Könnte quasi so tun …

Zwei Gedichte von Sigurbjörg Þrastardóttir in „Wortlaut Island“

Island – Boote am See Foto © Wolfgang Schiffer

Zuletzt vorgestellt haben wir, das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer, die isländische Kolumnistin und Schriftstellerin Sigurbjörg Þrastardóttir mit einer Auswahl ihrer Gedichte im Band 280 der Literaturzeitschrift die horen; jetzt legt die Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin in ihrer Reihe Wortlaut Island zwei Gedichte nach.

Im Original erschienen sind diese bisher in einer von mir sehr geliebten Publikationsinitiative des isländischen Verlags Tunglið, des Mond Verlags, nämlich eines Poesiebriefs in Form eines Leporellos, das per Post neue, frische isländische Lyrik an die Leserinnen und Leser bringt.

Hier war es der Ljóðbréf Nr. 3, der mich mit den neuen Gedichten der Autorin bekannt machte; sehnsüchtig warte ich auf die Nr. 4, ich weiß, dass die Schriftsteller und Herausgeber Ragnar Helgi Ólafsson und Dagur Hjartarson sie längst zusammengestellt haben, aber die Post zwischen Island und Deutschland … aber, das ist eine ganz andere Geschichte …

Hier nun eines der beiden neuen Gedichte von Sigurbjörg Þrastardóttir:

AUTOPORTRÄT

 

                       – jeg var et stille barn (Tove Ditlevsen)

 

ich könnte eine junge katze haben die ich ersticken könnte auch wenn

 

         ich noch nie eine katze hatte ich

 

könnte quasi so tun als qualmte ich eine nein dem quasi fehlt

 

        das tun aber vielleicht kann ein quasi qualm mein gesicht erquicken ich

 

                       habe ja nie geraucht könnte aber versuchen

 

eine miene aufzusetzen bei der man die zähne nicht sieht auch wenn

 

                       es physikalisch schwierig ist da sie

 

   nie eine wand haben um sich anzulehnen

 

               verstrubbeltes haar

                       halssehnen zum teufel

 

                                  sie scheinen sich

nie auch nur ein bisschen vorbereitet zu haben

 

Wer nun neugierig geworden ist auf das zweite Gedicht der Autorin, der klicke hier ins Signaturen-Magazin.

Sigurbjörg Þrastardóttir, geb. 1973 in Akranes, lebt als Rundfunk-Kolumnistin und Schriftstellerin in Reykjavík. Seit ihrem ersten Lyrikband im Jahr 1999 veröffentlichte sie neben Theaterstücken, Erzählungen und zwei Romanen sieben weitere Gedichtbände, für die sie mehrere literarische Auszeichnungen und Preise erhielt. In deutscher Übertragung erschien 2011 ihr Gedichtband Fackelzüge. Letzte Buchpublikationen u. a.: Kátt skinn (og gloria) / Fröhliche Haut (und Heiligenschein), Gedichte, Reykjavík 2014, Hrygg dýr / Wirbeltiere, Gedichte, Reykjavík 2018 und Mæður geimfara / Mütter von Astronauten, Geschichten, Reykjavík 2020.

 

Sigurbjörg Þrastardóttir

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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