Der Traum in uns – die Frankfurter Buchmesse / Teil 3

Ein persönlicher Rückblick in Bildern und Kurzkommentaren

Åse Birkenheier liest im Pavillon des Gastlandes aus einer von ihr übersetzten Sammlung norwegischer Märchen. (Foto: Barbara Lehmann)

Der Morgen des Messesamstags brachte die Bestätigung: Die Weissagung des ELIF-Verlegers Dinçer Güçyeter (s. Teil 2) war in Erfüllung gegangen: Daniela Seel und ihr Verlag Kookbooks waren am Vorabend mit einem der drei Hauptpreise des erstmals vergebenen Deutschen Verlagspreises ausgezeichnet worden. In der Begründung der Jury für die Zuerkennung des Preisgeldes in Höhe von 60.000,00 € heißt es:

Ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieser Verlag für die Dichtung des 21. Jahrhunderts steht, aber auch in der essayistischen Prosa neue Maßstäbe gesetzt hat.

Hatte ich nun jedoch erwartet, dass alle auf der Messe anwesenden Kolleginnen und Kollegen zu unserer Nachbarin in der Halle 4.1 Stand G 53 herbeieilen und ihren Glückwunsch aussprechen würden, so sah ich mich getäuscht – der Zustrom hielt sich in mehr als überschaubaren Grenzen. Ich tröstete mich mit der Hoffnung, dass alle ihr bereits am Abend zuvor gratuliert haben könnten – unmittelbar nach der Verleihungsfeier selbst, auf der neben den Hauptpreisen 60 weitere Auszeichnungen mit einem Geldwert von jeweils 15.000,00 € verliehen worden waren. Der ELIF Verlag zählte (für mich unverständlicherweise) nicht dazu, hofft aber auf die nächste Ausschreibung und tröstete sich mit dem Zustrom literaturhungriger Besucherinnen und Besucher, denn mit Beginn des Samstags war die Buchmesse nun auch für die Öffentlichkeit frei gegeben.

Zeitgleich mit dem Trost war es nun aber auch mit der Flexibilität weitgehend vorbei. Vom Samstag erinnere ich nur noch einen Besuch beim Wallstein Verlag …

Die Literaturzeitschrift die horen im Wallstein Verlag, zuletzt mit einer beeindruckenden Ausgabe zum Gastland des Messe, zu Norwegen.

… ein intensives Gespräch mit dem Arco-Verleger Christoph Haacker und seinem Autor Alban Nikolai Herbst über dessen Publikationen Aeolia. Gesang und Das Ungeheuer Muse  sowie über die im Verlag in Übertragung von Peter Demetz erschienenen Elegien des tschechischen Schriftstellers Jiří Orten, über den ich in meinen Wortspielen bereits mehrfach geschrieben habe …

… und eine Begegnung mit den beeindruckenden Buchschöpfungen der Katzengraben-Presse aus Berlin.

Ein herzliches Zusammensein mit dem Katzengraben-Pressen-Verleger Christian Ewald (r.), dem Schriftsteller Andrej Kurkow und einer Mitarbeiterin des Verlags. (Foto: Wolfgang Koch)

Am Samstagabend wurde der ELIF Verlag als Gastverlag dann Teil vom Teil der Bewegung (Edit – Papier für neue Texte, Kookbooks, KOOK e.V., poetenladen und Schöffling & Co.), der im Rahmen von OPEN BOOKS zu einem Poesieabend in den Frankfurter Salon eingeladen hatte. Moderiert von Carolin Callies und Christian Dinger lasen Michael Braun mit Jürgen Nendza, Arve Kleiva, Anja Utler, Guntram Vesper und Charlotte Warsen. Den ELIF Verlag vertraten Özlem Özgül Dündar mit Texten aus ihrem Gedichtband gedanken zerren und neuen Gedichten und meine Wenigkeit mit Übertragungen von isländischer Lyrik durch das Übersetzer-Team Gíslason/Schiffer.

Anbei ein paar Schnappschüsse dieser sehr lebendigen Lesenacht, die von dem Musiker/Sänger Sinu bestens begleitet wurde.

Jürgen Nendza (l.) und Michael Braun im Gespräch über Lyrik.

Es liest Guntram Vesper.

Daniela Seel von Kookbooks und ihr norwegischer Autor Arve Kleiva bauen sich eine Bühne.

Es liest Özlem Özgül Dündar.

Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, Guntram Vesper und ich. Aber Ende der 90er waren wir schon mal gemeinsam in Island. Die Erinnerungen daran sind noch eisfrisch. (Foto: Yalin Eser)

Der letzte Messetag, der Sonntag, verging im Kontakt mit so vielen schauenden, suchenden und gelegentlich wahrlich wissensdurstigen Menschen um einen herum dann wie im Flug. Selbst ein Atemholen im Freien war kaum noch möglich …

Luftschnappen vor der Rolletreppe zur Halle 3.1.

… und das Schließen der Hallen um 17:30 Uhr kam schneller als erwartet. Noch voller Adrenalin und zugleich glücklich erschöpft ging es ans Aufräumen. Mit der Gewissheit, dass dies nicht die letzte Buchmesse sein würde.

Das war´s mit der Frankfurter Buchmesse 2019. Kookbooks räumt noch ein wenig – ELIF hat bereits abgebaut. Selbst ELFI ist bereits verpackt. (Alle Fotos, sofern nicht anders vermerkt: Wolfgang Schiffer)

 

 

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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2 Antworten zu Der Traum in uns – die Frankfurter Buchmesse / Teil 3

  1. Sibyl Urbancic schreibt:

    Herzlichen Dank für den Ersatz für das Selber erleben.

     

    S.U.  

    Sibyl Urbancic Döblinger Hauptstraße 70/25 1190 Wien 01-3681343 sibyl.kneihs@chello.at http://www.urbancic.at

       

    Gesendet: Samstag, 26. Oktober 2019 um 10:08 Uhr Von: "Wortspiele: Ein literarischer Blog" <comment-reply@wordpress.com> An: sibyl@urbancic.at Betreff: [New post] Der Traum in uns – die Frankfurter Buchmesse / Teil 3

    schifferw posted: "Ein persönlicher Rückblick in Bildern und Kurzkommentaren Der Morgen des Messesamstags brachte die Bestätigung: Die Weissagung des ELIF-Verlegers Dinçer Güçyeter (s. Teil 2) war in Erfüllung gegangen: Daniela Seel und ihr Verlag Kookbooks waren am Vo"

    • schifferw schreibt:

      Gerne! Es freut mich, dass Sie es als eine Art Ersatz ansehen können, liebe Sibyl Urbancic.

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