Ein Klang von Stein

Gedichte von Jón Hjartarson im Signaturen-Magazin

Island. Wasser, Fels und Schnee

Jahrelang war der Isländer Jón Hjartarson, Jahrgang 1942, Schauspieler am Theater Leikfélag Reykjavíkur und hat unzählige Rollen auf der Bühne, in Radio, Fernsehen und Film gespielt. Außerdem wurde er als Autor zahlreicher Theaterstücke, für Kinder und Erwachsene, sowie von Kinder- und Jugendbüchern bekannt. Im letzten Jahr nun schrieb er mit Troðningar / Fußpfade seinen ersten Gedichtband. Hierfür wurde er sogleich mit dem Tómas-Guðmundsson-Literaturpreis ausgezeichnet, den die Stadt Reykjavík zu Ehren dieses Dichters (1901 – 1983) jährlich vergibt.

Die Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin hat nun einige der Gedichte aus dem beim Verlag JPV útgáfa erschienenen Verlag in deutschsprachiger Übersetzung veröffentlicht; hierfür dankt das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer dem Herausgeber Kristian Kühn einmal mehr.

Zwei der dort gezeigten Gedichte seien hier zitiert; drei weitere (sowie alle anderen Beiträge in der Wortlaut-Island-Reihe des Signaturen-Magazins finden sich unter diesem LINK:

 

Der grüne Fleck

dort wo der Verkehr am heftigsten

durch die Stadt fließt

mit einem Getöse in der Luft

dem Rauschen der Schnellstraße

ist ein Reservat für Vögel

wenn der Sommer zu Ende geht

tippele ich

über den Pfad durch das Brutgebiet

durch Vogelscheiße und

hochgewachsene Vegetation

und die Zeit wird zu einem Vogel

in langsamem Flug

 

Ein Klang von Stein

und da bist du  

mein Freund

wetzt den Schnabel an einer steinigen Kante

am See

es ist deine Welt ich weiß

ich gehe vorsichtig umher

ohne das Moos zu zertreten

ohne den Teich zu trüben

du äugst mich an

einen Augenblick

wetzt weiter

es knackst im Stein

klingt wie  

geh, geh, geh

zurück, zurück, zurück

in den Wald

in die Höhle

ich bin es der überlebt hat

du bist viel, viel, viel später gekommen

dann bist du davongeflogen

 

Jón Hjartarson

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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4 Antworten zu Ein Klang von Stein

  1. finbarsgift schreibt:

    Feine Poeme … danke fürs Vorstellen, lieber Wolfgang 🙂
    HG vom Lu

  2. Jo Wolf schreibt:

    Danke für die schönen Verse. Beim lesen des grünen Flecks habe ich geschmunzelt, denn tatsächlich geht es mir so, wenn ich über den Parkplatz an meinem Haus gehe und meinen Wagen betrachte… Er wartet in Vogelscheiße 😉 Liebe Grüße, Lyrix 🙂

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