Der Begriff wertvoll

Marina Büttner schreibt über „Gedichte erinnern eine Stimme“

Am Tjörnin, Reykjavíks Stadtteich

Alle Gedichte haben ein ganz eigenes Gewicht. Mir fällt der Begriff wertvoll ein. Aber es sind die kleinen Werte.

Mich begleiten Pálssons Gedichte herzlich tröstend. Er leuchtet mir durch die Tage und blinkt wie ein Leuchtturm in der Nacht. Mir scheint, die Isländischen Dichter haben eine Gabe, Tiefes und Dringliches in ihrer Lyrik auf eine angenehm natürliche Art zu vermitteln, die es einem leicht macht, sie zu mögen. Ich empfehle diesen Band sehr.

Diese Zeilen und mehr erreichten mich zwei Tage, nachdem ich einmal mehr in Island angekommen war. Diesmal war der Grund das Internationale Literaturfestival Reykjavík, das hier vom 24. bis 27. April stattfand, begleitet von feierlichen Aktivitäten zum Welttag des Buches am 25. April, der ja nicht nur der Geburtstag von Shakespeare und Cervantes ist, auch der isländische Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness erblickte an diesem Tag 1902 das Licht der Welt. Und 17 Jahre später, am 25. April 1919, also vor genau 100 Jahren, erschien sein erster Roman: Barn náttúrunnar – Ein Kind der Natur.

Die Bühne des Internationalen Literaturfestivals Reykjavík

Wenn beim diesjährigen Festival einer unter den zahlreichen isländischen und internationalen Autorinnen und Autoren vermisst wurde, so war es der 2017 verstorbene Schriftsteller und Dichter Sigurður Pálsson. Gesprochen wurde viel vom ihm – nicht zuletzt von einer posthum erschienenen Auswahl seiner Gedichte Ljóð muna ferð – Gedichte erinnern eine Reise, ein Band, der von Ragnar Helgi Ólafsson gestaltet wurde, dem Autor, dessen Gedichtband Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können im selben Verlag, dem ELIF Verlag, erschienen ist, wie die Übersetzung von Siggis letztem Gedichtband Gedichte erinnern eine Stimme. Deren Besprechung von Marina Büttner in ihrem Blog Literaturleuchtet ist hier in Gänze nachzulesen.

In einem der Gedichte dieses Bandes wird das Kaffi Rosenberg erwähnt. Das gibt es nicht mehr. Es lag im Klapparstígur, einer schmalen Straße, die vom Zentrum zur Bucht hinunterführt, neben dem wunderbaren Antiquariat Bókin, dazwischen nur ein weiteres Haus, und in dem war Sigurður Pálssons Schreibstube. Natürlich war das Kaffi Rosenberg das Stammcafé des Dichters – und es ist nur konsequent, dass es jetzt, nach seinem Tod, nicht mehr existiert: Jetzt ist in den Räumen ein irischer Pub.

Der erwähnte Auswahlband und die zweisprachige Ausgabe des letzten Gedichtbands von Sigurður Pálsson

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
Dieser Beitrag wurde unter Übersetzung, Belletristik, Island, Isländische Literatur, Lyrik, Wortspiele abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Der Begriff wertvoll

  1. marinabuettner schreibt:

    Danke fürs Teilen, Wolfgang.
    Die isländische Ausgabe ist ja auch sehr schön gestaltet!

Kommentare sind geschlossen.