Die Wortspiele sagen (vorübergehend?) adieu!

Es war eine gute Zeit…


Sie werden / Ihr werdet es längst bereits bemerkt haben: Die Beiträge auf meiner Seite sind seltener geworden in den letzten Wochen, den letzten Monaten.

Seit Längerem bereits überlege ich, ob es für mein Tun auf dem Feld der Literatur sinnvoll ist, diese Art der Beschäftigung mit ihr fortzusetzen – nur allzu oft geriet sie schon ins Hintertreffen angesichts anderer Aufgaben und Ziele wie das Vorbereiten von Veranstaltungen und Jurysitzungen, Moderationen, Übersetzungen, das eigene literarische Schreiben.

Nein, es ist nicht die in wenigen Tagen verbindlich in Kraft tretende neue Datenschutzverordnung DSGVO, die mich diese Überlegung nun konsequent hat zu Ende denken lassen – ich habe in einem ersten Schritt bereits sogar meine Datenschutzerklärung entsprechend aktualisiert – aber einen letzten Anstoß mag doch auch sie gegeben haben.

Jedenfalls bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich (vielleicht auch angesichts zunehmenden Alters und damit leicht nachlassender Energie?) mehr Kraft für und Konzentration auf die Dinge aufbringen können will, die mir noch wichtiger sind als mein Bloggen. Dazu zählt natürlich weiterhin die Literatur, die Poesie, der Blick vor allem auch auf das, was hierin in Island entsteht und den Leserinnen und Lesern bei uns vielleicht nicht vorenthalten bleiben sollte, dazu zählt in jedem Fall aber auch mein – ich nenne es einmal – privates Umfeld. Vor allem zählt dazu ein von mir überaus geliebter Mensch, der nur allzu oft und allzu lange allein meinen Rücken zu Gesicht bekommen hat – und dem ich auch weiterhin, so ist dann doch zu befürchten, diesen Anblick nicht gänzlich werde ersparen können!

Mit diesem letzten Beitrag werden die „Wortspiele“ also in kurzer Zeit – nicht leichten Herzens, aber überzeugt, das Richtige zu tun – zumindest vorübergehend ihre Aktivität einstellen.  Ich bitte um Ihr / Euer aller Verständnis! Und ich danke Ihnen / Euch für fünf Jahre des Folgens, für die vielen Besuche der Seiten, für das Mitlesen und Kommentieren.

Ja, es war eine gute Zeit!

Seien Sie / seid ganz herzlich bedankt dafür!
Und haben Sie / habt alle eine heitere Zukunft!
Ihr / Euer Wolfgang Schiffer

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Juninovember

Erinnernd aus gegebenem Anlass: Heute vor fünf Jahren starb Sarah Kirsch, eine der nicht nur von mir höchst geschätzten Lyrikerinnen deutscher Sprache…

Wortspiele: Ein literarischer Blog

Sarah Kirschs nachgelassene Aufzeichnungen…
Sarah Kirsch - einige Buchtitel Foto © Wolfgang Schiffer Sarah Kirsch – einige Buchtitel Foto © Wolfgang Schiffer Nein, in meinen Bücherregalen steht nicht das komplette Werk von Sarah Kirsch – ich glaube, das wären wohl an die fünfzig Einzelbände – und doch, so denke ich zumindest, habe ich so viel von ihr gelesen, dass ich dem Urteil wahrer Lyrikkenner vorbehaltlos zustimmen kann: Sarah Kirsch ist eine der bedeutendsten Autorinnen deutscher Sprache und ihr Tod am 5. Mai vergangenen Jahres hat der deutschsprachigen Dichtung eine ihrer eindrucksvollsten Stimmen genommen.

Sarah Kirschs erster eigener Gedichtband Landaufenthalt erschien 1967 im Aufbau Verlag. Für mich zeigt bereits das letzte Gedicht dieses Bandes, was später charakteristisch werden sollte für die damals noch in der DDR lebenden Autorin: u. a. die Entwicklung einer Bildsprache, die aus der Hinwendung zu Natur und Landschaft schöpft, und ein poetischer Atem, der völlig unangestrengt lyrische Gefühlswelten und zivilisationskritische Reflexion zu vernetzen weiß.

Ich bin…

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Die Katzen

Eine nachgelassene Erzählung von Julio Cortázar

„Sie sind wie die Katzen“, stellte Mama Hilaire untröstlich fest, „wie zankende Katzen.“ Carlos María dachte an das fürchterliche Geschrei nachts auf den Dächern. Aber er wusste auch, dass Katzen sich unter Vollmond nicht zanken, dass sie zwar schreien und fauchen, aber nicht im Kampf.

