Lyrik funkt!

Auch Satelliten müssen einmal landen…

Wie in meinem Beitrag Umlaufbahnen zum Lyrik-Festival Satelliten angemerkt, sollte dieses gestern nach mehreren Auftritten einzelner Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den verschiedensten Orten in der Kölner Südstadt seinen Abschluss in einem zweiten Abend im Alten Pfandhaus finden, an dem – in der dortigen ehemaligen Versteigerungshalle – einmal mehr die Dichtung auf andere Künste traf und mit ihnen in einen, da manchmal mit einem gehörigen Anteil an Improvisation, oftmals überraschenden Dialog trat. In einen Dialog, der gerade dann die Stärken von beidem deutlich werden ließ – vom Wort wie von der Musik, dem Gesang, dem Tanz.

Gerne will ich auch heute wieder mit ein paar Bildern (die allerdings meine mangelnden fotografischen Fähigkeiten vor allem in dunklen Räumen nicht verhehlen können) versuchen, einen Eindruck von diesem weitgehend überzeugenden Abend zu vermitteln – die kleine Einschränkung erfolgt deshalb, weil mir neben dem kreativen Heutigen, dem Neuen, das alle künstlerischen Konstellationen im Aufeinandertreffen wagten, ein Auftritt ein wenig retrohaft anmutete: die Begegnung der Lyrikerin Swantje Lichtenstein mit dem elektronischen Musikarrangement von Jono Podmore, Professor für Popularmusik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Aber erstens ist derlei ja auch Geschmacksache – und zweitens hat es dem Gesamten in seiner kaleidoskopischen Qualität nichts genommen.

Das Programm:

Die vielfach gepriesene Ulrike Almut Sandig (in der Abbildung 2. von rechts), derzeit als Poetin in Residence an der Hochschule für Musik und Tanz, gab zusammen mit Studierenden der Kompositions-, Gesangs- und Klavierklassen einen Einblick in ihre Werkstatt, bei der sie u. a. neue Wege des Kunstlieds beschreitet.

Der Lyriker Christoph Wenzel traf auf Elektro Hafiz (er war am Vortag schon Ron Winklers „Partner“) und beide zusammen auf die Tänzerin und Choreographin Bahar Gökten, die Texte und Musik auf überzeugende Weise in Bewegung überführte, ihnen einen Körper gab.

Ein Klangbild der besonderen Art erzeugten Swantje Lichtenstein zusammen mit Jono Podmore.

Äußerst intensiv, selbst für den zuschauenden Zuhörer geradezu physisch spürbar, wurde es dann zum Schluss, als Martin Piekar im Dialog mit der Puppenspielerin Magda Lena Schlott Texte aus seinem Gedichtband Bastardecho vortrug – mal sitzend, mal gehend, mal liegend. Sie stehen in Kapiteln, die Titel haben wie eben Bastard, Brutalismus oder Zombiewalk in Tabubezirken, aber auch Bedürfnis nach dir und Kirschblüte. Zusammen mit den kongenialen Korrespondenz-Aktivitäten der auch performenden Magda Lena Schlott war dieser Auftritt ein Ereignis erster Güte.

Überhaupt: das Kölner Lyrik-Festival Satelliten, kuratiert von den Dichtern und Verlegern Christoph Danne und Dinçer Güçyeter und – mit der Unterstützung einiger privater und institutioneller Förderer, nicht zuletzt der Kunststiftung NRW, der Sparkasse KölnBonn und der Stadt Köln selbst – veranstaltet vom Literaturhaus Köln, hat wirklich gezeigt, dass Lyrik funken kann und dass sie dies auch tut! Man muss ihr nur die richtigen Voraussetzungen dafür schaffen.

Das ist hier in bester Weise geschehen! Eine Fortsetzung ist dringend geboten!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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6 Antworten zu Lyrik funkt!

  1. Sigrún Valbergsdóttir schreibt:

    Es lebe die Lyrik! Das klingt soooo spannend! Ein Event der einen weiteren Anlass zum Besuch nach Köln gibt. Findet das Fest jedes Jahr statt?

    • schifferw schreibt:

      Wir hoffen sehr, liebe Sigrún – sehr! Es ist natürlich leider immer auch eine Frage der Finanzierung, aber dieses erste Mal war derart überzeugend, dass sich zweifellos wieder die nötigen Förderer finden werden!

  2. finbarsgift schreibt:

    Kommt wie eine seeehr interessante Begegnung von Lyrik und Musik rüber, lieber Wolfgang, dankeschön fürs bildliche und verbale Präsentieren!
    Liebe Grüße
    vom Lu

  3. danserlif schreibt:

    Ein schöner Beitrag, der auf alle Fälle Lust darauf macht, auch mal mit dabei zu sein. Und wenn dann noch Tänzer als kongeniale „Wortbeweger“ mit dabei sind 😉

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