Zwischen Sibirien und Subbelrath, Tanka und Take That: Die zweite „Kölner Literaturnacht“ im Rückblick und mit Ausblick

Die 2. Kölner Literarurnacht … Herzlichen Dank für den Bericht, lieber Martin Oehlen!

Bücheratlas

Gleich, gleich geht’s los. Foto: Bücheratlas

Was ist möglich in einer Nacht? Was zumal in einer „Literaturnacht“? Eine solche gab es jetzt in Köln zum zweiten Mal. Nach der Premiere im Mai 2019 fiel die zweite Ausgabe ins Wasser beziehungsweise wurde sie im Lockdown 2020 versenkt. Nun also auf ein Neues. Und weil die „Literaturnacht“ im vergangenen Corona-Jahr ausgefallen ist, wurden einige der geplanten Veranstaltungen übernommen. Andere kamen hinzu. Mit Folgen für das Programm, das deshalb noch umfangreicher geriet. So war jede Entscheidung für ein Angebot an einer der 20 Spielstätten auch eines gegen zeitgleich platzierte Alternativen. Was wir in dieser Nacht, die doch vor allem ein Nachmittag und Abend war, erfahren haben, gibt es hier im Schnelldurchlauf.

Schreibschule für Jugendliche

Schreibschul-Treffen in der Zentralbibliothek mit Richard Broich, Micaela Campora, Patrick Findeis, Katharina Kern und Gesa Jessen (von links nach rechts) Foto: Bücheratlas

Los geht es um 16 Uhr mit…

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Eine poetische Sicht auf den Lebensweg

Hauke Harder über den Gedichtband Lederjackenwetter

Island
    Foto © Lorena Zils

Gedichte aus einer anderen Sprache ins Deutsche zu übertragen, ist selten einfach, aber immer ist es ein Tun, das Freude macht. Und im Nachhinein ist diese Freude natürlich noch einmal größer, wenn das Ergebnis in einer Besprechung des Buchs, in dem dieses Tun seinen Niederschlag gefunden hat, als ein gutes angesehen wird. Für uns, das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer, löst eine solche Besprechung gleich doppelt Freude aus, sind wir doch keine „Auftragsarbeiter“, sondern wählen selbst auch die isländischen Originale, die wir sodann dem Verlag zur Veröffentlichung vorschlagen.

Da kann es also nicht verwundern, dass wir uns freuen, wenn der Kritiker, Blogger und Buchhändler Hauke Harder aus Kiel in seinem Blog Leseschatz die aktuelle Veröffentlichung aus Island im ELIF Verlag, den Lyrikband Lederjackenwetter von Fríða Ísberg, für gut befindet. Zitat:

In einer zweiten Haut muss man sich wohlfühlen. Sie schützt vor den äußeren Umständen. So ist auch das Buch Lederjackenwetter von Friða Ísberg ein Raum, in dem man Schutz und Einklang findet. Ein Klangraum, in dem man sich immer wieder wohlfühlt. Der Klang dieser Lyrik, dieser Lautmalerei und die Entwicklung der einzelnen Gedichte ergeben einen wunderbaren Reigen.

Und später heißt es:

Die Gedichte sprechen von einem Suchen nach dem geeigneten Platz, dem Ringen nach Zuflucht und einem Schutzpanzer vor den äußeren Einflüssen. Jedes Rüstzeug wird angelegt, um das Sensible, Verletzliche im Inneren zu bewahren und zu erhalten.

Und auch:

Voller bildhafter Kreativität sprudelt die Lyrik von Friða Ísberg auf den Lesenden ein. Eine poetische Sicht auf den Lebensweg. Ein Wachsen, das nicht verwurzelt ist wie ein Baum, sondern sich in eine wunderschöne Wiese ausgießt.

Und schließlich:

Die kunst- und klangvolle Übersetzung aus dem Isländischen stammt von Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gíslason. Die Übersetzung steht jeweils neben dem Original und es ist sehr empfehlenswert, beide Sprachlaute der Lyrik auf sich wirken zu lassen.

Wir danken für soviel Anerkennung des Bandes, und das vor allem natürlich im Namen der Autorin.

 

In Gänze zu lesen ist die Rezension von Hauke Harder HIER. Für diejenigen, die nachschauen, hält sein Beitrag auch eine kleine Überraschung bereit, die ich hier natürlich nicht verrate. Nur soviel: In einem Punkt ist für mich noch sehr viel „Luft nach oben“.

Friða Ísberg, geboren 1992, besuchte das Hamrahlíð-Gymnasium in Reykjavík / Island und beendete ihr anschließendes Studium an der Universität von Island mit einem Examen in Philosophie und einem Master in Kreativem Schreiben. Die Autorin, deren Arbeiten in verschiedenen Publikationen erschienen sind, ist Mitglied des Schriftstellerinnen-Kollektivs Svikaskáld / Betrügerische Dichterinnen und schreibt gelegentlich Rezensionen für das britische Literaturmagazin The Times Literary Supplement.

Nach dem Gedichtband Slitförin / Verschleißspuren (2017) und der Kurzgeschichtensammlung Kláði / Juckreiz (2018, nominiert 2020 für den Literaturpreis des Nordischen Rats) ist leðurjakkaveður / lederjackenwetter (2019) neben diversen Veröffentlichungen in Publikationen von Svikaskáld ihr drittes Buch. Erstmals wird hiermit ein Werk der Autorin, die für ihre Arbeit bislang u.a. mit dem Literaturpreis der Buchhändlerinnen und Buchhändler und dem Nýræktarstyrk, einem Stipendium des Zentrums für isländische Literatur (Miðstöð íslenskra bókmennta) für neue literarische Stimmen, ausgezeichnet wurde, in deutscher Übertragung vorgestellt. Im Oktober erscheint ist in Island erstmals ein Roman der Autorin: Merking / Markierung.

