„Das Harte, Eisige, das nur ich bin“

Barbara Beuys´ Biografie über „die Malerin aus Finnland“

Helene Schjerfbeck

Vorab: ich habe die jüngste Biografie der mit Arbeiten über Paula Modersohn-Becker oder Sophie Scholl bestens ausgewiesenen Autorin Barbara Beuys über die finnische Malerin Helene Schjerfbeck noch nicht gelesen – eine schöne Koinzidenz jedoch lässt das Buch auf meiner Leseliste nun ganz weit oben stehen.

helene-schjerfbeckAufmerksam geworden bin ich darauf durch eine Rezension von Verena Auffermann in der ZEIT vom 8. Dezember, und das auch erst vor wenigen Tagen – da stieß ich beim planlosen Sortieren von Zeitungsauschnitten und Ähnlichem, einer Tätigkeit, mit der ich nach der längeren Auszeit über den Jahreswechsel hinweg bereits seit einer Weile recht vergeblich versuche, wieder in einen halbwegs gewohnten Lese- und Schreibrhythmus zu gelangen, auf die hier wie dort als Überschrift zitierte Zeile: „Das Harte, Eisige, das ich bin“. Merkwürdig dachte ich sogleich: das „Harte, Eisige…“ hätte mir bei meiner ja unverhohlenen Neugier auf Lebensweisen und Kulturen in eher kälteren Regionen doch schon bei der Lektüre der Zeitung vor einem Monat sofort ins Auge springen müssen, aber aus irgendeinem Grunde (hatte das derzeitige Gefühl von Müdigkeit, Leere, Unlust vielleicht unbemerkt bereits viel früher eingesetzt?) war es dies nicht.

Umso verblüffter war ich, als ich nun auch noch den Namen der Malerin las, der die Biografie galt – Helene Schjerfbeck – und das aus einem sehr einfachen Grund. Ich hatte bei meinem kurzen Finnland-Abstecher in der 2. Dezemberhälfte gerade erst eine größere Auswahl ihrer Werke gesehen. Ein denkwürdiger Zufall, so wollte mir scheinen!

Blick auf die vereiste Bucht vor der Insel Kuusisaari / Helsinki © Wolfgang Schiffer

Blick auf die vereiste Bucht vor der Insel Kuusisaari / Helsinki © Wolfgang Schiffer

Verena Auffermann schreibt über die Malerin, die 1862 in Helsinki geboren wurde und 1946 im schwedischen Saltsjöbaden starb:

Ganz unbekannt ist Helene Schjerfbeck (…) in Deutschland nicht. Angesichts ihrer künstlerischen Grandezza, einzuordnen zwischen Paula Modersohn-Becker und der 1953 in Kapstadt geborenen Marlene Dumas, sollte sie aber noch viel bekannter sein.

Nun, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich zu denen gehöre, die die Künstlerin, die in Skandinavien als eine der bedeutendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts gefeiert wird, nicht gekannt haben, und ich wäre ihrem Werk, zumindest bewusst, wohl auch nicht begegnet, hätte mein in Finnland lebender Freund mich und eine weitere gute Freundin nicht auf die Insel Kuusisaari gefahren, wo die Villa Gyllenberg steht, eines der angesehensten privaten Museen Finnlands. Es gehört der Stiftung Signe und Ane Gyllenberg, letzterer in seiner Zeit ein erfolgreichen Bankier und geachteter Kunstsammler, und befindet sich in dem ehemaligen Zuhause des Ehepaars.

