Es lodert ein Waldbrand

Drei weitere Gedichte der Isländerin Arndís Þórarinsdóttir

Island, auf dem Weg zum Flughafen – Foto © Wolfgang Schiffer

Zweimal bereits hat die Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin in den vergangenen Wochen mit Gedichten auf Innræti / Das innere Wesen, den ersten Lyrikband von Arndís Þórarinsdóttir, aufmerksam gemacht – jetzt sind abschließend noch einmal drei Gedichte erschienen und geben so einen gewissen Eindruck von der Spannbreite dieser Publikation, mit der die isländische Autorin sogleich für den Isländischen Literaturpreis in der Kategorie Fiktion nominiert war.

Erhalten hat die 1982 geborene, in Reykjavík lebende und bis dahin als Kinderbuchautorin bekannte Schriftstellerin die Auszeichnung nicht, diese ging an Elísabeth Kristín Jökulsdóttir für den Roman Aprílsólarkuldi / (in etwa) Aprilsonnenkälte, doch darf allein schon die Nominierung in der Konkurrenz zu vier anderen Titeln als eine große Ehre angesehen werden, die sich natürlich auch in den Verkaufszahlen niederschlägt. Und gänzlich ohne einen der begehrten Isländischen Literaturpreise musste Arndís Þórarinsdóttir in diesem Jahr auch nicht bleiben, denn gemeinsam mit Hulda Sigrún Bjarnadóttir war sie für das Buch Blokkin á heimsenda  / Der Wohnblock am Ende der Welt in der Kategorie Kinder und junge Erwachsene nominiert, und hier wurde den beiden Autorinnen der Preis zugesprochen.

Es mag nicht verwundern, dass ein erster Gedichtband mit einer solchen Geschichte uns, das Übersetzer-Duo Gíslason/Schiffer, neugierig gemacht hat; wir haben also einige Gedichte des Bandes übersetzt und freuen uns, dass sich dank des Signaturen-Magazins nun auch Leserinnen und Leser hierzulande ein Bild von ihnen machen können.

Unter den folgenden Links finden sich die beiden ersten Beiträge des Magazins, die aktuelle Veröffentlichung mit weiteren drei Gedichten, von denen ich hier nach den beiden Links eines wiedergebe, findet sich nach dem Zitat.

 https://www.signaturen-magazin.de/arndis-porarinsdottir–sieben-mal-das-innere-wesen,-teil-1.html

https://www.signaturen-magazin.de/arndis-porarinsdottir–sieben-mal-das-innere-wesen,-teil-2.html

FEUER

Es lodert ein Waldbrand in meinem Nacken

sein Prasseln begleitet mich den ganzen Tag

 

Ich riskiere es nicht ihm zu nahe zu kommen

bringe keine Wertsachen unnötig

in Gefahr

 

Unter bestimmten Umständen

kann alles zum Futter eines Feuers werden

 

Es lodert ein Waldbrand in meinem Nacken

der nichts verschont

Rauchgeruch aus dem Kissenbezug

https://www.signaturen-magazin.de/arndis-porarinsdottir–dreimal-neu-das-innere-wesen,-teil-3.html

Arndís Þórarinsdóttir, geb. 1982, hat einen BA-Abschluss in allgemeiner Literatur von der Universität Islands und einen MA-Abschluss in Schreiben vom Goldsmiths College London. 2005 veröffentlichte sie erstmals eine Kurzgeschichte in der Literaturzeitschrift Tímarit Mál og menning und schrieb regelmäßig für Zeitungen und Zeitschriften. Ihr erstes Buch war die Jugendgeschichte Játningar mjólkurfernuskálds / Geständnisse eines Milchtütendichters, die 2011 veröffentlicht und für den Nordischen Kinderbuchpreis nominiert wurde. In den letzten Jahren erschienen die beliebten Kinderbücher Nærbuxnaverksmiðjan / Die Unterwäschefabrik (2018), Nærbuxnanjósnararnir / Die Unterwäschespione (2019 – nominiert für den Isländischen Literaturpreis in der Kategorie Kinder und junge Erwachsene) und Nærbuxnavélmennið / Der Unterwäscheroboter (2020), Blokkin á heimsenda  / Der Wohnblock am Ende der Welt (zus. m. Hulda Sigrún Bjarnadóttir / Isländischer Literaturpreis 2020 in der Kategorie Kinder und junge Erwachsene). Für ihre Lyrik erhielt sie Anerkennungen im Wettbewerb um den Poesiestab Jón úr Vör 2016 und 2019. Innræti / Das innere Wesen ist ihr erster Gedichtband. Mit ihm war die Autorin für den Isländischen Literaturpreis 2020 in der Kategorie Fiktion nominiert. Sie lebt in Reykjavík.

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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