Damals, als ich mich schämte

Ein weiteres Gedicht als Text des Tages bei Fixpoetry

Große Freude – in eigener Sache!

Das Online-Literaturmagazin Fixpoetry – Wir reden über Literatur hat erneut einen Text von mir als Text des Tages veröffentlicht. Hierfür danke ich herzlichst.

 

DAMALS, ALS ICH MICH SCHÄMTE

da schämte ich mich für alles / was ich tat

oder nicht tat / oder auch nur gedachte

zu tun oder nicht zu tun /

vor allem aber schämte ich mich meines Vaters /

der im Dorf den Dreck der anderen von den Straßen kehrte /

der kleingeblümten Schürze meiner Mutter /

die sie immerzu vor Brust und Bauch und Schenkeln trug /

ich schämte mich der wollenen Hose mit Gummizug /

die mir wie ein Lappen lose auf den Knöcheln hing /

während anderen längst Jeans eng über die Hintern spannten /

ja ich schämte mich der Armut meiner Eltern /

die ich empfand und aus der ich / noch Kind

und noch für Jahre später /

auch für mich kein Entkommen sah

In Gänze zu lesen ist das Gedicht, dessen ersten Abschnitt ich hier zitiert habe und das in der Summe mit anderen Teilen vielleicht einmal zu einem Langgedicht wachsen kann, auf der Seite vom 29. November des hier mit einem Link unterlegten Literaturmagazins Fixpoetry. Und da ich Fixpoetry – gänzlich unabhängig von dieser Veröffentlichung ­– überaus schätze, bitte ich herzlich um ein ausgiebiges Stöbern in seinen verschiedenen Rubriken.

Herzlichen Dank!

 

Meines Vaters Mutter und ihre 13 Kinder. Er selbst ist der 2. von links in der oberen Reihe.

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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15 Antworten zu Damals, als ich mich schämte

  1. wildgans schreibt:

    Ein sensibles „Feld“! Danke für die kleinen Einblicke…

  2. versspielerin schreibt:

    ein starkes, bewegendes gedicht! gratulation und liebe grüße zu dir.

  3. Stefan Heidsiek schreibt:

    Ein wirklich schönes, gefühlvolles Gedicht. Danke dafür und Dir einen schönen ersten Advent, lieber Wolfgang!
    Herzliche Grüße aus der kriminellen Gasse
    Stefan

  4. wolkenbeobachterin schreibt:

    ein ehrliches gedicht. das ist etwas unentbehrliches.
    danke fürs posten. und schönen ersten advent.

  5. Karin Kronreif schreibt:

    Ein wunderbares Gedicht !!
    Es berührt, denn man schlüpft bereits mit den ersten Zeilen ganz tief hinein.
    ❤ Karin

  6. Maren Wulf schreibt:

    Wenn das keine Liebeserklärung ist…! Danke für dieses Gedicht, das mehr erzählt als mancher dicke Roman.

  7. Anonymous schreibt:

    Es gefällt mir, wie Du heute noch eine Dankesschuld an deinen Vater abträgst, Wolfgang. Meiner hätte aus ähnlichen Gründen Ähnliches verdient, finde ich und denke darüber nach.

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