Island – eine Vorfreude

Fünf Künstlerinnen und Künstler und ein Sehnsuchtsort

Der Titel der aktuellen Ausstellung, in der die Galerie Judith Dielämmer  in Grevenbroich noch bis zum 19. Mai 2017 in verschiedenen Techniken – als digitale Fotografie, als Zeichnung, als in Mischtechnik oder Acryl gemaltes Bild und mehr – Werke zu Island präsentiert, lässt schon vermuten, dass Weiteres, womöglich sogar noch Größeres folgen soll.

In der Tat planen die Künstlerinnen und Künstler, die hier mit einem Graffiti, das die Umrisse und die Farben der Insel im äußeren Nordwesten Europas zeigt, zum Beschauen ihrer Arbeiten einladen, bereits für das nächste Jahr eine mehrere Orte und Ausstellungstätten in der Region umfassende Kunstaktion, mit der sie die Wahrnehmung ihrer durch die Erfahrung Islands inspirierten Kunst und damit auch die der Beschaffenheit und Atmosphäre des Landes selbst intensivieren wollen.

Einen kraftvollen Eindruck hiervon leistet schon, was derzeit in der Galerie zu sehen ist – in der Malerei von Janne Gronen, den Fotoarbeiten von Uwe Dressler und Gudrun Lintz, in Margret Schopkas Objekten und fine art Drucken ihrer Arbeiten in situ mit Sand und den Zeichnungen und Acryl-Gemälden meines isländischen Malerfreundes Jón Thor Gíslason.

Die folgenden Fotos von der Ausstellung mögen hiervon beispielhaft einen ersten Eindruck geben.

Uwe Dressler: Island, Foto auf Aludibond hinter Acrylglas (l.), Jón Thor Gíslason: Mädchen mit Hintergrund, Acryl auf Leinwand, 2017

Margret Schopka: Intarsie, fine art print auf Bütten, Arbeiten in situ mit Sand in Island, 2014 (l.)

Janne Gronen: o.T., Mischtechnik und Acryl / Leinwand (l.), Gudrun Lintz: Island, digitale fotografie, fineart print auf alu dibond und Harpa, digitale fotografie fineart print auf forex kaschiert (r.)

Jón Thor Gíslason: O.T., Bleistift auf Papier, 2016

Im Rahmen einer kleinen Matinee hatte ich die Ehre und Freude, in der Ausstellung Island – eine Vorfreude ein wenig über isländische Literatur, vor allem über die Lyrik des Landes erzählen zu dürfen und auch einige Gedichte zu lesen, deren Übertragungen in den letzten Jahren zunehmend in Zusammenarbeit mit meinem Freund Jón Thor Gíslason entstanden sind.

Das Original des folgenden Gedichts, dessen deutschsprachige Fassung Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit ist, stammt von dem isländischen Lyriker Steinn Steinarr (1908 – 1958), einem Erneuerer der traditionell sehr formstrengen  isländischen Poesie. Entnommen ist es meiner kleinen Anthologie Am Meer und anderswo (Silver Horse Edition, 2015).

Sommer am Meer

Das sommerweiße Licht
und das summende Rauschen
sind meine Geschwister.

Ich saß und lauschte
und das Meer kam zu mir
in Gestalt einer blonden Frau.

Ich sah die Nacht sich nähern
und meine Hand schlief,
während mein Herz wachte.

Und sie, die ich liebte,
lachte und sprach:

Mich gibt es nicht!

Ich muss es sagen: Unsere Zusammenarbeit ist eine große Freude – und das wäre uns wohl auch schon genug. Aber nun kommen mehr und mehr auch noch die kleinen sprichwörtlichen „Sahnehäuptchen“  dazu. So freuen wir uns zum Beispiel bereits jetzt auf die zweisprachige Veröffentlichung unserer gemeinsamen Übersetzung des Gedichtbandes Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können von Ragnar Helgi Ólafsson im Herbst dieses Jahres im Nettetaler Elif Verlag  – und mindestens genau so sehr auf eine Arbeit, die vor uns liegt: die Übersetzung von Gedichten einer  der gewichtigsten Stimmen unter den Lyrikpublikationen Islands der letzten Jahre – die Übersetzung des Gedichtbands frelsi / freiheit von Linda Vilhjálmsdóttir.

Mehr will ich hierzu derzeit noch nicht sagen – nur soviel: mit diesem Gedichtband ist Linda Vilhjálmsdóttir u. a. für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert – aber gewiss im nächsten Jahr, wenn sich auch in der Galerie Judith Dielämmer die jetzige, schon so eindrucksvolle Island-Vorfreude noch einmal steigert zu einem großen Island-Fest.

Ach, und noch eins: Diese wunderbare Herausforderung einer weiteren Übersetzung (und der Versuch an einer eigenen Arbeit, zu der sich mehr und mehr Details zu einem Ganzen zu fügen scheinen…) wird nicht ohne Folgen blieben. Es wird stiller werden hier in meinen „Wortspielen“, noch stiller als in den letzten Wochen bereits ohnehin. Ich weiß, es wird mir von Euch und Ihnen nachgesehen! Danke dafür!

Blick von außen ins Innere der Galerie

 

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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