manchmal wie ein tourist am reynisstrand

Das aktuelle „Gedicht der Woche“ kommt aus Island

Ein Tourist am Reynisstrand
Foto © Wolfgang Schiffer

manchmal fühle ich mich

wie ein hering in der tonne

 

und manchmal

wie der wert eines kabeljaus bei geschenkter fangquote

 

manchmal

wie eine legehenne auf einem nicht ökologischen hof

 

und manchmal

wie eine zuchtsau die sich wund gelegen hat

 

Helle Freude: Die Online-Literaturzeitschrift Signaturen, ein Forum für autonome Poesie, kürt einen kleinen Zyklus aus das kleingedruckte, dem neuen, im ELIF Verlag erschienenen Gedichtband von Linda Vilhjálmsdóttir, zum Gedicht der Woche!

Das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer dankt im Namen aller an diesem Buch Beteiligten, insbesondere der Dichterin aus Island.

Zum Beitrag des Signaturen-Magazins und damit zu allen Informationen über die Autorin und das Buch selbst sowie zu dem kleinen Zyklus in Gänze geht es unter diesem Link.

 

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Was man gerne teilt …

Eine erste öffentliche Reaktion auf „das kleingedruckte“…

… den Gedichtband von Linda Vilhjálmsdóttir, und das in Bild und Ton.

 

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das kleingedruckte

Neue Gedichte der Isländerin Linda Vilhjálmsdóttir

Eine Palette Buch …

selten

so abseits im eigenen leben

 

als wenn ich in frauenzeitschriften blätterte

im frisiersalon und beim zahnarzt im wartezimmer

Linda Vilhjálmsdóttirs Gedichtband frelsi, unter dem Titel Freiheit 2018 im ELIF VERLAG erschienen, wurde von Kritik und Leserschaft gleichermaßen gelobt. Für das Original wurde sie im In- und Ausland ausgezeichnet; u.a. wurde sie für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert und 2018 auf dem gleichnamigen Poesiefestival in Danzig als Europäischer Dichter der Freiheit geehrt. Im Sommer 2020 erschien in Island ihr insgesamt achter Gedichtband, kirralífsmyndir / stillleben, ein poetischer Zyklus über das Leben unter den Bedingungen der Corona-Epidemie. 

Zwei Jahre zuvor hatte sie mit smáa letrið ihren siebten Lyrikband veröffentlich, ein Buch, dessen Gedichte an den Atem des Bandes Freiheit, an die Auseinandersetzung mit selbstgewählter Konformität und Zwängen religiöser und politischer Regeln, anknüpft und dies noch dezidierter mit einem Blick auf die Welt aus der Sicht einer Frau.

Erschienen ist der Band jetzt unter dem Titel das kleingedruckte ebenfalls im ELIF Verlag – und erneut in einer Übertragung des Übersetzer-Duos Gíslason/Schiffer.

Zu dem Band sagt, einige Zeilen aus darin enthaltenden Gedichten zitierend, der Verlag:

das kleingedruckte ist ein Buch voller weiblicher Revolutionskantaten. Mal zart, mal glühend scharf schreibt die Autorin über sich, über Vorfahrinnen und Bergfrauen, über feine Damen und sogenannte Schlampen, – über Frauen in Vergangenheit und Gegenwart, verdammt zu nicht registrierter knechtschaft / allesamt. Und sie schreibt über Rollenbilder von Mann und Frau, damals wie heute. Die Gedichte sind klar, direkt und manchmal von beißendem Witz; ihre Wirkkraft beruht nicht zuletzt darauf, wie gründlich sie den vorherrschenden Zustand zwischen den Geschlechtern offenlegen. Sie gründen dabei in isländischer Geschichte und Gegenwart, doch der Blick der Autorin auf Menschen und Beziehungen ist universell.

 

das kleingedruckte ist ab dem 1. April im Buchhandel erhältlich. Wer bis dahin aber nicht warten möchte, kann den Band ab sofort (und natürlich auch später noch) direkt im Shop des ELIF VERLAGs bestellen – unter diesem Link.

Linda Vilhjálmsdóttir
Foto © Studio Gassi
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die sonne schläft im meer

Der isländische Lyriker Haukur Ingvarsson

Island – auf dem Weg zu Grótta
         Foto © Wolfgang Schiffer

sól sefur í hafi

klaki bráðnar í glasi

vonandi kemur einhver?

So lauten die ersten Zeilen des Gedichts mit dem Titel Innflutningspartý, das Haukur Ingvarsson im ersten Ljóðbréf dieses Jahres veröffentlicht hat, einem Poesiebrief in Form eines Leporellos mit 35 Seiten, das die Schriftsteller Ragnar Helgi Ólafsson und Dagur Hjartarson in unregelmäßigen Abständen im Tunglið forlag, dem Mondverlag herausgeben.

Zu öffnen war die Sammlung mit neuer isländischer Lyrik und einigen ausgewählten Übersetzungen internationaler Provenienz beim ersten Vollmond des Jahres, am 28. Januar.

Wir, das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer, haben bereits einige Gedichte aus dem neuen Poesiebrief übersetzt, doch blieben sie den Leserinnen und Lesern wohl ebenso unbekannt wie den meisten unter ihnen das Original unverständlich, wenn es nicht das Literatur-Magazin Signaturen gäbe, dass sich seit einiger Zeit bereits auch der Dichtkunst Islands verschrieben hat.

So ist auch unsere Übersetzung dieses Gedichts von Haukur Ingvarsson nun dort in der Reihe Wortlaut Island erschienen, sehr zu unserer Freude und hoffentlich auch für alle, die es lesen werden.

die sonne schläft im meer

ein eiswürfel schmilzt im glas

hoffentlich kommt jemand?

eine schallplatte auf dem plattenspieler

eine stimme im zimmer

der verstorbene eigentümer

schnulzt von seiner heimkehr  

kommt jemand?

So lauten die oben zitierten ersten und einige weitere Zeilen des Originals in unserer Übersetzung, die als Titel des Gedichts Einweihungsparty gewählt hat. Zu Ende ist das Gedicht damit aber noch nicht; wer es in Gänze lesen möchte, der klicke direkt hier auf den entsprechenden Link des Signaturen-Magazins. Herzlichen Dank!

Haukur Ingvarsson, geb. 1979, schloss 2005 sein Masterstudium in isländischer Literatur ab und arbeitet seither als Schriftsteller, Radiojournalist und unabhängiger Wissenschaftler. 2020 promovierte er mit einer Dissertation zur Rezeption William Faulkners in Island. Sein erster Gedichtband wurde 2005 veröffentlicht, gefolgt von einem Buch über die späten Romane des isländischen Nobelpreisträgers Halldor Laxness (2009) und dem Roman Nóvember 1976 / November 1976 (2011, veröffentlicht in deutschsprachiger Übersetzung 2016). Für seinen Gedichtband Vistarverur / Wohnquartiere (2018) gewann Haukur Ingvarsson den renommierten Tómas-Guðmundsson-Literaturpreis.

Haukur Ingvarsson

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Zum Welttag der Poesie

schnell ins Regal gegriffen …

Poesie – die Welt in Wort und Klang

… und wenigstens ein paar der Lyrikbände dort aus dem Staub ins Freie gestellt.

Gedichte lassen uns die Welt mit anderen Augen lesen!

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