In eigener Sache

Zwei Neuerscheinungen, überall, wo es Bücher gibt …

 

Wenn ein neues Buch erscheint, das man aus einer anderen Sprache übersetzt oder gar selbst geschrieben hat, so wohnt der Freude stets auch eine gewisse Unsicherheit und Sorge inne: Wird es seine Leserinnen und Leser finden, und wenn denn, wie werden sie es lesen? Werden sie einen Genuss daraus ziehen können, vielleicht sogar einen „Gewinn“?

Im Augenblick ist diese Gefühlsmischung bei mir besonders ausgeprägt, denn seit wenigen Stunden gibt es Beides auf dem Markt der Literatur: die zusammen mit meinem isländischen Malerfreund Jón Thor Gíslason verfasste Übersetzung zweier Gedichtbände von Dagur Hjartarson, zweisprachig erschienen im ELIF Verlag unter dem Titel Schnee über den Buchstaben, und zeitgleich im selben Verlag ein neues, kleines eigenes Werk: Dass die Erde einen Buckel werfe.

Kritische Stimmen – abgesehen von einer in einem früheren Beitrag zitierten Vorab-Rezension und einigen in Sozialen Netzwerken geposteten und glücklicherweise fürs Kommende zuversichtlich machenden Kommentaren erster Leserinnen und Leser – gibt es noch nicht; ich kann daher hier und jetzt allein die Programmvorschau-Texte zu einer ersten Orientierung anbieten. Weiteres, Positives wie eventuell Nicht-Positives, wird folgen: versprochen!

 

Ein Mann erinnert sich an seine Kindheit, an seine Eltern, an ihre einst gemeinsame Sprache, die ihm genommen wurde, an die sozialen Verhältnisse, die ihn ebenso prägten wie die Landschaft, die das niederrheinische Dorf, in dem er aufwuchs, umgab. Und aus der Erinnerung, freudig wie schmerzvoll, erwächst Klage über den Zustand der Welt, über die Zerstörung der Erde und des Miteinanders, sucht ein melancholisch-verzweifeltes Aufbegehren nach Wörtern, die eine Umkehr der Menschen von ihrem Tun und Unterlassen erzwingen wollen, doch ahnen, dass es diese nicht geben wird …

Covergestaltung und Layout: Ragnar Helgi Ólafsson

Schnee über den Buchstaben enthält Gedichte, die im isländischen Original in zwei getrennten Bänden und in einem Abstand von drei Jahren erschienen sind. Doch sie verhalten sich zueinander wie Geschwister, ein jüngeres und ein etwas älteres. Und in beiden steht, ausgehend von persönlichen Erfahrungen, das Zusammenleben, steht die Familie im Zentrum des poetischen Denkens, um das Trabanten gleich die Geschehnisse der Welt zu kreisen beginnen. Lässt in die hirnoperation noch die Sorge um den geliebten Menschen die Tage in einem zerbrechlichen Gleichgewicht erscheinen, begegnen sich in ruhigen, aufrichtigen Bildern Trauer und Hoffnung, Freude, Liebe und Tod, so wendet sich familienleben auf der erde unmittelbar dem Leben im Alltag zu: Ein Mann wird zum zweiten Mal Vater. Er schreibt über das Leben, das neu entsteht, und über Arten, die aussterben, schreibt über seine Kinder, seine Eltern, über Kinderwagen und Schnuller und das Klima. Er schreibt Gedichte über das Familienleben auf der Erde. Dagur Hjartarsons Gedichte sind persönlich, klar und stark in ihrer Einfachheit, voller Wärme für alles, was die Welt bereithält, und voller Sorge über das, was der Mensch ihr an Verstörendem, Vernichtendem antut. Oft lassen sie uns erstaunen, öfter noch hinterlassen sie Wunden, die uns an unsere eigene Verletzlichkeit erinnern und an unsere Fehlbarkeit gemahnen.

Covergestaltung und Layout monographic / Ihsan San

Wen diese Beschreibungen nun neugierig gemacht haben sollten, der möge doch bitte die nächstgelegene Buchhandlung seines Vertrauens aufsuchen; vielleicht stehen die beiden Bücher nicht zuhauf in den dortigen Regalen (ein Schicksal, das sie zweifellos mit vielen Gedichtbänden teilen müssen), aber bestellen, besorgen tut´s einem ein jeder Buchladen bestimmt.

Eine Alternative bietet der Shop des ELIF Verlags selbst, zu finden unter diesem LINK.

Ich bedanke mich herzlich für die geneigte Aufmerksamkeit.

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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6 Antworten zu In eigener Sache

  1. Lieber Wolfgang – sollte nicht die Sperrfrist erst am 21. enden? Mir ist so etwas in Erinnerung. Herzlich grüßend, M.

    • Wolfgang Schiffer schreibt:

      Ja, lieber Martin! Doch eine Kommunikationspanne zwischen Auslieferung und Verlag hat zu einer früheren Auslieferung geführt. Ich denke aber, wer immer etwas dazu schreiben will / wollte, wird sich an die Sperrfrist halten. Sehr herzliche Grüße, Wolfgang

  2. versspielerin schreibt:

    wie wunderbar, gleich zwei und ein „ganz eigenes“. ich gratuliere!

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