Live und nur am Wochenende: „Das Büro“ von J. J. Voskuil

Ein Lese-Projekt des Kultursalons Freiraum in Köln

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie eigentlich gearbeitet wird hinter den Bürotüren eines wissenschaftlichen Instituts? In der Domstadt Köln ist dies demnächst zu erfahren, und das in einem gewagten Experiment: Der Kultursalon Freiraum gibt hier dem Romanzyklus Das Büro von J.J. Voskuil – in seiner zeitlos absurden Komik Kult in den Niederlanden ­– eine Stimme, und das, so der Plan, vom ersten bis zum letzten der sieben von Gerd Busse auch ins Deutsche übertragenen und im Verbrecher Verlag, Berlin, erschienenen Bände.

Und ich freue mich, nach bereits mehreren Einzel-Präsentationen des Werks – zusammen mit dem Übersetzer und dem Lektor Ulrich Faure in Leipzig, Münster, Göttingen und anderen Städten – nun auch in Köln diese Stimme sein zu dürfen. Zumindest so lange sie trägt. Denn wenn das Experiment gelingen sollte und der Zuspruch über Wochen und Monate anhielte, so würde irgendwann wohl ein anderer in die Rolle des Vorlesers schlüpfen müssen, um dem Publikum die mehr als 5000 Seiten abschließend zu Gehör zu bringen! Doch begonnen wird erst einmal, und zwar bald: am Samstag, dem 27. Januar, morgens um 11:00 Uhr.

Die Fortsetzung findet dann am Sonntag statt, allerdings erst zur „Teezeit“ um 17:00 Uhr. Und in diesem Rhythmus geht es dann weiter – an jedem letzten Wochenende eines Monats.

Nähere Einzelheiten zum Programm des Kultursalons Freiraum allgemein, zu den jeweiligen Eintrittspreisen sowie die genaue Adresse und die Anreisemöglichkeiten finden sich bei Interesse hier.

Und nun kurz zu dem Romanzyklus selbst: Er schildert Leben und Arbeiten des wissenschaftlichen Angestellten Maarten Koning, des literarischen Alter ego des Autors, im Amsterdamer Institut für Volkskultur von 1957 bis in die 1980er Jahre. Es geht um Zuspätkommen und Kaffeepausen, um Kompetenzstreitigkeiten, Bürotratsch, Wehwehchen und nicht zuletzt um gegenseitige Verdächtigungen und Intrigen.

Maarten verbringt seine Tage mit dem Anlegen von Karteikarten über alles, was er nicht versteht und von dem er hofft, es später vielleicht doch einmal zu verstehen. Er langweilt sich auf zahllosen Sitzungen wissenschaftlicher Kommissionen oder Arbeitsgruppen, wo er den Wissenschaftler geben muss – und hadert derweil mit seinem Schicksal und nach Feierabend manchmal auch mit seiner Gattin Nicolien.

J.J. Voskuil schildert mit großer Detailfreude den Büroalltag mit all seinen typischen Kommunikationsriten und Absurditäten. Gerade weil man vieles aus dem eigenen Alltag wiedererkennt, wird die Begegnung mit diesem literarischen Zeit- und Mentalitätsgemälde zu einem süchtig machenden Vergnügen! Und das selbst dann, wenn man bei der Lesung des KulturSalons Freiraum nicht alles in der angelegten Chronologie wahrnehmen kann: jede Seite des Romanwerks ist ein Lese- und Hörvergnügen, das staunen und lachen macht – auch wenn man nicht selten erkennen muss, dass in vielen der Charaktere auch ein Stück von einem selber steckt!

Johannes Jacobus Voskuil, geboren 1926 in Den Haag, war ein niederländischer Volkskundler. Bereits 1963 veröffentlichte er seinen ersten Roman, doch zur Berühmtheit der niederländischen Literatur wurde er erst mit dem Romanzyklus Das Büro, dessen erster Teil 1996 und dessen letzter 2000 erschien. Er wurde 1997 mit dem Ferdinand Bordewijk Prijs und 1998 mit dem Libris Prize ausgezeichnet. J.J. Voskuil starb 2008 in Amsterdam.

Die Edition:

Das Büro 1. Direktor Beerta – 978-3-95732-006-3
Das Büro 2. Schmutzige Hände – 978-3-95732-007-0
Das Büro 3. Plankton – 978-3-95732-008-7
Das Büro 4. Das A. P. Beerta-Institut – 978-3-95732-009-4
Das Büro 5. Und auch Wehmütigkeit – 978-3-95732-010-0
Das Büro 6. Abgang – 978-3-95732-011-7
Das Büro 7. Der Tod des Maarten Koning – 978-3-95732-012-4

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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5 Antworten zu Live und nur am Wochenende: „Das Büro“ von J. J. Voskuil

  1. gsohn schreibt:

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt und kommentierte:

    Ende Januar ab nach Kölle

  2. schifferw schreibt:

    Herzlichen Dank fürs Weitergeben, mein Freund!

  3. marinabuettner schreibt:

    Lieber Wolfgang,
    ich wünsche viel Zuspruch!
    Ich habe den letzten Band an Weihnachten beendet und bin traurig.
    Meine Besprechung der letzten beiden Bände kommt bald und ist auch ein wenig wehmütig …
    Viele Grüße!
    Marina

  4. schifferw schreibt:

    Liebe Marina,
    da warte ich doch gespannt auf Deine Besprechung!
    Sei lieb gegrüßt, noch aus Island, Wolfgang

  5. Pingback: Den Mund zu voll genommen | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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