Kafkaesk? Oder wie oder was?

WordPress und Facebook beenden Kooperation

Keine Sorge! Der Wahrheitsgehalt der Überschrift betrifft nur meine Kooperation zwischen den beiden Parteien!

Seit einiger Zeit ist es jedenfalls so, dass Facebook sich weigert, meine in meinem WordPress-Blog veröffentlichten Hinweise auf Bücher etc. zu teilen! Mal heißt es, ihr Inhalt verstieße gegen Gemeinschaftsstandards, mal gelten sie direkt als SPAM!

Natürlich frage ich mich, ob es daran liegt, dass ich wegen anderer Dinge derzeit nur noch recht selten dazu komme, etwas zu Veröffentlichungen zu schreiben? Ob es sich also um eine Art pädagogische Maßnahme handelt? Oder verweigert sich Facebook mir, weil ich mich einmal mehr ein wenig auf die Spuren von Franz Kafka begeben habe und mich dessen gelegentliche Rätselhaftigkeit per se verdächtig macht?

Aber vielleicht bin ich es ja nicht allein, dem es so ergeht – oder bereits einmal ergangen ist? Weiß da womöglich jemand, was die Ursachen sind? Wie ich es wieder ins Lot bekomme?

Vielleicht weiß ja sogar wer, wie ich Herrn Zuckerberg mitteilen kann, dass eine derartige „Informationsunterdrückung“ durch sein soziales Netzwerk ziemlich unsozial ist gegenüber Autorinnen und Autoren, die schließlich davon leben, dass die Öffentlichkeit zur Kenntnis nimmt, dass sie Bücher geschrieben haben!

Der Bitte um Überprüfung und der Meldung des Problems an Facebook folgt bis dato nur freundlicher Dank dafür, dass ich gebeten und gemeldet habe – es helfe, Facebook zu verbessern… Da ist also wohl nicht viel zu erwarten!

Dabei würde ich jetzt bald sogar gerne etwas über Warten auf Kafka vermelden, dieser ebenso informativen wie unterhaltsamen literarischen Seelenkunde Tschechiens, die Martin Becker geschrieben hat – aber ich traue mich nicht; wer weiß, was Facebook über den Autor denkt, wenn er in meinem Blog Erwähnung findet…

Upps, jetzt habe ich ihn ja schon erwähnt – hoffentlich geht das gut!

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An Frieslands Küste und anderswo

Ein Geburtstagsgruß anlässlich des Erscheinens Gesammelter Gedichte und Nachdichtungen von Johann P. Tammen

Als Johann P. Tammen, der langjährige Herausgeber des bedeutenden Literaturperiodikums die horen, diese Tätigkeit vor einigen Jahren in neue, in der Redaktionsarbeit bereits bewährte Hände übergab und der nunmehr von Jürgen Krätzer verantworteten Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik mit dem Wallstein Verlag überdies zu einer neuen publizistischen Heimat verhalf, da habe ich den Wunsch geäußert, dass er nach dem Ablegen dieser Verantwortung nun umso mehr Zeit und Kraft haben möge für den zweiten großen Teil seiner Lebensleistung: der eigenen Dichtkunst!

Anlässlich seines 75ten Geburtstags, bei dessen Feier in Bremerhaven ich die Freude hatte zugegen zu sein, habe ich diesen Gedanken in einem kleinen Geburtstagsgruß noch einmal aufgegriffen – spielerisch und in Anspielung auf einen Doppelsammelband mit vom Dichter selbst kritisch durchgesehenen eigenen Gedichten und Nachdichtungen internationaler Lyrik, der pünktlich zum Ehrentag Anfang Februar im Wallstein Verlag erschienen ist: Stock und Laterne – Ausgewählte Gedichte 1969 – 2019 und Wind und Windporzellan – Nachdichtungen – Von Guillaume Apollinaire bis Valentino Zeichen.

