Ein grelles Licht

Anton Helgi Jónsson im Signaturen-Magazin

Island. Sonnenaufgang

Einmal mehr veröffentlicht die Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin Gedichte isländischer Provenienz, diesmal aus der Feder von Anton Helgi Jónsson, einem Autor, der seine Leser zunehmend auch über Publikationen in den Sozialen Netzwerken erreicht.

Die beiden in der Signaturen-Reihe Wortlaut Island gezeigten Gedichte, wie alle dort ins Deutsche übertragen von mir und meinem Übersetzer-Komplizen Jón Thor Gíslason, entstammen jedoch haptischem Basismaterial, das im Folgenden zitierte dem 2020 im Verlag Mál og menning erschienenen Gedichtband des Autors Handbók um ómerktar undankomuleiðir / Handbuch der nicht gekennzeichneten Fluchtwege, das andere, das gegen Ende dieses Beitrags über einen entsprechenden Link zu erreichen sein wird, aus dem Ljóðbréf Nr. 3, dem Poesiebrief Nr. 3, im Frühjahr dieses Jahres herausgegeben von Dagur Hjartarson und Ragnar Helgi Ólafsson im Tunglið forlag, dem Mondverlag.

Hier nun das Gedicht:

 

Ein Grelles Licht

Ein grelles Licht stach mir ins Auge,

als ich auf dem Arbeitstisch am Fenster,

das nach Süden geht, ein Buch aufschlug.

 

Ich blinzelte und sah:

 

Nein, das war kein aufgeschlagenes Buch,

was da vor mir auf dem Tisch lag,

sondern frisch in alle Richtungen gefallener Schnee.

 

Draußen konnte ich mitten im Schneefeld eine Mulde erkennen.

 

Ein Schneehuhn hatte sich dort für einen Augenblick niedergelassen,

war ein paar Schritte gelaufen,

dann aber aufgeflogen,

hatte schnörkelige Buchstaben zurückgelassen, Wörter,

 

und mich,

hin und her rennend in der weißen Leere.

 

Das zweite Gedicht des Autors in der Reihe Wortlaut Island der Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin ist unter folgendem LINK zu lesen; sein Titel: Abendsein.

 

Anton Helgi Jónsson wurde am 15. Januar 1955 in Hafnarfjörður geboren, zog aber im Alter von zwölf Jahren nach Reykjavík und hat dort die meiste Zeit seines Lebens verbracht. Er lebte einige Jahre in Stockholm, wo er Philosophie und Literatur studierte. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat er Workshops in kreativem Schreiben gehalten, in den Bereichen Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung gearbeitet.

Seinen ersten Gedichtband veröffentlichte Anton Helgi Jónsson 1974, seither folgten acht weitere, mehrere Theaterstücke und ein Roman. Sein derzeit letzter Gedichtband, Handbók um ómektar evaðelæðir / Handbuch der nicht gekennzeichneten Fluchtwege, erschien im Herbst 2020. Darüber hinaus hat der Autor in den letzten Jahren seine Leser vor allem durch die Veröffentlichung von Gedichten in sozialen Medien und durch Lesungen erreicht. Auch unterhält er die Website anton.is, auf der man die meisten seiner veröffentlichten Gedichte lesen kann. Für sein dichterisches Arbeiten wurde er zweimal, 2009 und 2014, mit dem Jón-úr-Vör-Poesiestab ausgezeichnet, dem Literaturpreis des gleichnamigen Lyrik-Wettbewerbs zu Ehren des isländischen Bibliothekars und Dichters Jón úr Vör (1917 – 2000).

Anton Helgi Jónsson ist verheiratet und Vater von vier Kindern; er hat neun Enkel.

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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3 Antworten zu Ein grelles Licht

  1. Xeniana schreibt:

    Lieber Wolfgang, WordPress hat unter meinen vorletzten Beitrag ( Montag mit Schwuchtel) dein Like hinzugefügt. Bist du so nett und schaust ob du es dort lassen möchtest? Danke und liebe Grüße Xeniana

    • Wolfgang Schiffer schreibt:

      Liebe Xenia, dieses Like ist nicht von mir. Wie kommt es dahin? Liebe Grüße Wolfgang

      • Xeniana schreibt:

        WordPress fügt sie manchmal automatisch dazu. Ich habe den Support eingeschaltet, der könnte aber auch nicht helfen. Schrieb die Leser würden versehentlich anklicken, was wirklich Quatsch ist, weil die Likes unmittelbar mit erscheinen des Beitrages auftauchen. Sie ärgerlich. Liebe Grüße Xeniana

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