Prag – Berlin – Köln: 3. Teil

Eine kleine Fotoreise

Über dem Reichstag…

Zurück in Köln! Wer sich nun fragt, wieso ich mich nach den Abstechern in die Weltstädte Prag und Berlin doch darüber freue, wieder in der deutlich kleineren Rheinmetropole angekommen zu sein, der möge anhand der folgenden kleinen Bildergalerie sehen, dass es hierfür mehr als nur ausreichende Gründe gab. Köln wartete in den letzten Tagen mit Vielem auf – darunter geradezu Großem!

Als Erstes war da natürlich die geliebte überschaubare Unübersichtlichkeit meines Arbeitszimmers, die mich – noch vor dem Entpacken der Postpakete, die unsere Nachbarin auf dem Küchentisch gestapelt hatte – mit der gewohnten Verlässlichkeit empfing …

… gefolgt von der eröffnenden Matinee der vom Kölner Stadt-Anzeiger und dem Literaturhaus Köln ausgerichteten Aktion Ein Buch für die Stadt am 12. November im Schauspiel Köln Depot 1.

Gefallen war die Wahl diesmal auf den Roman Superhero des neuseeländischen Autors Anthony McCarten. Joachim Frank (o.l.), Chefkorrespondent der Zeitung, führte durch die Veranstaltung und sprach dabei auch mit dem Verleger und Freund des Autors Philipp Keel vom Diogenes Verlag, in welchem die Bücher McCartens erscheinen. Der Schauspieler Justus Maier (o.r.) las Passagen aus dem Werk …

… und da der Autor, der zwar persönlich nicht anwesend sein konnte, doch per Bildübertragung zugeschaltet war, gab es mit Kristian Lutze (vorheriges Foto zweiter v.r.) auch einen Übersetzer dessen, was Anthony McCarten zu seinem Roman und der Auszeichnung zu sagen hatte.

Nur wenige Tage später hieß es dann, ins Nachbarstädtchen Siegburg aufzubrechen. Die Bernstein Verlagsbuchhandlung Gebrüder Remmel R² hatte zu einer Lesung eingeladen …

… die begleitet war von einer kleinen Ausstellung mit Zeichnungen meines isländischen Malerfreundes und Mitübersetzers Jón Thor Gíslason

… mit welchem ich mich sodann zusammen mit dem Lyriker und Verleger des Elif Verlags Dinçer Güçyeter auf ein Podium begeben durfte, um den Gedichtband Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können des leider nur per Foto anwesenden isländischen Schriftstellers Ragnar Helgi Ólafsson vorzustellen. Fotografisch dokumentiert hat die Sitzordnung aus dem Publikum die Autorin Anke Glasmacher.

Im Arbeitszimmer war kaum die obere Materialschicht – nein, nicht etwa abgetragen, aber doch zumindest schon einmal bewegt – da hieß es, via Düsseldorf (Abholung) nach Dortmund und von dort nach Münster (Mitnahme) zu fahren …

… in dessen Haus der Niederlande der abgeholte Lektor Ulrich Faure sowie der uns beide mitnehmende Übersetzer Gerd Busse und ich den siebenbändigen Kultroman Das Büro von J.J. Voskuil, seit wenigen Wochen komplett erschienen im Verbrecher Verlag, vorstellen durften. Dass ich hierbei ohne mein Zutun auch noch zum Schauspieler mutierte, gibt mir allerdings immer noch zu denken!

Zurück in Köln, steht die Stadt nun ganz im Zeichen des kommenden 100. Geburtstags des Nobelpreisträgers Heinrich Böll.

Am Freitagabend fand in der Piazzetta des Historischen Rathauses zu Köln die Verleihung des nach ihm benannten, alle zwei Jahre vergebenen Literaturpreises statt – überreicht wurde die Auszeichnung in diesem Jahr von der Oberbürgermeisterin Henriette Reker in einer auf Wunsch des Preisträgers vom Kölschen Liedermacher J.P. Weber gerahmten Feierstunde an den 1965 in Sofia / Bulgarien geborenen Schriftsteller Ilija Trojanow.

Dieser legte nach einer Laudatio durch den bosnischen Schriftsteller Dževad Karahasan, der den „Weltbürger“ Trojanow als einen im besten Sinnen politischen Autor charakterisierte, den Fokus seiner Dankesrede auf den Begriff des „Gutmenschen“, als welcher Böll immer wieder – mal anerkennend, mal abschätzig – tituliert worden ist.