Die Katzen von Julio Cortázar versetzen uns nach Buenos Aires in den 1940er Jahren. Carlos María, Sohn der Hilaires, wächst zusammen mit seiner Cousine Marta auf, der sich die wohlhabenden Eltern wie eines eigenen Kindes angenommen haben. Ihre gemeinsame Kindheit verbringen sie mit den üblichen geschwisterlichen Spielen, ausgelassen und wild, mit beginnender Pubertät jedoch entsteht ein anderes Interesse aneinander, ein ihnen bis dahin unbekanntes, höchst erotisches Spannungsfeld, in dem Anziehung und Abstoßung das nun für beide gleichermaßen irritierende Miteinander prägen. Erst als später mit Rolando ein junger Mann in Martas Leben tritt, scheint sich ihre Beziehung zu klären – allerdings äußerst schmerzhaft für Carlos María, denn auch wenn er mannhaft auf Marta zu verzichten gedenkt, so überwiegt doch immer wieder rasende Eifersucht. Und schließlich findet er im Sekretär seines Vaters noch einen rätselhaften Brief, der ihm ein Familiengeheimnis zu enthüllen scheint, das die Situation noch verzweifelter werden lässt…

Wer bereits Erzählungen und / oder Romane des argentinisch-französischen Schriftstellers Julio Cortázar (1914 – 1984) gelesen hat, den wird es vielleicht verwundern, dass diese novellenartige Erzählung aus dem Nachlass, den 2009 bekannt gegebenen Papeles inesperados, den unerwarteten Papieren, nicht bereits früher, noch zu Lebzeiten des Autors, veröffentlich wurde. In ihrer Kunst der Andeutung, der luziden Entwicklung der Charaktere, dem Aufbau innerer Spannung, der stilistischen Präzision, kurzum in ihrer gesamten Erzählkunst steht sie nämlich in Nichts dem bereits veröffentlichten Werk nach.

Wie auch immer: Dass wir das kleine Meisterwerk nun sowohl im spanischen Original wie auch in deutscher Übersetzung lesen können – und das in ein und demselben Buch – verdanken wir vor allem der Kunststiftung NRW. Sie nämlich ist es gewesen, die im Rahmen ihrer seit Jahren bestehenden Förderung literarischer Übersetzung (sie verleiht u.a. den Straelener Übersetzerpreis) mit diesem Buch erstmals ein Tandem-Projekt verwirklicht hat, das junge Übersetzerinnen und Übersetzer, die noch am Anfang stehen, mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammenbringt und in enger Zusammenarbeit ein literarisch bedeutenden Werk der internationalen Literatur, das bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt ist, übertragen lässt.

Das Projekt ist Teil der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung NRW, deren Ergebnisse – wie auch dieses zweisprachig edierte Buch – im Düsseldorfer Lilienfeld Verlag, Träger des erstmals vergebenen Verlagspreises NRW, erscheinen.

Das erste Tandem bildeten Henriette Terpe und der erfahrene Übersetzer Frank Henseleit. Beigegeben haben sie der Erzählung auch noch ein Nachwort, das den Text u.a. in das Gesamtwerk Julio Cortázars einordnet. Das Ergebnis in der Summe liest sich ganz großartig und wird von mir gerne empfohlen. Und Neugier weckt es auch: Aufs Wiederlesen weiterer Werke des Autors – und auf das nächste Tandem und dessen Wahl!

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„Wer nicht in der Poesie lebt, der überlebt hier auch nicht.“

Aus Anlass: Heute, am Welttag des Buches, wurde vor 116 Jahren Halldór Kilian Laxness geboren – einer der von mir – wie ein früherer Beitrag für den Literaturblog „Sätze & Schätze“ unschwer zeigt, meist geschätzten Schriftsteller auf diesem Planeten. Er starb am 8. Februar 1998. Einmal mehr verbeuge ich mich vor ihm und seinem Werk.

Wortspiele: Ein literarischer Blog

Ein Besuch bei Halldór Laxness

Das Werk von Halldór Laxness – doch längst nicht vollständig… Das Werk von Halldór Laxness – doch längst nicht vollständig…

Wenn einem – wie so häufig – Birgit Böllingers Idee zu einer Reihe in ihrem äußerst lesenswerten Blog Sätze & Schätze per se sehr gefällt und man sodann auch noch von ihr, wie bei der Reihe #MeinKlassiker geschehen, ermuntert wird, doch mit einem Beitrag – möglichst aus der Landschaft des besonders ausgeprägten eigenen literarischen Interesses – daran teilzunehmen, so darf man dies meines Erachtens durchaus als eine kleine Ehre empfinden.

Da muss man dann irgendwann einfach mal Zahnschmerz, Grippe sowie Arbeiten, die den vermeintlich letzten verbliebenen Rest an Konzentrationsfähigkeit erfordern, beiseiteschieben und sich, wenn auch mit deutlicher Verspätung, ans Werk machen – sprich, sich zunächst einmal entscheiden, wer es denn sein soll, der in den Status MeinKlassiker erhoben wird…

Was daraus erfolgt ist und in Sätze & Schätze bestens bebildert als #MeinKlassiker 30 veröffentlicht wurde…

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Scherengeräusch und Wintergespött

Glücksmomente in Sachen Literatur (2)

Teilabbildung aus dem nachfolgend erwähnten Gedicht

Vor einiger Zeit schrieb ich am Beispiel der Würdigung der isländischen Lyrikerin Linda Vilhjálmsdóttir als „Europäischer Dichter der Freiheit“ über das besondere Glücksempfinden, das einem ein Leben mit Literatur von Zeit zu Zeit gar über das Normale hinaus gewährt.