Das Ende meines Geburtstagsgrußes lautete wie folgt:

Natürlich bist Du darin (in der eigenen Dichtkunst) nie müde gewesen, aber ich muss gestehen, dass ich als Teil Deiner Leserschaft manchmal etwas gehemmt war angesichts der bibliophilen Kostbarkeiten, in denen Du veröffentlicht hast, dass ich sie ob ihres Wertes beinahe gar nicht aufzuschlagen, also beinah gar nicht zu lesen gewagt habe!

Du glaubst gar nicht, wie groß meine Freude ist, dass dies nun ein Ende hat! Du magst es vielleicht als ein Geschenk des Verlages ansehen, dass der Wallstein Verlag zu Deinem 75ten einen Doppelband mit von Dir ausgewählten Gedichten vom Anfang bis auf den heutigen Tag und Deinen Nachdichtungen herausbringt – auf weit mehr als 450 Seiten – und zweifellos ist es auch eins, vielleicht sogar ein weitaus nachhaltigeres als die Geschenke, die wir Dir heute mitbringen konnten – aber, lieber Johann, glaube mir, vor allem beschenkst Du mit dieser kritischen Aufbereitung und Veröffentlichung Deines lyrischen Werks – uns, Deine Leserinnen und Leser! Und wenn ich Dir heute etwas wünsche, dann ist es – neben Glück, Freude, Wohlergehen – dann ist es vor allem, dass die Schar Deiner Leserinnen und Leser unzählig werden möge, dass die Ernte, die Du für Dein Schaffen einfährst, reif und reich sei wird! Ein oder zwei gut dotierte Literaturpreise dürfen aus meiner Sicht übrigens gerne auch dabei sein – nicht zuletzt, weil sie uns doch die Gelegenheit gäben zu einem baldigen erneuten von Herzen kommenden Ausruf: Lieber Johann, herzlichen Glückwunsch!

Ich denke, ich muss nicht betonen, dass dieser Wunsch – auch ohne den feierlichen Anlass – immer noch gilt! Als Freund des Dichters enthalte ich mich an dieser Stelle einer „qualitativen Bewertung“ seines lyrischen Schaffens, sie könnte mir als allzu subjektiv ausgelegt werden – sagen darf ich aber, dass sich ein Einlesen darin, ein Eindringen ganz zweifelsfrei lohnt. Das Zitat eines Gedichts werfe ich hierzu gerne als „Köder“ aus.

 

Der Tischkalender

Das Meer   mit kalten Händen
himmelsheimwehblau umfasst

erdig unter der Tischlampe
schwappt auf´s Kalenderblatt.

Es flieht den Zigarrenrauch.

Der Lotse träumt von Libellen
mit Vorwahlnummer.

Das Meer   ein zum Himmel
schreiendes Großmaul   ein

Geklapper windschief kauender
Kammwellenzähne.

Es verschmäht Wasserfarben.

Die Mär von dem Schiff   mit
seegrünen Tagfalterflügeln

ist aus erfundenem Holz.

Der Dichter Johann P. Tammen

Foto: Porträts    Der Dichter Johann P. Tammen

 

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Die Gedichte des Isländers Sigurdur Pálsson

Martin Oehlen, Literaturkritiker und ehemaliger Kulturchef des Kölner Stadt-Anzeigers, sagt über „Gedichte erinnern eine Stimme“, den vor wenigen Tagen im ELIF Verlag erschienenen Gedichtband aus Island:

„Solcherart wird die Stimme von Sigurður Pálsson nicht verstummen.“

Das Übersetzerteam Gíslason / Schiffer freut sich und dankt!

