Ich trage die Wolke ins Haus …

Poetry Clip Nr. 4 / ELIF Verlag

Teilansicht einer Webseite des ELIF Verlags

Nach einem Poetry Clip mit Gedichten aus Island stellt uns Dinçer Güçyeter, Verleger des ELIF Verlags, erneut eine Lyrikerin aus Deutschland vor.
Hier ist der vierte Poetry-Clip zu Gedichtbänden, die in seinem Verlag erschienen sind.
Heute zu Ein morsches Licht von und mit Anke Glasmacher.

Zu den neuen Texten der Autorin war in den Kobinet-Nachrichten u. a. zu lesen:

In ihnen stehen Menschen im Mittelpunkt, die am Rand stehen oder in Gefahr sind, verdrängt zu werden. Menschen, die etwas verloren haben – den Menschen an ihrer Seite, Heimat, ihre Freiheit. Viele dieser Geschichten eröffnen sich uns erst zwischen den Zeilen. Subtil erzählt Anke Glasmacher uns darin von den Geisterstunden, die uns derzeit wachhalten: den zwischenmenschlichen wie aktuell-weltpolitischen.

Und Birgit Böllinger sagt ganz aktuell im sonntäglichen Lyrikraum ihres Literaturblogs Sätze & Schätze:

Es sind die Nachtgedanken einer Spaziergängerin, Bilder, die man beim Umherstreifen durch die Städte pflückt, Beobachtungen der Welt um uns herum. Das ist jedoch nicht in Hochglanz verpackt, sondern in gedämpften Farben beschrieben. Die Bilder erinnern an alte schwarzweiß Fotografien, Licht und Schatten, Nachtgewächse. (…) Die Lyrikerin, die bereits mehrere Bände im ELIF Verlag veröffentlichte, nimmt mit diesem Band die Leserinnen und Leser mit auf ihre Streifzüge durch Landschaften und Städte. Die Beobachtungen dabei: Leise, melancholisch, unerbittlich.

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Hotel Null …

Ein Song (zur Lage?) von Ragnar Helgi Ólafsson

Dass der isländische Schriftsteller Ragnar Helgi Ólafsson, dessen Gedichtband Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können und Story-Sammlung Handbuch des Erinnerns und Vergessens im ELIF Verlag erschienen sind, ein künstlerisches Multitalent ist, ist hier und an anderen Stellen bereits oftmals gesagt worden. Belegt wurde dies bislang zumeist aber nur mit dem Hinweis auf sein grafisches Können, das sich an der kunstvollen Gestaltung seiner Publikationen zeigt.

Nun gibt es endlich auch hier zugänglich einen klaren Beweis für sein musikalisches Wirken: Hotel Null, einen Song, den er nicht nur geschrieben und komponiert hat – sondern noch dazu selbst singt und instrumental begleitet.

Bei letzteren Aktivitäten hat er allerdings tatkräftige Unterstützung: Sein Gitarrenspiel wird auf Mundharmonika und Geige von Freyr Eyjolfsson unterstützt, Páll Ivan spielt den Kontrabass dazu, und seine Tochter Una Ragnarsdóttir, der wir als noch kleines Mädchen in dem Gedicht Wiegenlied I (Für Una) bereits einmal begegnet sind, singt mit ihm im Duett.

Auf Lesereise – letzte Station Berlin

Das Lied ist nicht neu. Wenn Ragnar Helgi Ólafsson es nun erneut öffentlich macht, ist dies vor allem der Tatsache (an der ich nicht ganz unschuldig bin) geschuldet, dass er nach der Rückkehr aus Deutschland von einer Lesereise mit seinem aktuellen Titel Handbuch des Erinnerns und Vergessens in Island seit dem 12. März aus den bekannten Gründen in Quarantäne war. Und als diese vor wenigen Tagen endete, kam ihm das Lied – wie ein Rückblick auf seine vorherige Situation – wieder in den Sinn. Selbst sagt er dazu:

Eines der seltsamsten Dinge beim Schreiben von Gedichten und Texten ist, dass sie manchmal in verzerrter Form – wie in einem surrealen Traum – einige Zeit später im eigenen Leben wahr werden. Ich habe dieses Lied vor einem Jahr geschrieben und dachte wirklich, ich schreibe über andere Dinge als Isolation und Epidemien.

Natürlich haben Jón Thor Gíslason und ich den Liedtext in Deutsche zu übertragen versucht, aber mehr noch als eine jede Übersetzung ist das Ergebnis, das sich in Rhythmus und Reim auch der Komposition anpassen will, wohl nur eine Annäherung an das Original zu nennen. Zusammen mit dem Originalklang von Wort und Ton mag es jedoch einen Eindruck des Geists und der Stimmung wiedergeben, die diesem Lied innewohnen.

HOTEL NULL

Lassen wir´s gut nun sein,
der Versuch war schön, (doch wir)
wir sollten beenden den Schein,
schöner werden „has been“.

Entweder
Und/oder beides
Egal wie
Mir ist alles gleich: Null.
– Im Hotel Null –

Grüßt euch, schönste Träume,
hier findet nichts statt. (Und)
und Schlüssel für Räume
wenden nicht das Blatt.

