„Qualitätskontrolle“ gewinnt den Deutschen Hörbuchpreis

Vierte Auszeichnung seit der Ursendung im März 2014

Foto: Wolfgang Schiffer

Foto: Wolfgang Schiffer

Selten ist ein Hörspiel mit so vielen Auszeichnungen und Preisen gewürdigt worden wie die Produktion Qualitätskontrolle oder Warum ich die Räuspertaste nicht drücken werde. Dass dies sowohl für das Hörspiel als Radiosendung als auch als Hörbuch geschehen ist, ergibt sich aus dem glücklichen Umstand, dass es mit dem in meinen „Wortspielen“ bereits mehrfach genannten Hörspielpark eine engagierte Autorenplattform gibt, die – anders als beinah alle einschlägigen Hörbuchverlage – qualitativ hochwertige Hörspiele nicht nur dann veröffentlicht und als Download und CD anbietet, wenn sie in Form einer szenischen Bearbeitung einer möglichst bekannten literarischen Vorlage daherkommen, sondern wenn sie explizit als Originale für das akustische Medium entstanden sind.

So erhielt dieses Hörspiel zunächst als Hörspielsendung von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste das Prädikat „Hörspiel des Monats“ verliehen, für seine Fassung als Hörbuch wurde es auf die Bestenliste des Preises der Deutschen Schallplattenkritik gesetzt und als Hörspiel wiederum erhielt es im November vergangenen Jahres gar eine der höchsten Auszeichnungen für Radiokunst überhaupt: den „Deutschen Hörspielpreis der ARD“.

Ohne die jeweiligen Begründungen für die bis dahin erfolgten Auszeichnungen herabsetzen zu wollen (ein großartiges Hörspiel – ein Hörspiel, das unter die Haut geht, zum Weinen wie zum Lachen) – gleichermaßen nachvollziehbar formuliert die unabhängige Jury zu letzterem Preis den Inhalt und die Qualität der prämierten Radioarbeit.

Eine junge Frau, Maria-Cristina Hallwachs aus Stuttgart, fährt – es ist die Belohnung für das bestandene Abitur – mit ihren Eltern in den Urlaub nach Kreta. Sie verunglückt schwerstmöglich, das Genick bricht, aber sie überlebt. Am Leben erhalten sie seither ihre Familie, Pflegekräfte, die sich rund um die Uhr abwechseln, die medizinische Technik – und ihr eigene Lebensenergie.
Nun, gut zwanzig Jahre nach dem Unfall, erzählt sie ihre Geschichte. Das Hörspiel, das dabei entstand, heißt „Qualitätskontrolle oder Warum ich die Räuspertaste nicht drücken werde“, eine Produktion des WDR. Es hat drei Autoren: Maria-Cristina selbst sowie Helgard Haug und Daniel Wetzel, beide Mitglieder der Gruppe Rimini Protokoll, die ihrer innovativen Theater-, Performance- und Hörspielrealisationen wegen berühmt wurde.
Das neue Stück ist ein Triumph der Sprache. Maria-Cristina kann sprechen, weil der Zwerchfellstimulator und die Lungenmaschine es ermöglichen und weil sie es will. Und weil es ein Triumph der Sprache ist, ist es auch einer des Radios. „Qualitätskontrolle“ erzählt vom Nie-allein-sein-Können, von Versehrtheit, Verzweiflung, Not, emphatisch auch vom ethischen Dilemma der modernen Medizin – und wird darüber zu einer großen Eloge auf das Wagnis der Existenz. Eine durch ihre Lakonie beeindruckende Dokumentation und artistisch wie technisch brillante Inszenierung finden zu einer Synthese, die uns ergreift und beglückt.

QUALITAETSKONTROLLE_CD-Symbol

Komplettiert wird die Wertschätzung für diese Arbeit nun noch durch den „Deutschen Hörbuchpreis“ in der Kategorie „Bestes Hörspiel“. Auch hier ist sich die Jury völlig einig: Die überzeugende poetische Stimmen- und Soundcollage ist ein beglückender Diskurs über Menschenwürde, getragen von unbändiger Lebenslust.

Die Möglichkeit zum Vor- resp. Nachhören dieses beglückenden Diskurses bietet der Hörspielpark hier.

Die „Wortspiele“ gratulieren allen am Entstehen und Fertigstellen der Produktion Qualitätskontrolle Beteiligten aufs Herzlichste zu dem verdienten Preisregen.

Letzterer wird übrigens im Rahmen der Verleihung des „Deutschen Hörbuchpreises 2015“ übergeben. Diese findet am 11. März um 20:00 Uhr im WDR Funkhaus in Köln statt – sie ist zugleich der Eröffnungsauftakt der diesjährigen Lit.COLOGNE.

Advertisements

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
Dieser Beitrag wurde unter Hörbuch, Hörspiel, Radio, Wortspiele abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s