Gedichte über die Grenzen hinweg: Das zweisprachige Lyrikmagazin „Trimaran“ liegt gut im Wind

Ich stimme gerne zu! Und danke Martin Oehlen für diese hoffentlich Vielen Lust auf diese und kommende Ausgaben machende Besprechung …

Bücheratlas

Das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen war ein wichtiger Ausgangspunkt für das aktuelle Trimaran-Magazin. Foto: Bücheratlas

Eine Klasse für sich ist das Lyrikmagazin „Trimaran“. Das bestätigt die zweite Ausgabe des internationalen Kooperationsprojekts, das von der Kunststiftung NRW, dem Nederlands Letterenfonds und Flanders Literature unterstützt wird. Die hier versammelten Partner deuten an, was Sache ist: Es geht um Poesie aus Deutschland, Flandern und den Niederlanden. Das ist schon eigenwillig genug.

Aber auch die Themen, die verhandelt werden, sind nicht gerade Mainstream. Exemplarisch steht dafür der spannende Beitrag zur Übersetzung von Lyrik in Gebärdensprache. Da es dazu kaum Ansätze gab, hatte sich 2017 die Initiative „handverlesen“ gegründet. Nur zur Klärung der Sachlage: Literatur in Gebärdensprache lässt sich nicht abdrucken. Franziska Winkler von der Initiative schreibt: „Ein Gedicht, das in Gebärdensprache übersetzt wird, ist kein schriftlicher Text mehr, sondern wird zu einem visuell und räumlich performativen Text.“ Diese „Literatur des Körpers“ bietet die seltene…

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Frauen / Lyrik

Gedichte in deutscher Sprache

Welch ein Fülle! Welch eine Akribie in Auswahl und Zuordnung! Mehr als 660 Seiten Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart – mehr als 200 Seiten Biogramme, Register, editorische Hinweise und Orientierungshilfen zum Lesen …

Braucht es mehr Worte? Trotz mancher Einschränkungen, die der eine oder die andere dennoch machen mag, dieses Buch, herausgegeben von Anna Bers, erweitert ganz immens den Blick auf Lyrik von (und bisweilen auch über) Frauen und hat die Kraft, so manchen vorgefassten Blick darauf zu verändern.  

Erschienen ist das Buch im September dieses Jahres im Reclam Verlag.

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Irisches Fegefeuer

Eine sehr gute Besprechung zu einem wunderbaren Buch, die ich gerne weitergebe …

Kulturbowle

Máirtín Ó Cadhain verstarb am 18. Oktober 1970 und sein Todestag jährt sich diesen Monat zum 50. Mal. Er zählt neben James Joyce zu den bekanntesten und wichtigsten Schriftstellern Irlands und der Kröner Verlag hat sich dieses Jubiläum zum Anlass genommen, sein letztes Werk „Die Asche des Tages“ zum ersten Mal in einer deutschen Übersetzung herauszugeben.

Ein Beamter irrt durch seine irische Heimatstadt Dublin. Er befindet sich im Ausnahmezustand und steht unter Schock. Seine Frau ist während des Tages verstorben und es gäbe viel zu tun: sich um Sarg, Bestattungsinstitut, Priester, Beerdigung und Leichenschmaus zu kümmern. Doch er bekommt es nicht auf die Reihe und irrt zerstreut, verwirrt und mit der Situation vollkommen überfordert durch die Straßen. Wie gelähmt stromert er umher und erfindet eine Ausrede und einen vermeintlich triftigen Grund nach dem nächsten, warum er noch nicht nach Hause gehen kann, wo seine scharfzüngigen und gehässigen Schwägerinnen wie die…

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Bodensee

Der neue Roman von Dietmar Sous

Schon die ersten Seiten des neuen Romans von Dietmar Sous bringen mir diesen ganz nah.

Es ist der 1. Januar 1962; der Ich-Erzähler Matthias, 15 Jahre alt, erklärt seinem über Mohammedaner und Mutationen im Atomzeitalter schwadronierenden Vater, dass das Wort Mutation aus dem Lateinischen komme, und wird postwendend als Maulheld und Wichtigtuer abgekanzelt.

Wer verdient denn hier das Geld? Der blöde Arbeiter oder der Herr Gymnasiast mit seinem ausgestorbenen Latein, das kein Mensch braucht?

Diese Sätze hätte auch mein Vater sagen können, Arbeiter wie Matthias´ Vater, der es auch nach fünf Jahren noch nicht verwunden hat, dass Leni, Matthias´ lebenslustige und auf Unabhängigkeit bedachte Mutter, ihren Sohn gegen den Willen ihres Mannes seinerzeit zur Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium angemeldet hat. Denn wie auch in meiner Biografie ist dem Sohn aus Sicht des Erzeugers nach Abschluss der Volksschule eine Lehre bei der Spar-  und Darlehenskasse zugedacht gewesen, womöglich sogar später einmal ein Job bei der Stadtverwaltung. Nur ist meinem Vater gegen seine Frau nie „die Hand ausgerutscht“, wie es in Bodensee nicht nur einmal der Fall ist, mit Folgen für den Ausgang des familiären Zusammenseins.

