„Mit dieser Welt muss aufgeräumt werden…“

Die Weltkriege und einige ihrer Spuren in der Literatur

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Nach recht langer Zeit habe ich endlich wieder einmal die Gelegenheit gehabt, der zwischenzeitlich bereits oftmals ausgesprochenen Einladung meines Freundes, des Ich sag mal-Bloggers Gunnar Sohn, zur Aufnahme eines neuen Beitrags in unserer gemeinsamen Reihe „Wortspiel-Radio“ zu folgen.

Wortspiel-Radio
Auf seinen Vorschlag hin standen für unser Gespräch zwei Themen im Mittelpunkt: zum einen ein „Vorbericht“ über mein am 14. Juni in WDR 3 zur Sendung vorgesehene Radio-Feature Islands Atomdichter und damit ein Einblick in die einschneidenden Veränderungen, welche die isländische Dichtkunst in Folge des 2. Weltkriegs erfuhr – zum anderen ein (angesichts der Vielzahl der früheren Werke und aktuellen Publikationen natürlich unvollständiger) Blick auf literarische Texte, deren Entstehung dem Schreckensereignis 1. Weltkrieg geschuldet ist.

Neben Verweisen auf Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus, Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque (aktuell in gekürzter Fassung auch als Comic-Adaption erschienen), dem bekannten Gedicht Grodek des an den Gräueln dieses Kriegs zerbrochenen Georg Trakl, auf Jean Echenoz´ 14, Ernst Jüngers immer noch kontrovers diskutiertes Erstlingswerk In Stahlgewittern (von Tom Schilling als eindringliches Memento soeben auch als Hörbuch für den Hörverlag überzeugend eingelesen) und manch andere – stand hierbei der kürzlich in der Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik die horen erschienene Band 254 – August 1914 – im Fokus.

Grundlage für diese außergewöhnliche Sammlung von Erzählungen, literarischen Kommentaren, semi-fiktionalen Briefwechseln und weiteren Textarten. ist ein Aufruf des Netzwerkes der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz an zeitgenössische Autorinnen und Autoren in vielen Ländern Europas, sich der in ihren jeweiligen Städten im Juli und August 1914 erschienenen Presseberichterstattung, aber auch dokumentierter Briefwechsel, Tagebücher usw. zu vergewissern und sich von dem so gefundenen Material in freier Assoziation zu eigenen Texten über die damalige Stimmungslage, über deren „Erzählbarkeit“ aus heutiger Sicht bis hin zu ihren eigenen Erfahrungen und Folgerungen mit und aus dem damaligen Geschehen anregen zu lassen.

23 Autorinnen und Autoren sind dieser Anfrage gefolgt – von Melinda Nadj Abonji, Marcel Beyer, Marjana Gaponenko, Karl-Markus Gauß, A. L. Kennedy über Angela Krauß, Uwe Saeger usw. bis hin zu Ulf Stolterfoht, Ayfer Tunç und Sreten.

August 1914 ist eine wahre Fundgrube – ebenso Erkenntnis vermittelnd wie in ihren verschiedenen Stilen und Genres literarisch beeindruckend.
Auch darf sich niemand wundern, falls ihn – ebenfalls frei assoziierend – manches Zitat darin an heute denken lässt!

Die orientalische Frage hat alles in allem wesentlich durch die Politik Russlands, sein beständiges weiteres Vordringen in Asien und speziell auch durch seine Balkanpolitik einen immer ernsteren Charakter angenommen, der in stetig wachsendem Maße in den Gefahren eines Weltkriegs sich offenbart.

(Das „Hamburger Echo“ am 14. Juli 1914, getitelt „Die russische Sphinx“)

Man sieht, der berühmte „Schwarze Peter“ wurde auch damals bereits gerne recht einseitig ausgeteilt.

Bei Interesse kann das Gespräch in Gänze nachgehört werden – in der Soundcloud eingestellt – von Gunnar Sohn.

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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10 Antworten zu „Mit dieser Welt muss aufgeräumt werden…“

  1. gsohn schreibt:

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

  2. faehrtensuche schreibt:

    Danke für das „Gespräch“! Klasse!

  3. gsohn schreibt:

    War eine kurzweilige Sendung.

  4. finbarsgift schreibt:

    Großartiger Beitrag von dir!

    Viel zu viele absolut großartige Künstler hat allein schon der erste Weltkrieg hinweggerafft…
    hier nenne ich stellvertretend den geliebten August Macke

    und beim zweiten Weltkrieg den Orgelkomponsiten Jehan Alain…
    aber die Liste der verlorengegangenen ist bekanntermaßen lang…

    Scheisskriege!

    Viele Grüße
    Finbar

  5. schifferw schreibt:

    Ja – Scheißkriege! Danke!

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