Gedichte erinnern eine Stimme

Demnächst im ELIF Verlag …

Island Þingvellir

Der letzte Lyrikband des isländischen Schriftstellers Sigurður Pálsson Gedichte erinnern eine Stimme versammelt Gedichte eines Poeten, der um sein baldiges Sterben weiß. Und dennoch – oder gerade deshalb – sind sie voller Helle und Lebensfreude. Mit lächelndem Humor und trotzigem Optimismus schreibt er über das Zusammenspiel von Licht und Schatten, Glück und Unglück, über Leben und Tod. Er beschwört die Wichtigkeit der Poesie im Leben, der Kunst überhaupt, die noch die dunkelsten Schattenwolken zu vertreiben weiß.

Ernsthaft, nachdenklich, in einfacher Sprache, doch mit großer poetischer Kraft fragt Sigurður Pálsson nach dem Wesentlichen des Lebens: Erde, Feuer, Luft und Wasser – und nach den Bedingungen und Möglichkeiten, nach der Stimme des Menschseins.

Gesang

Heute Morgen habe ich in Gedanken gesungen
und auf der rechten Seite war eine Landschaft
und auf der linken Seite war eine Landschaft

Ich wollte nicht für ihn singen
wollte auch nicht über ihn singen

Wollte nur über das Leben singen

Ich habe keine Angst vor ihm
er kommt wenn er kommt
„Sei gegrüßt, wann immer du willst“

Und ich singe weiter über das Leben
und die Landschaft auf der rechten Seite
und die Landschaft auf der linken Seite

Söngur

Í morgun söng ég í huganum
og hægra megin var landslag
og vinstra megin var landslag

Mig langaði ekki til að syngja fyrir hann
langaði ekki heldur að syngja um hann

Langaði bara að syngja um lífið

Ég ber enga virðingu fyrir honum
hann kemur þegar hann kemur
„Kom þú sæll, þá þú vilt“

Og ég syng áfram um lífið
og landslagið hægra megin
og landslagið vinstra megin

Sigurður Pálsson Foto: Johann Pall Valdimarsson

Sigurður Pálsson, geboren 1948 in Skinnastaður im Norden Islands, studierte französische Sprache und Literatur in Toulouse und an der Sorbonne sowie Theaterwissenschaften und Filmregie am Conservatoire Libre du Cinéma Français in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Island war er als Dozent an der dortigen Universität und an Kunstakademien, Theater- und Schauspielschulen tätig, arbeitete als Journalist und bei Film und Fernsehen. Vor allem aber veröffentlichte er seit seinem 1975 erschienenen lyrischen Debüt Ljóð vega salt (in etwa: Gedichte in der Waage) fünfzehn weitere Gedichtbände, drei Romane, drei Erinnerungsbände, mehrere Theaterstücke, Opernlibretti, Fernseh- und Radiomanuskripte sowie Übersetzungen, insbesondere aus dem Französischen, darunter von Schriftstellern wie Fernando Arrabal, Jean Genet, Jacques Prévert, Paul Éluard, Albert Camus und Patrick Modiano. Für seine Veröffentlichungen erhielt er zahlreiche literarische Ehrungen und Auszeichnungen, u. a. in 2007 den Isländischen Literaturpreis und ein Jahr später die Auszeichnung Chevalier de l´Ordre du Mérite für seinen Beitrag zur Verbreitung französischer Kultur in Island. Für seine Verdienste um die isländische Literatur und Kultur wurde er 2017 zum Ritter des Isländischen Falkenordens ernannt.

Sigurður Pálsson starb am 19. September 2017 in Reykjavík. Wenige Monate zuvor noch war ihm für seinen letzten Gedichtband Ljóð muna rödd / Gedichte erinnern eine Stimme der vom isländischen Schriftstellerverband und der isländischen Nationalbibliothek erstmals verliehene Poesiepreis Maistern verliehen worden; postum wurde der Dichter mit Ljóð muna rödd / Gedichte erinnern eine Stimme für den Literaturpreis des Nordischen Rates 2018 nominiert.

Der Gedichtband Gedichte erinnern eine Stimme / Ljóð muna rödd erscheint Anfang März 2019 in der Übertragung von Jón Thor Gíslason und mir als zweisprachige Edition im ELIF Verlag, Nettetal.

 

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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