Bis es zu diesen kommt, hat Matthias jedoch noch manch andere Krisen zu bewältigen. In der Schule muss er sich nicht nur der besonderen Aufmerksamkeit des Lehrers Jenniges erwehren, mehr noch gilt es, seinen Mitschüler Havenstein auf Distanz zu halten, der ihn mit Pornobildern und aufdringlicher Zuneigung überschüttet. Auch läuft es mit Christel, der zwei Jahre älteren Tochter der Nachbarn Grete und Jupp nicht immer rund. Für ein paar Mark lässt sie ihn, vorausgesetzt er hat warme Pfoten, schon mal ihre Brüste betatschen und macht es ihm mit der Hand (zur Schonung von Sofa und Teppich) in einen Suppenteller, für mehr Geld später auch mehr, doch dann verlobt sie sich mit einem Soldaten, der zum großen Ärger ihres Vaters noch dazu Westfale ist, – ein Unding für den leidenschaftlichen Anhänger des zukünftigen Deutschen Meisters 1. FC Köln. Jetzt ist Matthias zur sexuellen Enthaltsamkeit verdammt; jedenfalls so lange bis er für den Nachbarn Holtschmidt, der meistens eine Aktentasche bei sich und sonst vorwiegend Beige trägt, ein Päckchen annimmt, dessen Inhalt sich als eine Gummipuppe erweist, Modell Peggy Sue, und umgehend als nie zugestellt in seinen Besitz übergeht. Vor allem jedoch muss Matthias so manchen Streit zwischen seinen Eltern schlichten; da geht nicht selten etwas zu Bruch, sogar das erste Fernsehgerät muss schon bald nach seiner Anschaffung daran glauben.

Schließlich erhält seine Mutter die Einladung, zu ihrem Bruder an den Bodensee zu kommen. Der betreibt dort mit seiner Frau ein florierendes Modegeschäft und war immer schon der Meinung, dass seine Schwester sich von ihrem Mann, dem Primitivling, trennen solle. Und auch wenn Leni ihrem Mann immer wieder die „blauen Augen“, die er ihr versetzt, verzeiht, so träumt sie doch auch von einem besseren Leben. Jedenfalls nimmt sie – für eine Weile – die Einladung an. Und Matthias begleitet sie. Und trifft hier auf Eva, Eva aus Hamborn …

Nur etwa 150 Seiten umfasst der Roman Bodensee, dem ich gerne das Prädikat einer perfekten Tragikomödie verleihe. Es ist bewundernswert, mit welch literarischer Sicherheit Dietmar Sous hier für den Leser einen kleinen proletarischen Kosmos zu Beginn der 60er Jahre entstehen lässt – zwischen der ersten Deutschen Meisterschaft des FC Köln und der Kubakrise. Er versteht es, mit wenigen literarischen „Strichen“ überzeugende Charaktere zu schaffen, uns mit Tempo und Witz einen Ausschnitt aus ihren Lebensläufen vorzustellen und uns lachen zu machen ob so mancher unfreiwilliger Komik, die ihnen zu eigen ist. Zugleich erzählt er von ihnen, selbst da, wo sie sich ins Unrecht setzen, mit großer, liebevoller Wärme. Sein Roman Bodensee ist ein zutiefst menschliches Handauflegen auf eine Gruppe von Menschen, die, gefangen in den Bedingungen ihrer Herkunft und der Zeit, nicht wissen, wie sie es anders, besser machen könnten.  

Erschienen ist Bodensee im Verlag :TRANSIT in Berlin.

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Ich kenne dieses Aufwachen

Ein Gedicht, veröffentlicht vom Signaturen Magazin …

Mit Blick auf meine Facebook-Erinnerungen schrieb ich heute Morgen an anderer Stelle, dass der 1. Oktober für das von Kristian Kühn herausgegebene Signaturen-Magazin wohl ein guter Tag für isländische Lyrik sei, denn mehrfach bereits hat es an diesem Datum Bücher oder Texte aus der Arbeit an und mit isländischer Poesie des Übersetzer-Duos Gíslason/Schiffer vorgestellt.

Heute aber überrascht es mich mit einem Gedicht von mir selbst! Und als ob es meine vorherige Annahme nicht gänzlich konterkarieren wolle, kommt – später als hier abgebildet – wenigstens das Wort Island in ihm vor …

Wie gesagt, das Wort Island kommt erst später, denn das Gedicht ist hier noch nicht zu Ende; doch nur in Fotos abbilden möchte ich es auch nicht, man kann es ja zu Ende lesen im Signaturen-Magazin und dieses dabei zugleich auf weitere Gedichte, von anderen Autorinnen und Autoren, durchstöbern, nach Besprechungen von Gedichtbänden und nach vielem mehr … Dieses engagierte Online-Literaturmagazin ist wirklich eine solide Fundgrube. Wer also neugierig geworden ist, findet hier den Schlüssel zu dem, was nach dem Aufwachen geschah, und zu allem Weiteren …

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