Bücheratlas

P1060679 (2) P wie Pálsson – Hinweisschild auf Island.  Fotos: Bücheratlas

Das Wort „sólskin“  kommt einige Mal vor in den Gedichten des Isländers Sigurdur Pálsson. Das klingt auch in der deutschen Übersetzung positiv: „Sonnenschein“. Als Pálsson die Texte für den Band „Gedichte erinnern eine Stimme“ zu Papier brachte, wusste er wohl um den nahenden Tod. Dennoch sind seine Verse alles andere als bittere Klagen über die Vergänglichkeit. Im Gegenteil: Ihnen mutet zuweilen ein fröhlicher Trotz an, sich vom Tod nicht bange machen zu lassen. Einmal heißt es: „Ich habe keine Angst vor ihm/ er kommt wenn er kommt/ ‚Sei gegrüßt, wann immer du willst‘“. Gleichwohl – der Autor verliert sich nicht an die Blauäugigkeit. Die Schatten werden länger – das stellt er auch fest; und die Stimme des Lebens ist vor allem „weit hinten im Traum“ zu spüren.

Sigurdur Palsson, 1948 im Nordosten Islands geboren, ist am 19. September 2017 verstorben. Die…

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Was die Stimmen verschweigen …

Elke Engelhardt bespricht für FIXPOETRY den Gedichtband „Gedichte erinnern eine Stimme“ von Sigurður Pálsson

Hell und dunkel, Schweigen und Schreien, Feuer und Schatten. Es sind die Gegensätze zwischen denen sich das menschliche Leben entfaltet. Zwischen Schwarz und weiß leuchtet das Leben in unterschiedlichen Grautönen, erklingt in einem manchmal beinahe unhörbaren Grundton.

„Gedichte erinnern eine Stimme“, der 2016 auf Isländisch unter dem Titel „Ljóð Muna Rödd“, erschienene Gedichtband Sigurður Pálssons, liegt nun in der Übertragung von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer im Elif Verlag in einer wunderschön gestalteten zweisprachigen Ausgabe  vor. Dabei ist dieser Gedichtband nicht nur ein weiteres Buch, mit dem der 2011 gegründete Verlag, der sich längst zu einer Institution entwickelt hat, ein weiteres Mal der selbst gestellten Aufgabe „gute Texte mit gut gestalteten Büchern zu veröffentlichen“ treu bleibt, sondern auch ein berührendes Zeugnis der Auseinandersetzung eines Menschen mit seinem bevorstehenden Tod.

Die Besprechung in Gänze findet sich hier:

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Valerie und die Woche der Wunder

Ein poetistischer Schauerroman

Blick vom Vyšehrader Friedhof über die Moldau

Ja, vor dem Grab von Vítězslav Nezval, dem tschechischen Dichter, Schriftsteller und Übersetzer, auf dem Vyšehrader Friedhof in Prag habe ich bereits mehrfach gestanden, aber gelesen, ich muss es zu meiner Schande gestehen, hatte ich bis jetzt – außer vielleicht einmal mehr oder weniger nebenbei ein Gedicht aus seiner Feder – nichts von ihm!

Dabei zählt Vítězslav Nezval (1900 – 1958) zweifellos zu den Großen der tschechischen Literatur. Er gilt als Mitbegründer des Poetismus, eine in den 20er Jahren dem Surrealismus verwandte Kunstrichtung, die es so nur in der Tschechoslowakei gab, und deren Prinzipien er auch später noch, nach dem 2. Weltkrieg, gegen den von der kommunistischen Regierung geforderten Sozialistischen Realismus verteidigte. 1953 wurde er zum Nationalkünstler ernannt.

Das alles und mehr konnte ich ohne große Mühe nachlesen, dank eines neuen Verlags in Wien und Prag habe ich nun aber auch das Vergnügen gehabt, seinen 1935 im Original erschienenen Roman Valerie a týden divů zu lesen, und das in einer deutschsprachigen Erstübersetzung.

