Dætur Íslands – Töchter Islands III

Eine sechsteilige Lyrik-Reihe im Signaturen-Magazin

Island – Foto © Lorena Zils

Dætur Íslands – Töchter Islands. So nennt die Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin eine kleine Reihe, in der sie einen besonderen Blick auf die isländische Poesie wirft.

Sechs Tage lang präsentiert sie ein oder mehrere Gedichte von isländischen Dichterinnen; jeden Tag von einer anderen Dichterin.

Nach Arndís Þórarinsdóttir und Linda Vilhjálmsdóttir ist es heute die Flötistin im Isländischen Sinfonieorchister und Schriftstellerin Melkorka Ólafsdóttir, die hier mit einem kleinen dreiteiligen Zyklus über das Schwimmen vorgestellt wird. Und weil es ein Zyklus ist, seien hier auch alle drei Teile zitiert.

 

SCHWIMMEN I febrilis

 

Am letzten Tag des Monats Februar

spalten wir das Spiegelgewebe der Sonne

beim Schwimmen, funkelnd

in neu erwachten Sommersprossen

 

wir begegnen uns und berühren uns kurz

Fleisch in Textil

und es umfließt uns

unter dem Stoff

zusammen zu eins

 

 

SCHWIMMEN II

 

Atme nur

auf der rechten Seite

und ich sage ich möchte beides können

hätte mich zu lange nur zu einer Seite geneigt

 

dann folgen mir wachsame Augen

beim ruckartigen Linksatmungsschwimmen

beim Strampeln in der Winterfinsternis

mit einem kaputten Meniskus

 

 

SCHWIMMEN III

 

Das Wasser bietet bei jedem Wetter denselben Widerstand

 

Entnommen ist der kleine poetische Zyklus einmal mehr dem von den Schriftstellern Dagur Hjartarson und Ragnar Helgi Ólafsson im Tunglið forlag, dem Mond Verlag herausgegebenen Ljóðbréf Nr. 4, dem Poesiebrief Nr. 4, Reykjavík 2021. Und aus dem Isländischen übertragen sind die Texte wie immer in der Reihe Wortlaut Island des Signaturen-Magazins vom Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer.

Melkorka Ólafsdóttir, geb. 1981, lebt als Flötistin im Isländischen Sinfonieorchister und Schriftstellerin in Reykjavík. Sie sie ist Mitglied des Schriftstellerinnen-Kollektivs Svikaskáld / Betrügerische Dichterinnen und veröffentlichte im Rahmen dessen Publikationen bisher drei Gedichtbände. 2019 erschien ihr Gedichtband Hérna eru fjöllin blá / Hier sind die Berge blau.

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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