Zurück aus Prag …

zum wiederholten Male …

Blick über Prag – mit der Basilika St. Jakobus der Ältere, der Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn und der Burg – gesehen von der Dachterrasse des Kaufhauses Kotva

Eigentlich hatte ich geplant, bei meinem erneuten, allerdings nur kurzen Aufenthalt in Prag – wie angekündigt – über einen weiteren Glücksmoment in Sachen Literatur zu schreiben, aber familiäre Umstände und zuvor zugesagte Verabredungen haben es gerade einmal zugelassen, wenigstens für ein paar Stunden durch die Stadt zu streifen – darüber hinaus war die Zeit fest verplant. Und auch wenn ich dachte, ich würde bereits vieles kennen, so habe ich dabei doch erneut für mich Neues entdecken können oder aus einer anderen Perspektive gesehen: Eine Erfahrung, die ich gerne wieder einmal mit ein paar mitgebrachten Fotografien teilen will.

Auf der Brücke, die von der Halbinsel Kampa zum Platz Velkopřevorské Náměstí führt: Freundschaftsschlösser und ein Wassermann …

Am Velkopřevorské Náměstí selbst: Eine ganze Wand im Gedenken an John Lennon …

Auf dem Weg zurück zur Kampa: Die Büste des tschechischer Schauspielers, Dramatikers und Schriftstellers Jan Werich (1905 – 1980), Mitbegründer des Osvobozené divadlo, des Befreiten Theaters …

Beim Verlassen der Halbinsel zwischen Moldau und dem Bach Čertovka in Richtung Most Legií, der Brücke der Legionen: Er bleibt den Tschechinnen und Tschechen unvergessen – ihr ehemaliger Staatspräsident, der Schriftsteller und Charta 77- Mitbegründer Václav Havel (1936 – 2011) …

Auch ihn werden sie wohl nicht vergessen, ihren derzeitigen Staatspräsidenten Miloš Zeman, doch nicht alle lieben ihn. MILOŠ ZEMAN LŽE – Miloš Zeman lügt – steht für alle sichtbar an einem Hochhaus geschrieben …

Zurück auf dem Weg zur Dachterrasse des Kaufhauses Kotva am Náměstí Republiky, dem Platz der Republik: Amor zeigt den Weg nach oben …

… vorbei an Tierköpfen aus schönster grauer und schwarzer Pappe …

… zu Details im Blick über Prag – wie diesen Turm als Gebäudeschmuck …

… oder Mensch und Vogel …

… zurück zum Großen und Ganzen im Gegenlicht! (Alle Fotos: Wolfgang Schiffer)

 

Advertisements
Veröffentlicht unter Foto, Wortspiele | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 7 Kommentare

Lyrik in Farbe: Dinçer Güçyeter: Aus Glut geschnitzt Elif Verlag/ Ron Winkler: Karten aus Gebieten Schöffling Verlag

Diese Galerie enthält 4 Fotos.

Welch eine interessante Gegenüberstellung! Herzlichen Dank, Marina Büttner!

Galerie | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Europäischer Dichter der Freiheit

Glücksmomente in Sachen Literatur (1)

Dass der Umgang mit Literatur, die Auseinandersetzung mit ihr und das häufige Vergnügen an ihr zu den beglückendsten Dingen in meinem Leben zählt, ist eine beinah alltägliche Erfahrung. Wie sehr sich ein solches Glücksgefühl allerdings noch steigert, wenn man mit dem, was man da lesend wahrnimmt, geradezu persönlich zu tun hat oder sogar darin „vorkommt“, das durfte ich in den vergangenen Tagen gleich zwei Mal erfahren.

Die erste Erfahrung will ich heute gerne schildern, muss dazu aber ein klein wenig ausholen. Durch Anfragen weiß ich, dass es dem einen oder der anderen längst aufgefallen ist, dass es in der letzten Zeit hier in meinen „Wortspielen“ recht ruhig zugegangen ist und nur wenig Neues zu lesen gab. Die geringere Frequenz lag daran (und wird auch für eine Weile noch so bleiben müssen), dass ich gemeinsam mit meinem Freund, dem Maler Jón Thor Gíslason, nach Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können von Ragnar Helgi Ólafsson an einer erneuten Übersetzung eines isländischen Gedichtzyklus gearbeitet habe: frelsi / freiheit von Linda Vilhjálmsdóttir.

In den vergangenen Wochen stand der Feinschliff an, nun gefolgt vom Korrekturlesen und den Überlegungen mit Gestalter und Verlag, wie das abermals als zweisprachige Edition angelegte Werk am Ende denn aussehen soll. Einen ersten Entwurf für das Cover gibt es bereits – und wir sind uns alle miteinander einig, dass sich das endgültige nicht sehr davon unterscheiden wird. Publiziert wird das Buch wie die Gedichte von Ragnar Helgi Ólafsson zuvor im September dieses Jahres im Elif Verlag.