Fotos – mit Ausnahme des genannten – Wolfgang Schiffer

Im Geiste Heinrich Bölls hieß es dann konkret am Samstag im Forum der Volkshochschule im Museum am Neumarkt in einer Veranstaltung der Stadt Köln mit dem Kulturradio WDR 3 und dem Literaturhaus Köln. Moderiert von Jörg Biesler sprachen die in früheren Jahren mit dem Heinrich-Böll-Preis ausgezeichneten Schriftsteller*innen Eva Menasse, Marcel Beyer und Jürgen Becker u.a. über Werk, Bedeutung und heutige Relevanz des Nobelpreisträgers von 1972.

Dabei stellten sie auch eigene Arbeiten im Geiste Heinrich Bölls vor – so las Marcel Beyer eine kurze Erzählung, die ein von Hilmar Pabel gemachtes Foto, das Heinrich Böll während des Einmarsches russischer Panzer in Prag am 21. August 1968 zeigt, zur Folie nimmt; Eva Menasse erinnerte an Bölls Spiegel-Artikel So viel Liebe auf einmal – Will Ulrike Gnade oder freies Geleit vom 10. Januar 1972, eine polemische Attacke gegen jeglichen Sensationsjournalismus  im Allgemeinen und gegen die Bildzeitung insbesondere, die, indem man ihm eine Unterstützung der RAF unterstellte, eine wahre Hetzkampagne gegen den Autor auslöste. Jürgen Becker schließlich war in der Veranstaltung noch einmal mit seinem 1972 zu Ehren der Nobelpreisverleihung Bölls im Auftrag des WDR entstandenen Fernsehgedichts präsent – eine Film-Foto-Text-Montage, die nach einem stetigen, vom hohen Archivgebäude des Senders aus  kreisenden Kameraschwenk über Köln und feinsten, vom Autor selbst eingelesenen Wortkaskaden, die Bölls ambivalente Haltung zu ebenso spiegeln wie Beckers eigene Sicht auf beider Geburtsstadt, schließlich auf dem Rhein verharrt und Jürgen Becker sagen lässt: Ich sage – Heinrich-Böll-Rhein.

Im Geiste Heinrich Bölls war für mich zweifelsfrei der Höhepunkt des literarischen Lebens 2017 der Stadt Köln.

 

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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15 Antworten zu Prag – Berlin – Köln: 3. Teil

  1. wildgans schreibt:

    Herrlich! Danke, die Reisen und vor allem die Ansicht des Bücherzimmers betrachten zu können! Keine H-Moll-Messe, eher ein lautes „Amadeus, Amadeus“ – man spürt Leidenschaft für all die geliebten Tätigkeiten!
    Gruß von einer ehemaligen Kölnerin, außerdem Prag-Liebhaberin

  2. axel k.p. becker schreibt:

    mit Vergnügen gelesen u. die Fotographien beguckt. Eine in jeder Hinsicht GROßE Fotoreise. PS. :Wo kann man den Beitrag von Eva Menasse nachlesen?

    • schifferw schreibt:

      Danke! Ich fürchte, nachzulesen ist der Beitrag von Eva Menasse (noch) nirgendwo – die Autorin hat ihn ausdrücklich als eine erste Gedankenskizze bezeichnet.

  3. nweiss2013 schreibt:

    Wunderbar bewegte und bewegende Schilderung!

  4. finbarsgift schreibt:

    Auch Köln ist eine Reise Wert,
    vor allem auch eine literarische 🙂

    Wieder ein toller Bericht von dir,
    lieber Wolfgang!

    Liebe Morgengrüße
    vom Lu

  5. Anne-Marit schreibt:

    Ein toller Bericht. Und um Dein Arbeitszimmer beneide ich Dich, lieber Wolfgang. Komm gut ins Wochenende.

  6. schifferw schreibt:

    Ganz lieben Dank, liebe Anne-Marit!

  7. Alicia Weyers schreibt:

    Lieber Wolfgang! Respekt für all das was du so alles machst und gemacht hast. By the way, H. BölL war ein Freund meines Onkel Emil…sie kannten sich aus dem Dorf (Berg bei Middegen). Herr Böll hat sogar meinen Onkel in Düren auf der Kölner Landstraße besucht. Hätte gerne ein Foto von beiden gemacht aber, mein Onkel wollte nicht einmal dass ich dabei bin.

    • schifferw schreibt:

      Liebe Alicia, wie schön, hier von Dir zu hören! Und dann auch noch mit dieser kleinen Anekdote! So waren sie manchmal, die Onkel!

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