden zur Gänze oder in Ausschnitten zu hören sein und verbinden sich mit Gesprächen der Redakteur*innen, Hörspielmacher*innen und Hörspielkritiker*innen über Gegenwart und Zukunft einer Kunstform, die sich trotz schwindender finanzieller Mittel und der schwindenden öffentlichen Aufmerksamkeit beständig weiterentwickelt hat und zu den essenziellen literarischen Ausdruckformen zählt.

Als Epilog zum Hörspielfestival präsentiert Horchposten II am 20. April den soeben erschienenen Band der Werkausgabe radiophone poesie von GERHARD RÜHM, der in über 50 Jahren Hörspielschaffen die Entwicklung einer radiophonen Kunst maßgeblich mitgeprägt hat.

Die „Wortspiele“ freuen sich, ihren Leser*innen Programm und Teilnehmer*innen via Foto bekannt machen zu dürfen und wünschen allen Beteiligten ein kreatives Miteinander und einen guten Erfolg!

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