Hörgewohnheiten aufs Neue hinterfragen und produktiv herausfordern

Die Verleihung der Radiopreise 2022

Der Saal auf dem Campus nach der Veranstaltung …

Am 16. Juni dieses Jahres wurden in Leipzig zwei in unserer Medienlandschaft einzigartige Preise verliehen, der Günter-Eich-Preis für ein Hörspiel-Schaffen und der Axel-Eggebrecht-Preis für dasselbe im Bereich des Radio-Features, beide benannt nach in der Vergangenheit illustren Vertretern dieser Genres, der Königsklassen des Radios, wie die Radiomacher gerne sagen.

Statt fand die Verleihung, die auch im Live-Stream ausgestrahlt wurde, auf dem Campus der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, die sich seit nunmehr beinah 20 Jahren der Förderung des deutschsprachigen Hörspiels und des Features verpflichtet sieht und mit den von ihr gestifteten Preisen das Lebenswerk von Autorinnen und Autoren würdigt, die mit ihren Radio-Arbeiten das Repertoire der beiden Gattungen vielgesichtig und stetig erweitert haben. Die Preise sind mit je € 10.000 dotiert.

Bisherige Preisträger des Günter-Eich-Preises sind: Paul Plamper, das Duo Andreas Ammer und FM Einheit, Friederike Mayröcker, Ror Wolf, Jürgen Becker, Hubert Wiedfeld, Eberhard Petschinka und Alfred Behrens.

Die bisherigen Preisträger des Axel-Eggebrecht-Preises sind: Helmut Kopetzky, das Duo Richard Goll und Alfred Treiber, Friedrich Schütze-Quest, Paul Kohl, Margot Overath, Alfred Koch und Walter Filz.

In diesem Jahr ging der Günter-Eich-Preis an die Komponistin, Pianistin, Regisseurin, Skriptautorin und Produzentin Ulrike Haage. Geboren 1957 in Kassel, ist sie seit mehr als 25 Jahren dem Hörspiel verbunden. Nach einem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg lehrte Haage dort einige Jahre das Fach Orchesterleitung und Improvisation. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie als Musikerin bekannt, als sie zu den „Rainbirds“ stieß. Seit 1994 produziert Ulrike Haage Hörspiele für verschiedene Sender der ARD wie zum Beispiel den BR, Deutschlandradio, SWR oder den HR.

In der Jurybegründung zu ihrer Auszeichnung heißt es u.a.:

Indem sie mit ihren vielseitigen Gaben und Interessen Hörspiele schafft, die sich immer wieder neu als fruchtbares Medium ihrer Suche nach dem weiblichen Element in den Künsten wie in unseren Lebensformen beweisen, wird Ulrike Haage zu einer wegweisenden Hörspielautorin, deren umfangreiches Lebenswerk mit dem ‚Günter-Eich-Preis 2022‘ geehrt wird.

Die glückliche Preisträgerin und der glückliche Preisträger
Foto © Medienstiftung/Volkmar Heinz

Mit dem Axel-Eggebrecht-Preis für sein Feature-Schaffen wurde in diesem Jahr Lorenz Rollhäuser ausgezeichnet.

Zu seiner Arbeit heißt es in der Begründung der Jury u.a.:

Selbstkritisch und humorvoll, sensibel und kundig begegnet Lorenz Rollhäuser den Themen und den Menschen, die von sozialer Ungerechtigkeit, Drogenmissbrauch, Generationenkonflikten erzählen. Aus seiner besonderen Perspektive heraus werden aus gängigen Themen zwingende Geschichten – echt, frisch, das pralle Leben. Und er meint es gut mit den Menschen, denen er sich in jeder Situation nähert und die er erzählen lässt. Solange man irgendwie klarkommt, sagt das Mädchen im Cannabis-Feature, könne man doch kiffen. ‚Okay, man wird abhängig‘, schränkt sie dann ein. So geht es einem beim Hören der Features von Lorenz Rollhäuser. Man wird abhängig. Jedes Feature ist für sich besonders und entfaltet seinen Zauber von Beginn an.

Lorenz Rollhäuser, 1953 in Marburg/Lahn geboren, studierte Erziehungswissenschaften in Münster. In den 1980er Jahren betrieb er ein Café in Hamburg. Seit den 1990er Jahren arbeitet Rollhäuser vorrangig als Feature- und Hörspielautor und -produzent für die ARD und den Deutschlandfunk und reiste für seine Arbeit in zahlreiche verschiedene Länder Afrikas und Lateinamerikas sowie nach China und in die USA.

Mit Ulrike Haage und Lorenz Rollhäuser im Gespräch

Selbst hatte ich in diesem Jahr nicht nur die Freude, als Vertreter der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in beiden Jurys mitwirken zu dürfen, mir wurde auch die Ehre zuteil, die feierliche Preisverleihung moderieren und dabei auch ein kurzes Gespräch mit den Gepriesenen führen zu dürfen. Wer all dies nachhören und nachschauen möchte, nebst dem Spiel eines von Ulrike Haage natürlich selbst komponierten Stückes auf dem Flügel des Hauses, der möge den Link Radiopreise 2022: Livestream der Preisverleihung anklicken. Ein Einbetten des YouTube-Beitrags auf anderen Webseiten ist derzeit leider nicht möglich.

 

 

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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4 Antworten zu Hörgewohnheiten aufs Neue hinterfragen und produktiv herausfordern

  1. wildgans schreibt:

    Herzlichen Dank für die feinen Informationen, die man ansonsten nirgendwo in dieser kenntnisreichen Form bekommt!

  2. Wolfgang Schiffer schreibt:

    Der Informant dankt herzlichst!

  3. gsohn schreibt:

    Hat dies auf http://www.ne-na.me rebloggt.

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