Freiheit für Doğan Akhanlɩ

Eine Benefiz-Veranstaltung im Literaturhaus Köln

Ein Büchertisch zum Thema Türkei

Große Anteilnahme fand am Abend des 5. September 2017 die Benefiz-Veranstaltung Freiheit für Doğan Akhanlɩ, zu der das Literaturhaus Köln und Freude und Kollegen des Kölner Schriftstellers geladen hatten.

Doğan Akhanlɩ war während seines Urlaubs auf Betreiben des türkischen Regimes in Spanien festgenommen worden. Zwar ist er wieder frei, darf aber das Land nicht verlassen. Die türkischen Behörden fordern seine Auslieferung.

Im Veranstaltungsraum des Literaturhauses, seinem Eingangsbereich, ja, in allen Räumen und noch auf dem Platz davor drängten sich bis spät in den Abend die Menschen, die den Lesungen aus Doğan Akhanlɩs Büchern und Artikeln und den  Berichten von Weggefährten, die den Autor in seinem unermüdlichen Kampf gegen Unmenschlichkeit und seinem Einsatz für Menschenrechte begleitet haben, zuhören wollten.

Der Genozid an den Armeniern, der in der Türkei bis heute geleugnet wird, war Doğan Akhanlɩ dabei ein ebenso wichtiges Thema wie Willkür und Machtmissbrauch der in der Türkei regierenden AKP.

In der Folge versuchen türkische Behörden seit langem, ihn mundtot zu machen. Wegen des Vorwurfs, an einem Raubüberfall beteiligt gewesen zu sein, saß er in der Türkei sogar bereits einmal im Gefängnis ein und wurde ihm der Prozess gemacht – ein Prozess, der mit einem klaren Freispruch endete, ohne jedoch zu verhindern, dass die heutige türkische Regierung ihn über Interpol erneut zur Fahndung ausschrieb.

Mit dabei waren an dem Solidaritätsabend unter der Moderation des Türkei-Kenners Gerrit Wustmann u. a. Doğan Akhanlɩs Anwalt Ilias Uyar, die Landtagsabgeordnete Berivan Aymaz, Osman Okkan vom KulturForum TürkeiDeutschland und Günter Wallraff. Für Musik sorgte Ulrich Klan auf der Viola, der außerdem als Vorsitzender der Armin T. Wegener-Gesellschaft sprach.

Und mit dabei waren – wie die Bilder zeigen – waren zahlreiche Kölner Bürgerinnen und Bürger – unter diesen auch, einige Kölner Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die unmittelbar  nach der Festsetzung von Doğan Akhanlɩ in Spanien eine Prostest-Petition verfassten, die heute bereits mehr als 50.000 Unterzeichner*innen gefunden hat.

Den Wortlaut der Petition gebe ich nachfolgend gerne zur Kenntnis – nachzulesen und bei Zustimmung ggf.  zu unterzeichnen ist die Petition unter change.org hier.

Wir, die Kölner Schriftstellerinnen und Schriftsteller, sind fassungslos und entsetzt, dass unser Kollege Doğan Akhanlɩ in Spanien auf Betreiben der türkischen Regierung festgehalten wird. Genau wie er hätten wir uns noch vor wenigen Tagen nicht vorstellen können, in einem europäischen Land verhaftet zu werden, weil die türkische Regierung eine Institution wie Interpol für ihre politischen Zwecke missbraucht. Dieses Vorgehen erinnert uns fatal an die Art und Weise, wie Diktaturen schon immer ihre Gegner auch außerhalb des eigenen Territoriums verfolgt haben.

Wir vertrauen auf die spanische Justiz und darauf, dass sie das türkische Auslieferungsbegehren mit einem klaren Nein beantwortet. Wir erwarten, dass alle europäischen Länder gemeinsam die rechtsstaatlichen Prinzipien verteidigen und der Türkei die Rote Karte zeigen.

Wir möchten, dass Autoren und Journalisten, Künstler, Kabarettisten, Film‐ und Theatermacher auch in Zukunft unbesorgt ins europäische Ausland reisen können, ohne befürchten zu müssen, dass man sie verhaftet, weil sie in der Türkei als Regimegegner gelten.

Doğan Akhanlɩ schätzen wir als klugen Kopf, als kritischen Denker, als freundlichen und liebenswürdigen Menschen, Kollegen und Freund. Der Gedanke, dass er an ein Land ausgeliefert werden könnte, das sich immer weiter von einem Rechtsstaat entfernt, ist für uns unerträglich. Deshalb appellieren wir an alle Verantwortlichen, alles dafür zu tun, dass Doğan Akhanlɩ bald wieder nach Deutschland zurückkehren kann und dass alle haltlosen Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen werden. Unsererseits werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um ihn zu unterstützen.

Alle Fotos: Wolfgang Schiffer

 

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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5 Antworten zu Freiheit für Doğan Akhanlɩ

  1. versspielerin schreibt:

    es ist so gut, dass sich so viele menschen hierfür einsetzen.
    danke, auch für den link zur petition!

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