Dætur Íslands – Töchter Islands VI

Eine sechsteilige Lyrik-Reihe im Signaturen-Magazin

Island – Foto © Lorena Zils

Dætur Íslands – Töchter Islands. So hat die Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin eine kleine Reihe genannt, in der sie einen besonderen Blick auf die isländische Poesie wirft.

Sechs Tage lang hat sie jeweils ein oder mehrere Gedichte von isländischen Dichterinnen präsentiert; jeden Tag von einer anderen Dichterin.

Den Abschluss bildete nun gestern die 1983 geborene Schriftstellerin, Literaturkritikerin und Dozentin für kreatives Schreiben Sunna Dís Másdóttir mit zwei Gedichten. Eins davon sei hier zitiert:

 

Perfektion

 

Ich trinke Formalin

jeden Tag

nach dem Ingwer-Shot

und nehme die vierfache Tagesdosis an Vitamin D

um den dunklen Wintertagen etwas entgegenzusetzen

 

der Kleiderschrank ist voller Leichentücher

maßgeschneidert auf Bali

aus biologisch zertifizierter Baumwolle und Leinen

gewebt aus dunklem Garn

 

das Make-up zieht in die gepflegte Haut ein

zuletzt schmiere ich mir eine dicke Schicht Honig ins Gesicht

 

wenn mein Mann nach Hause kommt

habe ich mich bereits zur Ruhe gelegt

in einem mit Blumen bestreuten Beet

 

unser Leben ist perfekt

 

Das zweite in den Signaturen veröffentlichte Gedicht von Sunna Dís Másdóttir sowie alle übrigen in der Reihe Dætur Íslands – Töchter Islands vorgestellten Texte (und weitere …) sind bei Interesse auf der Seite Wortlaut Island des Signaturen-Magazins nachzulesen; hierzu sind alle herzlichst eingeladen.

Sunna Dís Másdóttir, geboren 1983, lebt als Schriftstellerin, Literaturkritikerin und Dozentin für kreatives Schreiben in Reykjavík. Sie ist ausgebildet in Englischer Sprache und Literatur, Kulturmanagement und Kreativem Schreiben, das sie mit einem Master an der Universität von Island abschloss. Sie ist eine der sechs Dichterinnen, die das Poesie-Kollektiv Svikaskáld / Betrügerische Dichterinnen bilden, und veröffentlichte in deren gemeinsamen Gedichtbänden (Ég er ekki að rétta upp hönd / Ich hebe nicht die Hand, 2017, Ég er fagnaðarsöngur / Ich bin ein Freudengesang, 2018 und Nú sker ég netin mín / Nun zerschneide ich meine Netze, 2019) sowie auf der Literaturplattform Starafugl. Ihre Artikel wurden in isländischen Zeitungen und Kulturzeitschriften wie Tímarit Máls og menningar und Börn og menning veröffentlicht.

Übrigens: Das Signaturen-Magazin pflegt auch eine Charttabelle der zehn meistgelesenen Beiträge der letzten sieben Tage. Wir, das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer, freuen uns, dass mit den Gedichten von Linda Vilhjálmsdóttir und Ragnheiður Harpa Leifsdóttir aktuell auch zwei Beiträge aus der Reihe Dætur Íslands – Töchter Islands dabei vertreten sind. Wir bleiben neugierig, wie´s weitergeht!

 

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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