Wachsamkeit gegenüber Verheißungen

Stimmen zu den Gedichtbänden Freiheit und Gedichte erinnern eine Stimme

Coverausschnitt der genannten Zeitschrift – Foto: Peter Fabel

Die aktuelle Ausgabe von ISLAND, der Zeitschrift der Deutsch-Isländischen Gesellschaft e.V. Köln und der Gesellschaft der Freunde Islands e.V. Hamburg, ist erschienen.

Die Aufmerksamkeit, die hierin mein Tun zu und mit isländischer Literatur, ob allein oder gemeinsam mit meinem isländischen Maler-Freund Jón Thor Gíslason, erfährt, freut sehr, macht zugleich aber auch ein wenig verlegen.

In dieser Ausgabe finden sich nämlich neben meiner Spurensuche zur konkreten Poesie in Island und meiner Rezension zu Yrsa Sigurðardóttirs Thriller R.I.P. (btb Verlag) auch ein Gespräch, das die Herausgeberin Lilja Schopka-Brasch mit Jón Thor Gíslason und mir über unsere gemeinsame Übersetzungsarbeit geführt hat, sowie auch Rezensionen von ihr zu den von uns übertragenen Gedichtbänden Freiheit von Linda Vilhjálmsdóttir und Gedichte erinnern eine Stimme von Sigurður Pálsson, 2018 und 2019 erschienen im ELIF Verlag.

Zu Freiheit heißt es darin u.a.:

Linda Vilhjálmsdóttir hat mit „Freiheit“ ein sehr politisches Buch vorgelegt. Alarmiert durch Finanz- und Staatskrise in Island ruft sie auf zur Wachsamkeit gegenüber den Verheißungen von Religionen und des Kapitalismus, der wie eine Religion Botschaften verkündet. Seine Verheißung heißt Wohlstand durch stetes Wirtschaftswachstum, dieser Verheißung opfern wir alles – unsere Freiheit, unsere Lebensgrundlagen.

Vilhjálmsdóttir klagt an, zeigt auf, aber sie überlässt es ihren Leserinnen und Lesern eigene Schlüsse zu ziehen. Die oft von ihr benutzte wir-Form können wir als Aufforderung verstehen, unseren Umgang mit Freiheit und unser eigenes Handeln zu überdenken.

Vilhjálmsdóttirs Sprache ist einfach und klar. Ihre Worte sind wohlgesetzt und kraftvoll. Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer bleiben in ihrer Übertragung ins Deutsche sehr nah am Originaltext, lassen die Kraft der isländischen Verse auch im Deutschen spürbar werden und bringen die Intensität dieser Lyrik zur vollen Entfaltung.

 

Und zu Gedichte erinnern eine Stimme, einem der 10 mit einem Platz auf der Hotlist 2019 ausgezeichneten Bücher, schreibt die Rezensentin u.a.:

„Gedichte erinnern eine Stimme“ ist sein 16. und letzter Gedichtband. Er schrieb diese Gedichte wissend, dass er bald sterben würde. Seine Auseinandersetzung mit dem Tod ist ein sehnsuchtsvolles Abschiednehmen vom Leben, sehr persönlich und zugleich über das Persönliche hinausweisend. Entstanden sind wunderbare, berührende Gedichte voller Licht, aber auch Schatten, in denen immer wieder „Eine Stimme die das Leben ist“ vernehmbar wird.

Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gíslason blieben in ihrer Übersetzung eng am Originaltext und da, wo es um der Bedeutung oder des Bildes willen nötig war, sich etwas weiter zu entfernen, taten sie dies behutsam und mit großem Einfühlungsvermögen. Auch suchten sie da, wo Wortlängen oder Satzstellung in beiden Sprachen voneinander abwichen, nach einem angemessenen Rhythmus. In Anbetracht des wohlbedachten Aufbaus der Gedichte, wo jedes Wort seinen Platz und seinen Klang hat, war dies keine leichte Aufgabe, die die Übersetzer virtuos gelöst haben.

Die an den genannten Artikeln und Büchern Beteiligten danken der Redaktion von ISLAND sehr herzlich!

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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