Der Verlag nennt sich Kētos Verlag, ein Bezeichnung, welche die Verlagsgründer Ondřej Cikán und Anatol Vitouch mal mit Raubtier, mal mit Monster der Muse gleichsetzen; das Ziel des Verlags definieren sie selber wie folgt:

Ein Ziel des in Wien und Prag beheimateten Kētos besteht darin, die deutschsprachige Literatur durch poetische Übersetzungen zu bereichern, die die Versmaße, den Klang, das Bilderschaffen des Originals respektieren. So ergeben sich für das Deutsche neue, inspirierende Formen und Inhalte, da der Inhalt in der Literatur ja immer an die Form gekoppelt ist. Das Kētos übersetzt Unübersetzbares, sei es wilde Lyrik, sei es abenteuerliche, poetische Prosa, ob sie nun aus der Gegenwart oder der Antike stammen.

Um eine abenteuerlich, poetische Prosa handelt es sich bei Valerie und die Woche der Wunder ganz gewiss. Schon der Beginn des ersten Kapitels Wunderwirkender Hof enthält alle Ingredienzien, die es braucht, um eine abenteuerliche, von Unheil und Schauer getränkte Stimmung zu erzeugen.

Valerie betrat mit einer Petroleumlampe in der Hand den Hof. Es war Vollmond … Ihre nackten Füße berührten das Mondlicht. Auch fühlte sie, wie die Gärten dufteten. Das Geschrei des Geflügels ließ nicht nach. Sie stützte mit der rechten Hand ihr kleines nächtliches Leben.

«Wer ist dort oben?!» rief sie und trat einen Schritt auf den Hühnerstall zu.

Da drehte ein Nachtfalter einen Kreis um die Lampe. Dann ein zweiter, ein dritter.

«Es ist ein Ratz», sagte sie zu sich selbst.

Aber dann bemerkte sie, dass der Hof ausgetauscht war.

Und nicht nur das! Der Ratz ist kein wirklicher Ratz, kein Iltis, kein Stinkmarder – sondern die Bösartigkeit in Person, ein Mensch, der nur so aussieht wie ein Ratz, zugleich aber in vielfältige Rollen zu schlüpfen weiß, Menschen verwelken oder  sich verjüngen lässt und seit Gedenken sein eigenes Leben mit dem Trinken von Hühnerblut ins Ewige verlängert! Und womöglich ist Valerie sogar seine Tochter!

Übersetzt hat den Roman, den ich allein schon wegen seiner Vielzahl immer wieder überraschender Varianten im weiteren des an den Strukturen eines Groschenromans angelegten Geschehens gerne zur Lektüre empfehle, mit Ondřej Cikán einer der Verleger selbst.

Lesern dieses Blogs ist Ondřej Cikán dabei vielleicht sogar kein völlig Unbekannter – ich habe vor Jahren über ihn als Übersetzer schon einmal im Zusammenhang mit dem poetischen Epos Mai von Karel Hynek Mácha geschrieben.

Auch diesmal löst er die zweifellos nicht einfache Aufgabe der Übertragung des tschechischen Originals mit Bravour. Anmerken will ich nur, dass mich manche Fußnote zur Herkunft und Bedeutung eines Wortes etc. am unteren Rand einer Seite bisweilen ein wenig in meinem Lesefluss gestört hat, dagegen steht aber die geradezu sprachwissenschaftliche Präzision der Arbeit, von der diese Fußnoten zeugen.

Letzteres gilt vor allem auch für das umfangreiche Nachwort, das Ondřej Cikán dem Roman beigestellt hat. Hier erfährt man Wesentliches über Poetismus und Surrealismus, Biobliographisches zum Autor und vieles mehr bis hin zu den Vorlagen und Grundsätzen der Übersetzung. In der Summe bietet Valerie und die Woche der Wunder somit eine mögliche Erweiterung des literaturgeschichtlichen Wissens und ein kraftvolles Leseabenteuer zugleich.

Das Grabmal von Vítězslav Nezval auf dem Vyšehrader Friedhof in Prag
Fotos: Wolfgang Schiffer

 

 

 

 

 

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