was wir ihnen voraushaben

Pétur Gunnarsson schreibt „Gartengedichte“

Pétur Gunnarsson spricht über Halldór Laxness anlässlich einer Ausstellung im Jahr 2019 zum 100. Geburtstag des Romans Kind der Natur.

Einmal mehr gilt es für das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer – vor allem auch im Namen eines isländischen Schriftstellers – der literarischen Online-Zeitschrift Signaturen-Magazin Dank zu sagen, stellt sie den Leserinnen und Lesern hierzulande doch erneut Gedichte von der Insel im Nordatlantik vor, deren Erde gerade mal wieder kräftig rumpelt und einen weiteren Vulkanausbruch befürchten lässt.

Weitaus mehr Gemütlichkeit strahlen hingegen die vier Gedichte von Pétur Gunnarsson aus, fasst er sie doch unter dem eher beschaulich anmutenden Titel Gartengedichte zusammen. Beschaulich zumindest auf den ersten Blick; der zweite, das Lesen, lässt dann aber anderes aufscheinen …

Als Autor von Prosa sollte Pétur Gunnarsson dem deutschen Lesepublikum übrigens kein Unbekannter sein: 2011, dem Jahr, in dem Island aller vorausgegangener Finanz- und Staatskrisen zum Trotz mit einem fulminanten Auftritt als literarischer Ehrengast der Frankfurter Buchmesse zu überzeugen wusste, veröffentlichte der Weidle Verlag seinen Roman punkt punkt komma strich, der in Island Kultstatus innehat, und ließ bis 2014 auch die drei weiteren Romane übersetzen, denen dieser als Auftakt einer Tetralogie diente.

Als Lyriker hingegen haben wir Pétur Gunnarsson hier noch nicht kennenlernen dürfen; umso schöner, dass das Signaturen-Magazin hier nun wenigstens einen ersten kleinen Einblick ermöglicht …

verborgener ruhm

 

auf den friedhöfen

der städte

sind gräber zu sehen

von großen männern

künstlern

und kinostars

 

sie die

in der ferne berühmt waren

oder in der vergangenheit

liegen uns jetzt

zu füßen

und wir stoßen

den tarzan-schrei

des lebens aus

Soweit ein erstes Beispiel; drei weitere sowie die Quelle, denen die Originale entnommen sind, finden sich im Signaturen-Magazin unter diesem Link.

Pétur Gunnarsson, geb. 1947 in Reykjavík, arbeitet nach einem Studium der Literatur und Philosophie in Frankreich als Schriftsteller und Übersetzer in Island und gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren des Landes. Nach der Veröffentlichung von Gedichten in Literaturzeitschriften und eines Lyrikbandes im Jahr 1973 erschien 1976 mit punktur punktur komma strik sein erster Roman, Auftakt einer Tetralogie, die das Heranwachsen des Jungen Andri Haraldsson in den Zeiten des Umbruchs ab 1968 beschreibt und mit Sagan öll 1985 ihren Abschluss findet. Die Tetralogie, von der vor allem der erste Roman in Island Kultstatus genießt, erschien von 2011 bis 2014 unter den Titeln punkt, punkt komma strich, ich meiner mir mich, Die Rollen und ihre Darsteller sowie Das vierte über Andri im Weidle Verlag.

Neben seinem eigenen umfangreichen Werk, das auch Essay, Theaterstücke, Drehbücher und Biografien umfasst, übersetzte Pétur Gunnarsson u.a. Gustav Flaubert und Marcel Proust.

 

 

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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