Entwurf des Covers „Freiheit“ – Gestaltung: Ümit Kuzoluk

Mitten in diese Arbeiten hinein platzte nun eine wunderbare Nachricht! Linda Vilhjálmsdóttir ist am 25. März dieses Jahres für ihren Gedichtband frelsi mit der Auszeichnung „Europäischer Dichter der Freiheit“ geehrt worden. Verliehen wurde ihr dieser hoch dotierte Preis zusammen mit Jacek Godek, ihrem Übersetzer ins Polnische, auf dem alle zwei Jahre veranstalteten gleichnamigen internationalen Literaturfestival (Europejską Poetką Wolności), das in diesem Jahr zum fünften Mal in Danzig stattfand.

Wir, ihre Übersetzer ins Deutsche und der Elif Verlag, gratulieren Linda Vilhjálmsdóttir aufs Herzlichste!

Und – es bedarf wohl auch nicht vieler Worte, um die große Freude zu erklären, die wir, die Gratulanten, über diese Würdigung der Dichterin empfinden, zumal ihr so gepriesenes Werk bald in deutschsprachiger Übertragung zu lesen sein wird.

Mit dem Gedichtband frelsi / freiheit beendete Linda Vilhjálmsdóttir, eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der zeitgenössischen isländischen Literatur, 2015 ihr mehrere Jahre währendes literarisches Schweigen. Bekannt war sie gleich mit ihrem ersten Band geworden, Bláþráður / Blaufaden, der 1990 erschien und seine Leser*innen vor allem durch die bedingungslose Emotionalität, mit der die Autorin darin seelische und soziale Zustände ausleuchtete, gefangen nahm. Diese kraftvolle und zugleich einfühlsame Stimme findet sich auch in ihrem neuen Werk, einem höchst politischen Zyklus, nicht zuletzt entstanden aus Empörung und Wut über das leichtfertige Agieren und folgenreiche Versagen von Menschen vor, während und nach den Katastrophen der zurückliegenden Finanz- und Staatskrise ihres Landes. Doch auch wenn die Autorin weite Teile ihres Zyklus in Bezug setzt zum gesellschaftlichen Diskurs in ihrer Heimat, so weist er doch weit über Island hinaus. Dieses Werk meint und trifft die ganze ins Wanken geratene Welt.

Einige wenige Textbeispiele aus dem Band, die ich hier noch vor dem Erscheinen zitieren will, mögen dies zeigen. Es folgt zunächst jeweils das isländische Original, sodann die Übertragung.

við höfum
gengið svo langt
í nafni föður og sonar

svo langt
í tíma og rúmi
að sálin varð eftir

í annarri vídd

 

wir sind
so weit gegangen
im namen des vaters und des sohnes

so weit
in raum und zeit
dass die seele zurückblieb

in einer anderen dimension

 

við höfum
umskapað lífið á landi

sameinað og / eða einfaldað
fénaðinn skriðkvikindin og villidýrin

hámarkað og / eða takmarkað
nýtingu skepnunnar í þágu hins alfrjálsa
manns

 

wir haben
das leben im lande umgeformt

vereinigt und / oder vereinfacht
das vieh die kriechtiere und das wild

maximiert und / oder begrenzt
die verwertung des tieres im interesse
des allfreien menschen

 

við höfum ummyndað
fuglana ungana eggin

hrognin seiðin og fiskana
allt þetta mjúka og magnaða

sæðið og frumuna
frelsið

 

wir haben die vögel
die küken die eier verändert

den rogen die fischbrut den fisch
das ganze weiche und gewaltige

den samen die zelle
die freiheit

Linda Vilhjálmsdóttir wurde 1958 in Reykjavík / Island geboren, sie arbeitete für viele Jahre als Krankenpflegerin. Nach ersten Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitungen und Literaturzeitschriften erschien 1990 mit Bláþráður / Blaufaden ihr erster Gedichtband; ihm folgten bisher fünf weitere Gedichtbände, mehrere Theaterstücke und ein autobiografischer Roman. Nach diversen deutschsprachigen Veröffentlichungen ihrer Lyrik, vor allem in der Literaturzeitschrift die horen, erschien 2011 die Übersetzung ihrer Gedichtbände Öll fallegu orðin / Alle schönen Worte und Frostfiðrildin / Frostschmetterlinge im Verlag Kleinheinrich in Münster sowie eine kleine Auswahl ihrer bis dahin veröffentlichten Gedichte in der von Wolfgang Schiffer herausgegeben Anthologie Am Meer und anderswo – Isländische Autoren in deutscher Übersetzung.

