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Hellmuth Opitz bespricht den Gedichtband das kleingedruckte

Eigentlich kann man drei Monate nach Erscheinen eines Gedichtbands nur noch in Ausnahmefällen mit einer Besprechung desselben rechnen; umso mehr freut es, wenn eine solche dann doch erscheint. Und wenn noch dazu ein von einem selbst geschätzter Lyriker sie verfasst hat, so ist die Freude doppelt groß.

Geschehen ist dies so im Blog der renommierten Zeitschrift DAS GEDICHT zu dem von mir und Jón Thor Gíslason aus dem Isländischen übersetzten Gedichtband das kleingedruckte von Linda Vilhjálmsdóttir, erschienen Ende März dieses Jahres im ELIF Verlag, und zwar in einer Doppelbesprechung dieses Bandes und Juliane Lieberts im Suhrkamp Verlag erschienenen Debüts lieder an das große nichts.

 

Allein schon auf den Titel bezogen macht Hellmuth Opitz dem ELIF Verlag ein erfreuliches Kompliment, dem wir als Übersetzer für diesen Verlag nur zu gerne zustimmen. Da heißt es:

Der Titel wurde kongenial ins Optische übersetzt, Autorin und Titel sind auf dem Buchcover sinnigerweise in ein Motiv von zwei Lupen gefasst, das runde Lupenglas wurde durch Stanzlöcher ersetzt, die dem Titel eine haptische Tiefe verleihen. Der Elif-Verlag legt augenscheinlich viel Wert auf ein auch visuell ansprechendes Programm.

Und weiter schreibt der Rezensent:

Der Qualitätsanspruch zeigt sich aber vor allem in der Übertragung aus dem Isländischen. Die Gedichte der 1958 geborenen Linda Vilhjálmsdóttir wurden einmal mehr vom Übersetzer-Team Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer ins Deutsche übertragen, die hier mittlerweile ihr fünftes gemeinsames Projekt für den ELIF-Verlag realisieren. Auch ohne der isländischen Sprache mächtig zu sein, spürt man als Leser in der deutschen Version die Feingliedrigkeit, das Wertlegen auf Nuancen und Präzision in jedem Vers.

Und zu den Gedichten heißt es:

Es ist ein Band, der ein ganzes Kaleidoskop weiblicher Selbstbehauptung, Selbstdarstellung und Selbstermächtigung entwirft und dabei die Facetten des Alltags ebenso beleuchtet wie den programmatischen Willen zur Veränderung.

Und zum Schluss …

Das Großartige im Kleingedruckten: Es lohnt sich wirklich, diesem Gesang zu lauschen.

 

Das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer dankt Hellmuth Opitz auch im Namen der isländischen Dichterin und des ELIF Verlags für diese schöne Empfehlung!

 

In Gänze nachzulesen ist die Rezension (sowie die von Juliane Lieberts Gedichtband) HIER.

 

Linda Vilhjálmsdóttir, geb. 1958 in Reykjavík / Island, arbeitete für viele Jahre als Krankenpflegerin. Nach ersten Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitungen und Literaturzeitschriften erschien 1990 mit Bláþráður / Dünner Faden ihr erster Gedichtband, der ihr zunächst in Island, bald jedoch auch international große Anerkennung einbrachte. Ihm folgten neben Theaterstücken und einem autobiografischen Roman bisher sieben weitere Gedichtbände, zuletzt in 2020 der poetische Zyklus über das Leben unter den Bedingungen der Corona-Epidemie kirralífsmyndir / stillleben. 

Nach diversen deutschsprachigen Veröffentlichungen ihrer Lyrik, vor allem in der Literaturzeitschrift die horen, erschien 2011 die Übersetzung ihrer Gedichtbände Öll fallegu orðin / Alle schönen Worte und Frostfiðrildin / Frostschmetterlinge im Verlag Kleinheinrich in Münster sowie eine kleine Auswahl ihrer bis dahin veröffentlichten Gedichte in der von Wolfgang Schiffer herausgegebenen Anthologie Am Meer und anderswo – Isländische Autoren in deutscher Übersetzung.

Linda Vilhjálmsdóttir erhielt für ihr literarisches Schaffen zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 1993 den Literaturpreis der Tageszeitung DV und 2005 den Jón-úr-Vör-Poesiepreis. Für den Gedichtband frelsi, 2018 unter dem Titel Freiheit im ELIF Verlag erschienen, wurde sie 2015 erneut mit dem Literaturpreis der Tageszeitung DV sowie mit dem Preis des Isländischen Buchhandels für den besten Gedichtband des Jahres ausgezeichnet; außerdem war sie mit frelsi für den Literaturpreis des Nordischen Rates 2017 nominiert und wurde beim Internationalen Literaturfestival „Europäischer Dichter der Freiheit“, das 2018 zum fünften Mal in der polnischen Stadt Danzig stattfand, für den Gedichtzyklus mit der gleichnamigen Auszeichnung, dem Preis Europäischer Dichter der Freiheit geehrt. Ihr 2018 erschienener Gedichtband smáa letrið, dessen deutschsprachige Fassung das kleingedruckte der ELIF VERLAG in einer zweisprachigen Edition vorlegt, zählte in Island noch bis weit in das Jahr 2019 hinein zu den monatlich meistverkauften Neuerscheinungen im Bereich Lyrik.

Linda Vilhjálmsdóttir
Foto © Studio Gassi

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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