 

Fríða Ísberg
Foto © Saga Sig
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Eich- und Eggebrecht-Preise an Plamper und Filz verliehen — Hoerspielkritik.de

Hier kann man u.a. nachlesen, was ich zum Hörspiel-Werk des Günter-Eich-Preisträgers Paul Plamper gesagt habe. Und seine warnende Dankesrede …

Am 9. September wurden auf dem Mediencampus Villa Ida der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig der Günter-Eich-Preis an Paul Plamper verliehen. Mitglieder der Jury unter dem Vorsitz von Wolfgang Schiffer (ehemaliger WDR-Hörspielchef) waren die Autorin Linde Rotta und ehemaliges MDR-Hörspieldramaturg Thomas Fritz. Zusammen mit dem Günter-Eich-Preis für Hörspiel wurde auch der Axel-Eggebrecht-Preis für Feature an Walter…

Eich- und Eggebrecht-Preise an Plamper und Filz verliehen — Hoerspielkritik.de
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Poetische Aussichten

Puh, da fällt das Warten schwer … Aber bei Aussicht auf eine Rezension des Gedichtbands „Ledenjackenwetter“ – und vor allen auf neue Gedichte von Kerstin Fischer übe ich mich doch gerne in Geduld!

Lyrikatelier Fischerhaus

Bis November werde ich auf meinem Blog ausschließlich eigene Lyrik veröffentlichen. Danach bespreche ich dann auch wieder aktuelle Lyrikbände, deren Poesie mich besonders anspricht. Darunter wird jene sein von Philippe Jaccottet, des großen Dichters, aber auch die der jungen isländischen Poetin Frída Ísberg, deren Gedichte Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gíslason übersetzt haben. Und auch noch einiges andere hat mich beeindruckt, dass dieser poetische Herbst zu bieten hat. Ich freue mich darauf, in die lyrischen Welten einzutauchen und meine Impressionen zu beschreiben.

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Kleine Schale

Moderne Klassik aus Island als „Gedicht der Woche“

Das Gedicht Kleine Schale von Jón úr Vör ist Gedicht der Woche in der Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin. Meines Wissens wird diese Ehre damit zum ersten Mal einem modernen Klassiker der isländischen Literatur zuteil. Der Autor selbst kann es leider nicht mehr erleben, er starb im Jahr 2000; die Freude und der Dank des Übersetzer-Duos Gíslason/Schiffer sind umso größer.

Jón úr Vör war einer der Erneuerer der isländischen Dichtkunst, schon Jahre bevor nach dem 2. Weltkrieg die sogenannten Atomdichter diese mit Vehemenz in die Moderne führten und damit in Island einen wahren Kulturstreit auslösten. Wer sich hierfür interessiert, der mag dies auf mehr als 400 Seiten nachlesen in erstmaligen Übersetzungen von Gedichten und Gedichtzyklen, Dokumenten, Kritiken, Streitgesprächen und Vielem mehr aus der damaligen Zeit im Band 242 der Literaturzeitschrift die horen: Bei betagten Schiffen – Islands Atomdichter.

 

Hier nun das Gedicht eines der „Mitstreiter“, der sich selbst jedoch nie den Atomdichtern zurechnete; in dem ihnen gewidmeten horen-Band fand es seinerzeit dennoch einen ersten Abdruck.

 

Kleine Schale

 

Kleine Schale

auf kleinem Meer.

 

Du denkst vielleicht, dass deine Pfütze das Meer sei,

du denkst vielleicht, alle Wellen brächen sich

am Strande kleiner Seen,

 

und wenn eine kleine Schale in eine kleine Tiefe sinkt

mit voller Mannschaft – sechs Kieselsteine –

dass es kein anderes Meer gäbe

                        das große Meer

                        das Meer des Todes.

 

Und dein Vater küsst dich, wenn er zum Schiff geht,

und nimmt den schwarzen Seesack nicht vom Rücken.

 

Das ewige Meer

            ist vielleicht

eine kleine Pfütze.

 

Eines Tages sagt der Tod zum Leben:

Oh, gib mir deine Schale, Bruder.

 

Entnommen ist das Gedicht dem 1946 erschienenen Gedichtzyklus Þorpið / Das Dorf. Eine isländisch-deutsche Fassung erschien 2011 im Queich Verlag, ist aber wegen Verlagsaufgabe längst vergriffen. Eine Neuauflage als Druck ist nicht in Sicht, doch kann man den gesamten Gedichtband (zusammen mit vier weiteren) demnächst hören. Mitte Oktober veröffentlicht der ELIF Verlag das Hörbuch Das Alphabet des FeuersWolfgang Schiffer liest Gedichte aus Island. Ein wenig Geduld ist also noch gefragt, doch Vorbestellungen nimmt der Verlag bei Interesse gerne bereits entgegen: script@elifverlag.de  

 

 

Wer nun noch etwas mehr über Jón úr Vör erfahren möchte, der klicke hier auf das Gedicht der Woche. Am Ende des Beitrags findet sich eine kurze Biografie.

 

Jón úr Vör
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