Keine Trauer
Und keine Freude
Rein nichts:
Nur fett null.
– Im Hotel Null –
– Du und ich – im Hotel Null.

Wenn es hell wird
schlummre ich fort
doch ein Traum kommt nicht zu mir.

Immer schlafen wir aus:
denn nie und nimmer
passiert ja etwas hier.

Wenn Alltags-Trauer-Stürme
lasten auf dir sehr, (denk dran:)
Aufgeben ist bester Schutz (da ist)
kein Zwischenraum mehr (denn, nichts)

ist zu verlieren
nichts zu gewinnen.
Null plus null
ist immer null.

– Buchen wir.
– Das Hotel Null.
– Buchen wir.
– Du und ich
– im Hotel Null.
– Werden wir zur Null.

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Im Innern des dunklen Cafés …

Poetry Clip Nr. 3 / ELIF Verlag

Nach den Poetry Clips 1 und 2 zu Thien Tran und Hung-min Krämer lässt Dinçer Güçyeter, Verleger des ELIF Verlags, heute einen weiteren folgen: Hier ist der dritte Poetry-Clip zu Gedichtbänden, die in seinem Verlag erschienen sind.

Heute zu Gedichte erinnern eine Stimme des isländischen Dichters Sigurður Pálsson.

Zu den Gedichten sagt Ines Daniels in ihrem Literaturblog „letteratura“ u. a.:

Pálssons Lyrik ist nachdenklich, aber nicht verzweifelt, manchmal ist sie sogar heiter. Ich spüre den Wunsch, inne zu halten … Mir kommt es so vor, als könnte ich in Pálssons Gedichten Spuren dessen finden, was das Leben ausmacht, groß und klein.

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Du ziehst das Hemd aus

Poetry Clip Nr. 2 / ELIF Verlag

Dinçer Güçyeter, Verleger des ELIF Verlags, lässt seiner Ankündigung Taten folgen: Hier ist der zweite Poetry-Clip zu Gedichtbänden, die in seinem Verlag erschienen sind.

Heute zu Alles außer Haiku von Hung-min Krämer.

Zu den Gedichten sagte Beate Tröger in einem Beitrag des Deutschlandfunks u.a :

Die Gedichte in Alles außer Haiku kommen der Welt nahe und lassen sich mit ihr ein. Sie sind manchmal melancholisch, hin und wieder ein bisschen sentenziös, aber nie pathetisch oder gar verstiegen. Es sind Gedichte, die kleine Geschichten erzählen und den Blick darauf lenken, dass – in Fortführung eines Gedankens der romantischen Universalpoesie – ein Lied in allen Dingen schläft. Ihre Autorin ist eine aufmerksame und geduldige Archivarin des Besonderen im Beiläufigen. Eine, der alles Zwanghafte und Erzwungene zuwider ist.

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Karten sind Partituren der Landschaft …

Wense, ein Roman von Christian Schulteisz

 

Christian Schulteisz bei der Lesung aus seinem Wense-Projekt 2013 im Bauch eines Schiffes auf der Moldau in Prag

Eigentlich war ich vom Berenberg Verlag auf der Leipziger Buchmesse zu einem Frühstück mit Christian Schulteisz eingeladen, dem Autor dieses Buchs, das den ebenso großen Universalgelehrten wie Universaldilettanten Hans Jürgen von der Wense (1894-1966) zum Protagonisten hat. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, denn schließlich hatte ich zugegen sein dürfen, als Schulteisz einen ersten Auszug seines literarischen Vorhabens der Öffentlichkeit vorstellte.

Das war 2013 und zwar auf einem Schiff in Prag, denn dort hielt sich der Autor gerade als Residenz-Gast des Prager Literaturhauses auf. Damals schon hatte mich das Gehörte fasziniert, verwob Christian Schulteisz in seinem Fragment doch in einer ganz eigenen literarischen Diktion eine als notwendig gesehene Erfindung mit biografisch Belegtem von der Wenses zu einem überzeugenden, beinah ekstatischen Erzählfluss.

Das Ergebnis, sieben Jahre später, kompakt auf 128 fadengehafteten Seiten in Halbleinen, tut dies noch einmal mehr. Hier ist, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, das Geschehen noch einmal konzentriert, die Sprache noch einmal feinst gefeilt worden, so dass der große Querkopf, der Wanderer, Dichter, Denker, Übersetzer, Sammler und Komponist, der seinerzeit durch alle Raster des Kulturlebens gefallen ist, nunmehr in seiner ganzen Tragikomik vor uns steht.

 

„Aber wie nur mithalten“, fragte Schulteisz seinerzeit wohl noch etwas unsicher, „er fliegt ja, dieser Kerl, so vergeistigt, schon fast selbst ein Gespenst. Wie Büchners Lenz durchs Gebirge. Als Mensch war Jürgen von der Wense zu sagenhaft. Will ich mich ihm nähern, muss ich ihn als literarische Figur neu erfinden.“

 

Ich antworte ihm heute gerne, dass ihm dies bestens gelungen ist, und das in einer poetischen Sprache, die mir seine Annäherung an seinen Helden zu einem kleinen literarischen Feuerwerk macht.

 

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