Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (47)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Islands rote Berge © Wolfgang Schiffer

Islands rote Berge © Wolfgang Schiffer

Es geht voran – und das in zweierlei Hinsicht.

Zum einen ist mein heutiges „Rauchzeichen“ das erste, bei dem nach langer Zeit meine rechte Hand wieder zum Einsatz gekommen ist, zwar sehr zaghaft noch und unter Aussparung des Zeigefingers, doch ein wenig schneller als zuvor und sicherer, vor allem im Umgang mit der Maus, ging die Erstellung des kurzen Beitrags dann doch vonstatten!

Zum anderen hat die gemeinsame Übersetzungsarbeit mit meinem isländischen Freund Jón Thor Gíslason in der Zwischenzeit so richtig Fahrt aufgenommen, so dass ich nach einem Gedicht von Ragnar Helgi Ólafsson auf der letzten Station meiner Streifzüge durch die isländische Poesie der Moderne heute ein weiteres folgen lassen kann. Zwar ist darin von einem Albtraum die Rede, eine Verknüpfung mit dem Ausscheiden des isländischen Fußballteams im Viertelfinale der Europameisterschaft verbietet sich allerdings: was die isländischen Spieler während dieser EM geleistet und dem Publikum weltweit an sportlicher Leidenschaft geboten haben, war wahrlich kein Albtraum und auch weit mehr als nur ein schöner Traum – es war Wirklichkeit!

Islands blaue See © Wolfgang Schiffer

Islands blaue See © Wolfgang Schiffer

„RÉTTA BLANDAN“

Reynslan hefur kennt mér að
það að blanda saman draumi
og veruleika er eina
vitið
fyrir þann sem vill
missa
vitið.

Því maður velur víst
ekki
drauminn sem maður blandar
veruleikanum.

Og martraðir eru
sannarlega
af tagi
drauma.

„DIE RICHTIGE MISCHUNG“

Die Erfahrung hat mich gelehrt dass
die Mischung von Traum und
Wirklichkeit das einzige
von Verstand
ist für den der
den Verstand
verlieren will.

Denn man sucht sich ja
den Traum nicht
aus mit dem man die
Wirklichkeit mischt.

Und Albträume sind
wahrlich
von der Art der
Träume.

Ragnar Helgi Ólafsson wurde 1971 in Reykjavik geboren, er studierte an der Universität von Island Philosophie und im Anschluss Kunst an der Kunsthochschule in Aix en Provence, Frankreich. Heute lebt er wiederum in Island, er arbeitet international erfolgreich als bildender Künstler und Grafikdesigner, außerdem als Verleger und, wir hier zu sehen, als Autor.

Das Buch Til hughreystingar þeim sem finna sig ekki í samtíma sínum / Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart selbst nicht finden können, dem das heutige Gedicht entnommen ist, ist nach einem Roman und einer Sammlung mit Kurzgeschichten sein erster Gedichtband. Er erschien 2015 und ist sogleich mit einem Poesie-Preis ausgezeichnet worden, benannt nach dem bedeutenden isländischen Klassiker der Dichtkunst Tómas Guðmundsson.

Zum Abschluss nun noch eine für den Autor sowie für Jón Thor Gíslason und mich sehr erfreuliche Nachricht: Ragnar Helgis Gedichtband wird in 2017 vollständig in deutscher Übertragung als Buch erscheinen – und zwar in dem auf Poesie „spezialisierten“ Elif Verlag in Nettetal.

Wir freuen uns auf diese Zusammenarbeit!

Islands rote Frachter © Wolfgang Schiffer

Islands rote Frachter © Wolfgang Schiffer

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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13 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (47)

  1. versspielerin schreibt:

    schön, hier wieder von dir zu lesen.
    und wie sehr habe ich mich bei der EM mit und für island gefreut 🙂
    dir weiterhin gute genesung und – auf die richtige mischung von wirklichkeit und traum!
    liebe grüße!

  2. sugar4all schreibt:

    Wie schön dieser Beitrag….rundet Island bei dieser EM noch zusätzlich ab ❤ !!

  3. Martina Ramsauer schreibt:

    Dieses Island und die Isländer möchte ich wirklich besser kennenlernen! Danke für diese Einführung. Cari saluti

  4. herbstblatt101 schreibt:

    Das Rauchzeichen ist ebenfalls eine „Mischung von Traum und Wirklichkeit“. Zumindest, wenn man auf Facebook deine verschraubte Hand gesehen hat. Lieber Wolfgang, ich hoffe natürlich dass die Tage der Enthaltsamkeit bald vorüber sind, und du wieder auf deine Tastatur hämmern kannst. Ohne ein Häppchen Lyrik geh ich abends nie ins Bett. Nie ist übertrieben, aber ein Gedichtband liegt fast immer auf meinem Nachttisch bereit. Deshalb sag ich danke für diese schöne Kostprobe und für die Verlinkung zum Elif Verlag.

    Liebste Grüße,
    Tanja

  5. flattersatz schreibt:

    als ich dein bild von den roten bergen kommen wir sah, dachte ich spontan, der wolfgang geht fremd… auf lanzarote gibt es (bis auf das wasser….) ganz ähnliche motive…. schönes bild!

    liebe grüße
    gerd

    • schifferw schreibt:

      Ich weiß, lieber Gerd – war aber noch nie da! Fürchte, es wäre dort ein wenig zu warm für mich! Gute Grüße, Wolfgang

  6. Das klingt doch alles sehr positiv. Eine genesende Hand, ein tolles Fußballerlebnis und ein neuer übersetzter Gedichtband. Weiter so und viel Freude bei der Arbeit.

  7. Pingback: Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (48) | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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