Ich versprach zum Schluss, von einem zweiten solcher Momente zu berichten, die mir in den vergangenen Wochen zuteilwurden.  Hier ist mein kleiner Bericht.

Seit vielen Jahren bereits veröffentlich die San Marco Handpresse des Bildhauers und Zeichners Peter Marggraf – neben einer Vielzahl anderer liebevoll gestalteter Bücher (z. B. die kleine Reihe i libri bianchi) in loser Folge Einzeleditionen von Sammlungen ausgewählter Gedichte,  lektoriert und herausgegeben von Hans Georg Bulla.

i libri bianchi

Dies geschieht, wie es sich für eine Handpresse geziemt, natürlich in kleinster Auflage, in feinstem Satz auf feinstem Papier und auf einem Handtiegel gedruckt – und erfährt zumeist noch eine besondere Aufwertung darüber hinaus: eine beigelegte Radierung des Künstlers und Handpressen-Buchdruckers selbst.

Das kennt man doch, denken jetzt vielleicht so manche, woran soll sich denn hier ein derart außergewöhnlicher Glücksmoment entzünden, dass darüber – wenn überhaupt – etwas über eine normale Besprechung hinaus zu sagen wäre?

Nun, sagen wir mal, ich habe neben einer mich wirklich verblüffenden Besonderheit mehrere persönliche Gründe!

Die verblüffende Besonderheit besteht darin, dass das Werk, dessen Cover ich wegen der Größe der Publikation und meiner fehlenden Aufnahmetechnik hier nur in einem Ausschnitt andeuten kann, laut Impressum erst im Winter dieses Jahres gedruckt wird. Und doch habe ich kein Vorab-Exemplar, sondern die Nummer 10 der vom Dichter und Künstler 24 hergestellten und signierten Exemplare.

Den Künstler habe ich schon genannt: Peter Marggraf. Der Dichter steht für den ersten persönlichen Grund. Es ist Johann P. Tammen, neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller für viele Jahre engagierter und unermüdlicher Herausgeber der Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik die horen. Mit ihm verbindet mich nicht nur die Erinnerung an so manch intensive Zusammenarbeit, sondern vor allem das Vergnügen und die Ehre einer tiefen Freundschaft.

Mit Scherengeräusch und Wintergespött legt Johann P. Tammen nun fünfzehn seiner lyrischen Dedikationen vor. Seine Zueignungen gelten Künstlern wie Schriftstellern, zum Beispiel Franz Radziwill oder Robert Walser, sie gelten dem niederländischen Dichter Frans Budé, dem tschuwaschischen Poeten Gennadij Ajgi, dem Isländer Baldur Óskarsson, den deutschen Autorinnen und Autoren Elke Erb, Richard Pietraß, Hugo Dittberner oder Brigitte Struzyk.

Aus den veröffentlichten Gedichten ergibt sich nun auch der zweite persönliche Grund für den außergewöhnlichen Glücksmoment – denn eines von ihnen ist mir zugeeignet.

Neben der großen Freude, zwischen den „großen Namen“ in dieser so feinst gemachten Publikation selber auch einen Platz erhalten zu haben, evoziert das Gedicht H. K. L. – der seinen Namen schrieb als wir ihm gegenüber saßen, welches die obige Fotografie in Teilen zeigt, noch ein weiteres Glücksgefühl – und damit einen weiteren persönlichen Grund, Scherengeräusch und Wintergespött hier mit einer gewissen Euphorie vorzustellen: Das Gedicht erinnert an einen gemeinsamen Besuch von Johann P. Tammen und mir beim großen isländischen Schriftsteller Halldór Kilian Laxness. Der Besuch des von uns Beiden gleichermaßen verehrten Literatur-Nobelpreisträgers liegt zwar schon viele Jahre zurück – mir aber ruft das Gedicht die Begegnung wieder ins Bewusstsein, als habe sie in den ersten Monaten dieses Jahres stattgefunden.

Der alte Mann in dem weißen

Haus am Rand des Mondes nascht den

Zucker in seine Faust gleich Brocken

des Ruhms der über ihn kam

Kreischend

stürzen Möwen meerwärts durch Himmel.

 

Halldór Laxness wurde am 23. April 1902, dem diesjährigen Welttag des Buches, geboren; er starb am 8. Februar 1998.

Die Radierung des Künstlers Peter Marggraf, die der Publikation Scherengeräusch und Wintergespött in der San Marco Handpresse beiliegt, trägt den Titel Horchender am Stein. Natürlich setze ich diesen Titel sofort in Beziehung zum poetischen Schürfen des Urhebers der Texte, zu dem Dichter Johann P. Tammen, doch angesichts des Werks von Halldór Laxness will mir scheinen, als wäre es nicht ganz falsch, dabei auch an ihn zu denken.

Horchender am Stein, Radierung von Peter Marggraf, vernis mou und aquatinta 2018

 

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