Der an die Villa Gyllenberg angebaute Galerie- und Veranstaltungsraum © Wolfgang Schiffer

Der an die Villa Gyllenberg angebaute Galerie- und Veranstaltungsraum © Wolfgang Schiffer

Die Kunstsammlung von Ane Gyllenberg, dessen  nun durch die Stiftung realisierter Wunsch es war, diese auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen,  umfasst mehr als 250 moderne Kunstwerke vor allem finnischer, aber auch einiger internationaler Künstler sowie einige Meisterwerke von Tizian, Tintoretto und Tirarini aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Vor allem aber enthält sie die größte Schjerfbeck-Sammlung, die es in Privatbesitz gibt – mehr als dreißig Werke der Künstlerin, deren Bedeutung Ane Gyllenberg sehr früh erkannt und ihn zu einem ihrer ersten Sammler gemacht hatte.

Ich war so gebannt vom Anschauen dieser Bilder, vor allem der zahlreichen Selbstporträts, die sie nicht zuletzt wegen fehlender finanzieller Mittel für Modelle angefertigt hat, dass ich nicht einmal daran gedacht habe, das eine oder andere Foto von den ausgestellten Werken zu machen. So füge ich denn hier nur einen Screenshot der Webseite des Museums mit der Darstellung des Galerieraums, in dem Helene Schjerfbecks Bilder hängen, ein  sowie das Foto eines Mitbringsels – eines Brillenputztuchs mit einem ihrer Selbstporträts – und die Abbildung einer 2-Euro-Münze mit ihrem Porträt, die Finnland 2012 anlässlich ihres 150. Geburtstags geprägt hat.

Letztere mag belegen, wie groß die Wertschätzung dieser Malerin in ihrem Lande ist.

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Und nun heißt es bald: lesen!

Helene Schjerfbeck. Die Malerin aus Finnland von Barbara Beuys ist laut Verena Auffermann nicht nur eine überzeugende Künstlerbiografie – wie von einer Historikerin und Kunsthistorikern kaum anders zu erwarten, sagt diese auch sehr viel über die Nationalgeschichte des Landes und porträtiert, ich zitiere: ein dünn besiedeltes Land vor, zwischen und während zweier Weltkriege, das 400 Jahre zum Königreich Schweden gehörte und von 1809 bis zur staatlichen Unabhängigkeit 1917 als Großfürstentum Finnland Teil des russischen Zarenreichs war.

Das lässt meine Erwartung auf die Lektüre nur noch steigen! Und meinen Wunsch, weitere Gemälde von Helen Schjerfbeck im Original zu sehen! Vielleicht wieder in Helsinki, zum Beispiel im dortigen Ateneum Art Museum vielleicht? Wer weiß!

Foto: Wolfgang Schiffer

Foto: Wolfgang Schiffer

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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8 Antworten zu „Das Harte, Eisige, das nur ich bin“

  1. Constanze Matthes schreibt:

    Die Biografie kann ich ebenfalls sehr empfehlen, erzählt sie nicht nur von der Malerin und ihrer bewunderwerten Person und Stärke, sondern auch von ihrem Heimatland, das einst zu Schweden sowie Russland zählte, um schließlich selbstständig zu werden und einen Stolz zu entwickeln. Viele Grüße
    https://zeichenundzeiten.com/2016/10/31/barbara-beuys-helene-schjerfbeck/

  2. petraelsner schreibt:

    “Das Harte, Eisige, das ich bin” – wäre mir auch ins Auge gestochen – der Dauerkampf…

  3. kutabu schreibt:

    Das Buch kommt auch auf meine Leseliste! In Hamburg wurden wir mit den Gemälden von Helene Schjerbeck durch eine große und großartige Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle 2007 verwöhnt – spätestens seitdem bin auch ich begeistert von ihrem Werk. Danke für den Tipp!

    • schifferw schreibt:

      Inzwischen habe auch ich von dieser Ausstellung gehört… Bin „neidisch“! Liebe Grüße, Wolfgang

      • kutabu schreibt:

        Aber wer war gerade in Finnland, „an der Quelle“ sozusagen?
        Nicht neidisch sein, ich könnte das auch werden… 😉
        Liebe Grüße Eva

  4. Pingback: Lebensauftrag – Barbara Beuys „Helene Schjerfbeck“ | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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