Ødegårds Texte sind durch und durch poetisch.

Eine weitere Stimme zu dem Gedichtband „Die Zeit ist gekommen“

Warum sollte ich ein Hehl daraus machen? Ich freue mich sehr, dass der norwegische Dichter Knut Ødegård, der anderenorts längst bekannt und geschätzt ist, dessen Arbeiten mit diesem Lyrikband jedoch erstmals in deutscher Sprache erscheinen, nun auch hierzulande in zunehmendem Maße die verdiente Aufmerksamkeit erfährt…

So schrieb Stefan Hölscher am 11. Januar dieses Jahres im Signaturen – Magazin, dem Internet-Forum für autonome Poesie, u .a.:

Vielleicht fällt an den von Knut Ødegård in dem im ELIF Verlag im September 2019 erschienenen Band „Die Zeit ist gekommen“ versammelten und von Åse Birkenheier aus dem Norwegischen ins Deutsche übertragenen Gedichten zuerst auf, wie diese Gedichte nicht sind: Ødegårds Gedichte bescheren den Lesenden nämlich sicher keine Knoten im Kopf; sie führen nicht dazu, dass man bei jedem fünften Wort bei Wikipedia nachschauen muss, was es überhaupt bedeutet; sie nehmen keinerlei Zerlegungen von Wort- und Zeichenelementen vor, die dann im Hirn der Lesenden irgendwie wieder verbunden werden müssten. (…)

Ødegårds Texte sind zugänglich. Sie kommen in einfacher Sprache daher, und ihr Grundvokabular ist überschaubar. Immer wieder tauchen in dem Buch Wörter auf wie „Zeit“, „Meer“, „Wellen“, „Wasser“, „Körper“, „Mann“, „Frau“, „Kind“, „alt“, „Haar“, „Traum“, „Stern“, „Tür“, „denken“, „spüren“ – einfache, alltägliche Worte, die in Texten stehen, die fast wie Prosafließtexte erscheinen und gelesen werden können. Stellenweise könnte man fast fragen: Ist das überhaupt ein Gedicht, was ich hier lese?

Und doch ist die Antwort ein ganz eindeutiges „Ja“. Ødegårds Texte sind durch und durch poetisch. (…)

Selbst da, wo (die Gedichte) Vergehen und Tod ansprechen, vermögen Ødegårds Gedichte beim Lesenden ein wenig von der friedvollen Ruhe zu erzeugen, die diesem 1945 geborenen Dichter offenbar in dieser späten Phase seines Schaffens zu eigen geworden ist. Und sie lassen den Lesenden teilhaben an der Erfahrung, dass ein Ineinanderfließen von vermeintlich Realem und Wunderbarem, von tragisch Schwerem und schwebend Leichtem, von ganz Profanem und tief Mystischem als das Natürlichste überhaupt erscheinen kann. Ødegårds poetische Geschichten vermögen diejenigen, die sich in ihren Fluss begeben, tief zu berühren – auf scheinbar ganz schlichte Weise.

Ich stimme den Zeilen von Stefan Hölscher vorbehaltlos zu.

In Gänze kann die Rezension unter diesem Link nachgelesen werden.

Zusammen mit Knut Ødegård (l.) im Oktober 2019 nach einer Lesung in der Bonner Buchhandlung Goethe & Hafis

 

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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