Islands Atomdichter – Oder …

… Der Schock der Moderne

Wer die „Wortspiele“ in den letzten Jahren ein wenig verfolgt hat, weiß um mein beinahe schon leidenschaftliches Interesse für eine lose Gruppe isländischer Lyriker nach dem 2. Weltkrieg, die von einem Großteil der dortigen Leserschaft mit einem traditionell konservativen Poesie-Verständnis für viele Jahre mit dem Schmähwort Atomdichter abqualifiziert wurden. Was sie mit ihren in freien Versen geschriebenen Gedichten auslösten, war nicht weniger als ein Kulturkampf um vermeintlich eherne Werte der Nation.

Tatsächlich jedoch, und das wissen heutzutage auch in Island alle, waren es diese Dichter, die eine bereits zur Erstarrung neigende Dichtkunst des Landes aus ihren Fesseln überlieferter Vers- und Reimschemata befreiten und die isländische Poesie heranführten an die internationale Moderne – und somit auch den Freiraum schufen für eine heutige Lyriklandschaft, die geprägt ist von einer Vielzahl an Stimmen und Temperamenten wie selten anderswo.

Flugzeug über Reykjavik

Von manchen der Atomdichter (z.B. Stefán Hörður Grímsson, Hannes Sigfússon, Jón Óskar u.a.) habe ich hier Beispiele ihrer Poesie vorgestellt, häufig in Original und Übersetzung. Und auch Texte von Lyrikerinnen und Lyrikern, die quasi ihr Erbe angetreten, den Freiraum genutzt haben, finden sich in diesem Blog. Dazu zählt insbesondere auch Sigurður Pálsson, ein glühender Verteidiger der Atomdichter, dessen letzter Gedichtband Gedichte erinnern eine Stimme in seiner deutschsprachigen Übertragung zu den 30 Kandidaten für die Hotlist 2019, dem Wettbewerb um die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen, zählt.

Heute nun habe ich zufällig entdeckt, dass auch ein Radiofeature, das ich 2014 zu dem Thema geschrieben und teils gesprochen habe, jetzt gänzlich unabhängig von einem Sendetermin zu hören  und sogar auf den eigenen Rechner zu laden ist. Die ARD-Audiothek macht es möglich.

Wer also Weiteres über Islands Atomdichter erfahren möchte, der klicke bitte auf den Link mit dem Titel Islands Atomdichter – Oder: Der Schock der Moderne.

Ich bedanke mich für den Service der ARD und wünsche allen Interessierten eine informative Unterhaltung!

Über Wolfgang Schiffer

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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