Sommer am Meer

Drei Gedichte von Steinn Steinarr im Signaturen-Magazin

Island – Reykjavík
Foto © Wolfgang Schiffer
 

Steinn Steinarr, Aðalsteinn Kristmundsson mit bürgerlichem Namen, wurde 1908 in Laugaland in den Westfjorden Islands geboren, er starb 1958 in Reykjavík. Trotz seines eher schmalen Werks von nur sechs Gedichtbänden, von denen der letzte, Tíminn og vatnið / Die Zeit und das Wasser aus dem Jahr 1948 vom Kleinheinrich Verlag in Münster 1987 als erster Band der Reihe Isländische Literatur der Moderne in deutscher Übersetzung erschienen ist, gilt der frühe Verfechter der Notwendigkeit einer Erneuerung der isländischen Poesie vielen in Island nicht nur als Vorreiter der dortigen sogenannten Atomdichtung, sondern als einer der größten Dichter des Landes überhaupt.

Als Sohn eines mittellosen Bauern wurde er als Kind auf einem anderen Hof untergebracht, wo er den Dichter Stefán frá Hvítadal traf und in Jóhannes úr Kötlum, einem weiteren Dichter des Landes, einen Lehrer fand. Ende der 20er Jahre zog er nach Reykjavík und machte die Bekanntschaft mit dortigen Literaten, u.a. mit dem späteren Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness.

Wir, das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer, haben einige seiner Gedichte, entnommen dem Band Kvæðasafn & greinar / Gesammelte Gedichte und Aufsätze, Vaka-Helgafell, Reykjavík 1988, übersetzt; drei sind nun in der Reihe Wortlaut Island der Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin publiziert worden. Hierfür danken die Übersetzer sehr herzlich.

Eins der drei Gedichte sei hier nun zitiert; die weiteren sowie viele Texte anderer isländischer Lyrikerinnen und Lyriker finden sich unter dem Link der Reihe Wortlaut Island.

 

Sommer am Meer

Das sonnenweiße Licht

            und das summende Rauschen

sind meine Geschwister.

 

Ich saß und lauschte

            und das Meer kam zu mir

in Gestalt einer blonden Frau.

 

Ich sah die Nacht sich nähern,

            und meine Hand schlief,

während mein Herz wachte.

 

Und sie, die ich liebte,

            lachte und sprach:

 

Mich gibt es nicht.

 

Steinn Steinarr
Foto: Jón Kaldal

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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