Knut Ødegård – „Die Zeit ist gekommen“

„Allgemein lassen die meist prosahaften Gedichte des Norwegers an kleine Geschichten denken, erweist sich Ødegård als ein Erzähler, der es zudem vermag, Leid und Schmerz in erschütternden und schonungslosen Szenen und Bildern festzuhalten. Die menschengemachte Grausamkeit zeigt dabei viele Fratzen: von der Vernichtung unzähliger Menschen im Krieg und dem unbändigen Hass auf die norwegischen Frauen, die Deutsch-Huren, die sich mit dem Feind eingelassen haben, über die menschenverachtende Behandlung eines psychisch Kranken bis hin zum pädophilen Geistlichen, der ein Kind missbraucht. Man möchte wegschauen, weiterblättern, kann es aber nicht.“

Constance Matthes in ihrem Literaturblog „Zeichen & Zeiten“ zu dem Gedichtband Die Zeit ist gekommen von Knut Ødegård, aus dem Norwegischen übersetzt von Åse Birkenheier.

Und am Ende der Besprechung, über die ich mich als jemand, der diesen Lyrikband ein wenig für den ELIF Verlag „begleiten“ durfte, sehr freue, heißt es:

„Wie lange werden wir warten müssen, bis ein weiterer Band des Norwegers in deutscher Übertragung erscheint? Ich hoffe sehr, dass dafür die Zeit bald wieder kommen mag und der Name Ødegård hierzulande nicht wieder vergessen wird. In Anspielung auf das Motto des norwegischen Gastlandauftritts „Der Traum in uns“ aus einem Gedicht Olav H. Hauges, dem Kollegen Ødegårds, sollte diesem Traum die Möglichkeit gegeben werden, fortzuleben.“

Zeichen & Zeiten

„(…) und mich zu den Stimmen im Eis und Schnee hinauszuschicken.“

Warum erst jetzt? Warum musste so viel Zeit verstreichen, ins Land gehen? Knut Ødegård schrieb in den vergangenen mehr als 50 Jahren zahlreiche Gedichtbände, auch Prosawerke sowie Kinder- und Jugendbücher. Die Liste der Preise, die der norwegische Lyriker erhalten hat, ist lang. Seine Werke sind in bisher 42 Sprachen übersetzt worden. Doch erst im vergangenen Jahr erschien mit „Die Zeit ist gekommen“ („Tida er inne“, 2017, Cappellen Damm ) ein Band Ødegårds in deutscher Übertragung im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse mit Norwegen als Gastland. Eine längst überfällige Veröffentlichung, zumal es sich um den jüngsten Band des Schriftstellers handelt. Für die Entscheidung des Elif Verlags sollte man sehr dankbar sein.

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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