Das „Mitlesebuch“ des Aphaia Verlags…

… im Abonnement und handgemachten Schuber

Bei einem "Mitlesebuch" schaut man einem anderen gerne mal über die Schulter...  © Wolfgang Schiffer

Bei einem „Mitlesebuch“ schaut man einem anderen gerne mal über die Schulter… © Wolfgang Schiffer

In meinem seinerzeitigen Eintrag in eigener Sache, „Die Saison geht zu Ende“, habe ich auf die fein gemachten Lyrik-Bändchen, die der Berliner Aphaia Verlag in liebevoller Handarbeit gestaltet und herausgibt, bereits hingewiesen. Natürlich habe ich mir gleich danach die Ausgaben dieser kleinen bibliophilen Edition im Abonnement gesichert – ab Band 101 – und habe seither das Vergnügen, immer wieder mal in den jeweils signierten, oftmals auch verblüffend illustrierten 26 Seiten umfassenden Broschur-Heften (in einer Auflage von in der Regel 50, bei gutem Vertrieb maximal 100 Exemplaren) blättern und lesen zu können.

Kennengelernt habe ich hierbei Gedichte von Lyrikerinnen und Lyrikern, die mir bis dahin unbekannt waren, wie zum Beispiel Tom Bresemann, Elisa Ring, Ljiliana Lalić, aber auch von mehreren, von denen mir andere Arbeiten bereits vorher einmal begegnet sind, u. a. Charlotte Ueckert, Ingo Cesaro und manch weitere…

Selbst auf einem Balkon macht sich der handgefertigte Schuber schön... © Wolfgang Schiffer

Selbst auf einem Balkon macht sich der handgefertigte Schuber schön… © Wolfgang Schiffer

Vor wenigen Tagen erreichte mich nun wieder Post aus dem Verlag und füllte den mit dem Abonnement mitgelieferten Schuber gleich mit drei weiteren „Mitlesebüchern“. Die Nummerierungen – 116, 122 und 131 – ließen mich dabei zwar ein wenig stutzen; schließlich erklärte ich mir die nur bedingt chronologische Reihenfolge aber mit der wohl zeitlich nicht immer einfach zu koordinierenden Zuordnung von Grafiken und Texten, dem subtilen Herstellungsprozess usw. In jedem Fall überwog meine Freude, neben Gedichten der auch als Fotografin tätigen Ingrid Gorr und des Döblin-Stipendium-Trägers Achim Wannicke mit Band 122 auch Texten eines, ich bin geneigt zu sagen, „alten Weggefährten“, zu begegnen, der mir aus dem Blick geraten war: Harald Gröhler.

Harald Gröhler, ehemals in Köln, der Stadt, in der ich immer noch wohne, lebend, hat neben seiner eigenen literarischen Arbeit, die sich in über zehn Veröffentlichungen dokumentiert, stets auch immens viel für die Vermittlung der Literatur anderer getan – hunderte von Literaturveranstaltungen zeugen davon.

Wenn ich hier nun ein Gedicht von ihm aus dem soeben erschienenen Band 122 zitiere, meint dies auch ein kleines „Dankeschön“ für diese seine Leistung.

Ein Minuszeichen

Wasserschöner Regen,
den die Zöllner,
skeptisch wegen
sauren Schwefels
auf die Waage legen.

Die Kiemen und die Fische;
die Frösche
ertrinken jetzt im See.
Worauf warte ich?
Und knapp darüber:
eigensinnig, seltsam, eigen
zieht ein Schwan
hinter seiner Bahn;
langschläfriger Neujahrstag.

Und auch dem Aphaia Verlag gilt ein kleines „Dankeschön“ – ich finde es tröstlich und ermutigend zugleich, dass es angesichts aller Diskussionen um eBook, selfpublishing, Apps und ePup 3 ein solches Engagement für das kleine Papier-Buch und die Buchkunst noch gibt.

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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3 Antworten zu Das „Mitlesebuch“ des Aphaia Verlags…

  1. finbarsgift schreibt:

    …ein Minuszeichen als Pluszeichen — wie schön, danke dafür!

  2. Pingback: Neues zum Mitlesen… | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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