It has to change!

Zur Abwechslung: eine Ausstellung in der Galerie Splettstößer im Alten Rathaus Kaarst

Vier Zeichnungen von Jón Thor Gíslason – im Gegenlicht

Vier Zeichnungen von Jón Thor Gíslason – im Gegenlicht

Das Gebot, an Sonntagen nicht zu arbeiten (gegen das ich gerne und immer wieder aufs freudigste verstoße) hat mich gestern einer Einladung zu einer Ausstellungseröffnung in Kaarst bei Neuss folgen lassen. Bereits früher war ich einmal bei Splettstößer, in dieser engagierten Galerie in der Region, zu deren „Haus-Künstlern“ auch Jón Thor Gíslason zählt, mein isländischer Malerfreund, mit dem gemeinsam ich auch schon Gedichte einiger isländischer Lyriker ins Deutsche übertragen habe und derzeit gerade wieder übertrage.

Auch diesmal gilt zumindest die Hälfte der Ausstellung ihm – unter dem bei Marcel Duchamp entliehenen Motto it has to change stellen er und der bildende Künstler Michael Kortländer neuere und gänzlich neue Arbeiten vor.

Die Künstler Jón Thor Gíslason (l.) und Michael Kortländer vor ihren Arbeiten

Die Künstler Jón Thor Gíslason (l.) und Michael Kortländer vor ihren Arbeiten

Selbst wenn Jón Thor und ich nicht derart eng befreundet wären, müsste ich sagen, dass ich auch von seinen neuen Arbeiten, die ich bislang noch nicht hatte sehen können, wieder einmal äußert angetan bin. Der Strich seiner Zeichnungen fasziniert einfach – und wenn er dieses so unangestrengt scheinende Können in seine großen Acryl-Formate auf Leinwand überträgt, ergeben sich im Zusammenspiel von Motiv, Strich, Farbe und Struktur Bilder von ebenso starker wie schwingender Kraft, fordern sie doch bei aller Zurücknahme, ja Verblassung bisweilen, dem Betrachter nicht nur stets eine persönliche Haltung zum Dargestellten ab, sondern halten ihn, so will mir scheinen, geradezu an zu einer Art Selbstvergewisserung. Wo und wie bin ich in dem, was ich sehe? Wer bin eigentlich ich?

Dabei tragen seine Bilder höchst poetische Titel wie Green Shoes oder direkt Nichts als Poesie

„Nichts als Poesie“ (l.) und „Green Shoes“, jeweils Ausschnitte

„Nichts als Poesie“ (l.) und „Green Shoes“, jeweils Ausschnitte

Flying (für Henry Miller) oder Madame

„Flying (für Henry Miller)“ und „Madame“, jeweils Ausschnitte, im Rücken des Betrachters

„Flying (für Henry Miller)“ und „Madame“, jeweils Ausschnitte, im Rücken des Betrachters

…und – ich konnte mich kaum davon lösen – Weißer Morgen.

„Weißer Morgen“, Ausschnitt

„Weißer Morgen“, Ausschnitt

Schön war für mich auch zu sehen, wie organisch seine Arbeiten in ihrer Gegensätzlichkeit mit den Skulpturen von Michael Kortländer „zusammen“ gehen. Diese aus Karton gefertigten, in Leim getränkten und in ihrer Naturfarbe belassenen Werke kommen wie variable Teile archaischer Grundformen daher und bilden in ihren industriellen Zuschnitten beinahe schon komplementäre Dekors zu einer Ornamentik, wie sie sich in manchen Gemälden Jón Thor Gíslasons als Hintergrund zeigt.

Das Vernissage-Publikum ist von Beginn an interessiert...

Das Vernissage-Publikum ist von Beginn an interessiert…

Zu sehen ist die Ausstellung it has to change von Jón Thor Gíslason und Michael Kortländer in der Galerie Splettstößer noch bis zum 19. März 2016 – ich kann sie allen im Umfeld ihres Standorts nur herzlichst empfehlen und füge gerne noch eine Skizze bei, die Auskunft gibt über Adresse, Öffnungszeiten und Lage.
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Eine kleine Erinnerung sei noch erlaubt: Der Künstler Jón Thor Gíslason hat seinerzeit auch meine kleine Poesie-Broschur Die Saison geht zu Ende, als Mitlesebuch 120 im Aphaia Verlag erschienen, mit eigens dazu geschaffenen Zeichnungen illustrierend ergänzt.

Ihm hierfür nochmals Dank!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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2 Antworten zu It has to change!

  1. Was für ein schöner Artikel über die aktuelle Ausstellung bei mir in der Galerie! Danke!

    • schifferw schreibt:

      Liebe Frau Spettstößer, es ist leicht, einen „schönen Artikel“ über eine schöne Ausstellung zu schreiben! Danke fürs Aufmerken!

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