Karten sind Partituren der Landschaft …

Wense, ein Roman von Christian Schulteisz

 

Christian Schulteisz bei der Lesung aus seinem Wense-Projekt 2013 im Bauch eines Schiffes auf der Moldau in Prag

Eigentlich war ich vom Berenberg Verlag auf der Leipziger Buchmesse zu einem Frühstück mit Christian Schulteisz eingeladen, dem Autor dieses Buchs, das den ebenso großen Universalgelehrten wie Universaldilettanten Hans Jürgen von der Wense (1894-1966) zum Protagonisten hat. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, denn schließlich hatte ich zugegen sein dürfen, als Schulteisz einen ersten Auszug seines literarischen Vorhabens der Öffentlichkeit vorstellte.

Das war 2013 und zwar auf einem Schiff in Prag, denn dort hielt sich der Autor gerade als Residenz-Gast des Prager Literaturhauses auf. Damals schon hatte mich das Gehörte fasziniert, verwob Christian Schulteisz in seinem Fragment doch in einer ganz eigenen literarischen Diktion eine als notwendig gesehene Erfindung mit biografisch Belegtem von der Wenses zu einem überzeugenden, beinah ekstatischen Erzählfluss.

Das Ergebnis, sieben Jahre später, kompakt auf 128 fadengehafteten Seiten in Halbleinen, tut dies noch einmal mehr. Hier ist, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, das Geschehen noch einmal konzentriert, die Sprache noch einmal feinst gefeilt worden, so dass der große Querkopf, der Wanderer, Dichter, Denker, Übersetzer, Sammler und Komponist, der seinerzeit durch alle Raster des Kulturlebens gefallen ist, nunmehr in seiner ganzen Tragikomik vor uns steht.

 

„Aber wie nur mithalten“, fragte Schulteisz seinerzeit wohl noch etwas unsicher, „er fliegt ja, dieser Kerl, so vergeistigt, schon fast selbst ein Gespenst. Wie Büchners Lenz durchs Gebirge. Als Mensch war Jürgen von der Wense zu sagenhaft. Will ich mich ihm nähern, muss ich ihn als literarische Figur neu erfinden.“

 

Ich antworte ihm heute gerne, dass ihm dies bestens gelungen ist, und das in einer poetischen Sprache, die mir seine Annäherung an seinen Helden zu einem kleinen literarischen Feuerwerk macht.

 

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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Eine Antwort zu Karten sind Partituren der Landschaft …

  1. Anonymous schreibt:

    Die Viren mögen die Welt noch so durcheinander wirbeln, die Wortspiele bleiben unbeirrt,
    Danke, lieber Wolfgang

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