Grunað vængjatak / Geahnter Flügelschlag

Zum Tod des isländischen Literaturwissenschaftlers Eysteinn Þorvaldsson

Der große Vermittler deutscher Literatur in Island und isländischer Literatur in Deutschland, der Literaturwissenschaftler Eysteinn Þorvaldsson, ist vor wenigen Tagen im Alter von 88 Jahren gestorben.

Er liebte Heinrich Heine ebenso wie Franz Kafka, deren Werke er neben manch anderen (und oftmals in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Ástráður Eysteinsson) ins Isländische übertrug, er war  d e r  Kenner der isländischen Lyrik, den isländischen Atomdichtern galt hierbei sein besonderes Augenmerk. Seinen Erzählungen über diese lose Gruppe junger Dichter, die nach dem 2. Weltkrieg die traditionell gebundene Lyrik Islands gegen alle Widerstände revolutionierten, und seinen Arbeiten dazu, insbesondere zu Hörður Stefán Grímsson, verdanke auch ich wohl meine besondere Zuneigung zu deren Poesie innerhalb der lyrischen Landschaft Islands.

Eysteinn Þorvaldsson

Noch 2010 veröffentlichte Eysteinn Þorvaldsson eine umfassende Beschreibung und Analyse der Dichtkunst Stefán Hörður Grímssons unter Titel einer Gedichtzeile des Autors, Geahnter Flügelschlag (Grunað vængjatak – Um skáldskap Stefáns Harðar Grímssonar); 2011, zum Gastauftritt Islands auf der Frankfurter Buchmesse, durfte ich mit ihm den Themenband Bei betagten Schiffen – Islands Atomdichter  in der Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik die horen herausgeben, als ein mehr als 430 Seiten starkes, kritisches Lesebuch mit zahlreichen Erstübersetzungen wichtiger poetischer und journalistischer Textbeispiele aus jener Zeit sowie Würdigungen der literarischen und literaturgeschichtlichen Leistung der Atomdichter von zahlreichen heutigen Schriftstellerinnen und Schriftstellern und anderen Persönlichkeiten Islands …

Ich danke Eysteinn Þorvaldsson für seine jahrelange Freundschaft, in meiner Trauer um den Verlust sind meine Gedanken bei seinen Kindern, Enkelkindern und Freunden in Island!

Samúðarkveðjur ykkur öllum!

 

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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