Eine Chronistin von Gegenwart und Vergangenheit

Margot Overath erhält den Axel-Eggebrecht-Preis

Axel-Eggebrecht-Preis

Pardon, Monsieur Bannalec, oder wie Sie heißen mögen, auf meine versprochenen Zeilen zu ihrem jüngsten Kriminalroman Bretonische Flut müssen Sie und die Leserinnen und Leser der „Wortspiele“ noch ein wenig gewarten, denn zuvor will ich aus Gründen der Aktualität schnell noch dieses „Rauchzeichen“ senden – und danach gehört das Wochenende erst einmal den Feierlichkeiten zum zwanzigjährigen Jubiläum des Literaturhauses Köln und – den Enkelkindern.

Bei einer Feierlichkeit zugegen war ich diese Woche bereits einmal: Am vergangenen Dienstag fand in Leipzig das jährliche Sommerfest der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig statt, zu dem sich stets viele Menschen aus Gesellschaft, Politik und Kultur zum geselligen Beisamensein und lockeren Gesprächen einfinden – bei dem nun zum zweiten Mal aber auch feierlich einer der gewichtigen Leipziger Radiopreise überreicht wurde, die die Medienstiftung im jährlichen Wechsel verleiht: den Günter-Eich-Preis für die Radiokunst des Hörspiels und den Axel-Eggebrecht-Preis für die Königsklasse des Journalismus, das Radio-Feature. Hierbei werden die Auszeichnungen nicht für eine Einzelsendung vergeben, sondern stets für ein außergewöhnliches Gesamtwerk.

Nach der letztjährigen Verleihung des Günter-Eich-Preises an Ror Wolf (der aus gesundheitlichen Gründen leider nicht persönlich teilnehmen konnte), galt der feierliche Akt in diesem Jahr dem Axel-Eggebrecht-Preis, benannt nach dem großen Radio-Feature-Pionier und Mitbegründer des Nordwestdeutschen Rundfunks.

Gefallen war die Wahl der fünfköpfigen Jury unter Vorsitz von Professor Richard Goll aus Österreich auf die 1947 in Krefeld geborene Margot Overath; die für Fernsehen, aber vor allem für das Radio tätige Autorin war bei der Preisverleihung zugegen und sichtlich erfreut über die Ehrung, die ihr zuteilwurde.

Die Übergabe des Axel-Eggebrecht-Preises an Margot Overath. v.l.n.r.: Thomas Bille (Moderator), Dr. Harald Langenfeld (Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig), die Preisträgerin, Prof. Richard Goll (Juryvorsitzender), Stephan Seeger (Stiftungsdirektor)

Die Übergabe des Axel-Eggebrecht-Preises an Margot Overath. v.l.n.r.: Thomas Bille (Moderator), Dr. Harald Langenfeld (Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig), die Preisträgerin, Prof. Richard Goll (Juryvorsitzender), Stephan Seeger (Stiftungsdirektor)

Seit 1984 hat Margot Overath mehr als 40 Radio-Features für verschiedene Rundfunkanstalten der ARD recherchiert, konzipiert und geschrieben. Dieses Werk, aus dem Einzelsendungen bereits häufiger mit Preisen ausgezeichnet wurden, umfasst in seinen zeitgenössischen ebenso wie historischen Analysen unter anderem die Dokumentation eines Psychiatrie-Irrtums, Berichte über Abschiebehaft, Kinderarmut, Zwangsheirat, eine intensive Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus in Deutschland – ein Fall, der die Preisträgerin jedoch besonders nachhaltig beschäftigt, sind die Todesumstände von Oury Jalloh, jenem Asylbewerber aus Sierra Leone, der im Januar 2005 in einer Zelle des Dessauer Gefängnisses verbrannt ist – und sich, wiewohl an Händen und Füßen fixiert, laut Staatsanwaltschaft selbst angezündet haben soll.

In zwei Radio-Features bereits hat Margot Overath die Widersprüche bei den Ermittlungen und die Fehler der Staatsanwaltschaft bei der Untersuchung des Feuertods aufgedeckt – und das mit einer für die Staatsmacht offensichtlich entlarvenden Hartnäckigkeit, dass einer ihrer Vertreter am Ende gar gedroht hat, ihr Aufnahmegerät zu beschlagnahmen.

Margot Overath bei ihrer Dankesrede

Margot Overath bei ihrer Dankesrede

In der Begründung zur Preisvergabe an Margot Overath heißt es unter anderem, dass die starke Persönlichkeit der Autorin als gestaltender Intellekt immer spürbar sei, ohne aber die Themen zu überschatten oder zu dominieren – zudem sei ihre Sprache radiogerecht: kurz, prägnant, die Erzählung vorantreibend.

Der Axel-Eggebrecht-Preis ist mit 10.000,00 € dotiert. Ebenso wie über das Preisgeld wird sich die Autorin aber wohl auch über Stimmen von Arbeitskollegen zur Verleihung des Preises freuen.

So schreibt Wolfgang Bauerfeind, ehemaliger Radio-Feature-Chef im RBB u.a.:

Wer ihr Werk kennt, wird sie zu den Großen des Features rechnen müssen. Beeindruckend die Themenvielfalt und ihre mutige Themensetzung. Bester investigativer Radiojournalismus mit klugem Einsatz der Mittel des Mediums.

Und Thomas Nachtigall, Feature-Redakteur des WDR, sagt:

Gerechtigkeitsstreben bei unbedingter Wahrheitsliebe; Offenheit trotz Unbeirrbarkeit; Schonungslosigkeit, gelegentlich auch gegen sich selbst, gepaart mit der nötigen Kraft, Zumutungen und wechselnden Moden des Medienbetriebs zu widerstehen; das sind Eigenschaften, die ich an Margot Overath schätze.

Ulf Köhler, ihr Redakteur im MDR Feature ergänzt:

Margot Overath besitzt eine unheimliche Kraft, anderen Menschen zuzuhören – eine Eigenschaft, ohne die Radio nicht denkbar ist.

Peter Leonhard Braun schließlich, der vielen nach Axel Eggebrecht als der „Feature-Papst“ der jüngeren Vergangenheit gilt, macht der Preisträgerin ein kaum zu übertreffendes Kompliment:

Sie trägt eine helle Rüstung aus Mut und Glauben an Gerechtigkeit, für mich ist sie die Jeanne d´Arc des deutschen Features.

Auch von dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch, Margaret Overath!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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