Linda Vilhjálmsdóttir erhielt für ihr literarisches Schaffen bereits vor der aktuellen Ehrung als „Europäischer Dichter der Freiheit“ zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 1993 den Literaturpreis der Tageszeitung DV und 2005 den Jón-úr-Vör-Poesiepreis. Für frelsi, ihre bislang letzte Lyrik-Publikation, wurde sie 2015 erneut mit dem Literaturpreis der Tageszeitung DV sowie mit dem Preis des Isländischen Buchhandels für den besten Gedichtband des Jahres ausgezeichnet; außerdem war sie mit frelsi für den Literaturpreis des Nordischen Rates 2017 nominiert.

 

Linda Vilhjálmsdóttir

Die Schilderung des zweiten, wenn auch auf andere Weise verursachten, so doch nicht minder schönen Glücksmoments in Sachen Literatur, das ich in den letzten Tagen erfahren durfte, werde ich natürlich niemandem vorenthalten. Versprochen! Es wurde, so viel sei hier schon einmal verraten, ausgelöst durch eine Publikation der San Marco Handpresse, doch um es gebührend zu teilen, brauche ich ein wenig mehr Zeit, als ich jetzt gerade habe. Ich bitte alle um ein wenig Geduld.

Veröffentlicht unter Übersetzung, Bücher, Belletristik, Island, Isländische Literatur, Lyrik, Wortspiele | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Dinçer Güçyeter: Aus Glut geschnitzt -eine Art Rezension

„Dinçer Güçyeter ist ein Dichter der Menschlichkeit und der Liebe. Tief verwurzelt in verschiedenen Traditionen und in der Moderne mühelos zu Hause. Aus Glut geschnitzt selbst ist zum Versinken weich und warm, dabei zum Verbrennen heiß und messerscharf.“

Dem stimme gerne zu und gebe die Stimme des Kritikers Matthias Engels gerne als Empfehlung weiter!

DINGFEST

ausglut.png

Ich habe Stimmen gehört- sehr viele unterschiedliche Stimmen und Töne. Sie alle gehören dem Dichter Dinçer Güçyeter.

In dessen eigenem Elif Verlag erscheinen die reizvollsten neuen Stimmen der deutschen Gegenwartslyrik sowie internationale Entdeckungen in Übersetzung. So steht der Verleger Dinçer Güçyeter ständig in einem poetischen Stimmengewitter und mein Eindruck sagt, er dirigiert es mühelos und mit großer Freude.
Aus Glut geschnitzt, der 2017 erschienene eigene Band des Dichters Güçyeter zeigt nun, wie all diese Töne durch ihn hindurchgehen, sich in Eigenes verwandeln, Echos finden und Widerhall.
Die Gedichte im Band sind äußerst abwechslungsreich, lang kurz, zart und rau; eben denkt man, man habe sich den Ton des Dichters erschlossen, da folgt bereits ein weiterer. Und die Stimmen überlagern sich. Dinçer Güçyeter findet strukturelle Mittel, die ihm ein vielfältiges, buntes Sprechspiel und lyrisches Selbstgespräch ermöglichen. Die Stimmen überlagern sich, kommentieren sich selbst; in Prologen und Fußnoten, in Kursiv gesetzten Einschüben…

Ursprünglichen Post anzeigen 383 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Belletristik, Literatur, Lyrik, Wortspiele | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

ars poetica

Zum Welttag der Poesie

Island

ars poetica

það vill henda í ljóðum
að þegar þokunni léttir
taki hún með sér fjallið

(Sjón)

ars poetica

es kommt vor in Gedichten
wenn der Nebel sich lichtet
dass er den Berg mitnimmt

(Isländischen von Tina Flecken)

ars poetica

in gedichten kann es vorkommen
dass der nebel, der sich hebt
den berg gleich mitnimmt

(Aus dem Isländischen von Betty Wahl)

Entnommen ist dieses Gedicht im Original und seiner zweifachen Übertragung dem soeben in der Edition Rugerup erschienenen Band bewegliche berge von Sjón.

Sjón wurde 1962 in Reykjavík geboren, er veröffentlichte mit 15 Jahren seinen ersten Lyrikband. Für seinen Roman Schattenfuchs erheilt er 2005 den Literaturpreis des Nordischen Rates, für Der Junge, den es nicht gab den Isländischen Literaturpreis. Sein neuestes Werk, CoDex 1962, eine Romantrilogie, erscheint 2019 bei S. Fischer.

Als Dichter, Librettist und Songtexter hat er neun Gedichtbände und vier Opernlibretti veröffentlicht sowie Songtexte für verschiedene Künstler geschrieben, darunter Björk. 2001 wurde er mit Björk für den Song I´ve Seen It All in Lars von Triers Dancer in the Dark für einen Oscar nominiert. Sjóns Romane wurden in 35 Sprachen übersetzt. Er ist Präsident des isländischen PEN-Zentrums und lebt mit seiner Familie in Reykjavík.

Veröffentlicht unter Übersetzung, Bücher, Belletristik, Island, Isländische Literatur, Lyrik, Wortspiele | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 8 Kommentare