Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (22)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Das Rathaus in Reykjavík © Wolfgang Schiffer

Das Rathaus in Reykjavík © Wolfgang Schiffer

Es ist wieder einmal Zeit für ein „Rauchzeichen“ zur isländischen Dichtkunst. Heute stammt es von Steinunn Sigurðardóttir, einer Schriftstellerin, die ich anlässlich ihres aktuell ins Deutsche übertragenen Romans Jojo bereits ein wenig vorgestellt habe. Erwähnt habe ich dabei auch ihren 2011 im Buchkunstverlag Kleinheinrich erschienenen Gedichtband Stjörnuryk á fingurgómum / Sternenstaub auf den Fingerkuppen, dem auch das folgende, von Gert Kreutzer übersetzte Gedicht entnommen ist.

Trotz ihrer inzwischen über 10 veröffentlichten Romane ist Steinunn vom Anfang ihrer schriftstellerischen Karriere her Lyrikern. Bereits ein Jahr nach ihrem Abitur veröffentlichte die gerade einmal Neuzehnjährige 1969 ihren ersten Gedichtband Sífellur /Immerlinge, für den sie in ihrem Land sofort mit großer Aufmerksamkeit bedacht wurde. Noch während ihres Studiums der Psychologie und Philosophie in Dublin in Irland, das sie 1972 als Bachelor of Arts abschloss, erschien dann 1971 ein weiterer Gedichtband, Þar og Þá / Dort und Damals, gefolgt 1979 von der Lyriksammlung Verksummerki / Spuren. Und trotz ihrer außerordentlichen Erfolge auch als Romanautorin ist sie mit manch weiteren Gedichtbänden diesem Genre bis heute „treu geblieben“…

Blick aus der Harpa, der Konzert- und Kongresshalle in Reykjavík © Wolfgang Schiffer

Blick aus der Harpa, der Konzert- und Kongresshalle in Reykjavík © Wolfgang Schiffer

Aðalatriðaljóðið

Aðalatriði málsins er aldrei sjálft aðalatriðið
heldur aukaatriðið sem á undan fer.

Þannig er fordrykkur máltíðinni ljúfari og þýðingarmeiri
eins og aðfarakossinn ástarleiknum sjálfum –

og lífið yfirskyggir dauðan
þótt það sé bæði styttra og óáreiðanlegra en hann.

Das Gedicht über die Hauptsache

Die Hauptsache einer Angelegenheit ist niemals die Hauptsache selbst
sondern die Nebensache die ihr vorausgeht.

So ist der Aperitif angenehmer als die Mahlzeit und bedeutungsvoller
wie auch der Kuss vor dem Liebesspiel selbst –

und das Leben überschattet den Tod
obwohl es kürzer und unzuverlässiger ist als er.

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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4 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (22)

  1. Gabi schreibt:

    Schöne Worte….regen zum Nachdenken an.
    Viele Grüße von Gabi
    p.s.ich liebe Island!

    • schifferw schreibt:

      Danke für den schönen Kommentar! Er wird auch der Autorin gefallen! Und gute Grüße zurück, Wolfgang

  2. versspielerin schreibt:

    sehr schön … weise.
    (und wie schön, wenn eine erfolgreiche romanautorin auch noch der lyrik treu bleibt 🙂 )
    mit lieben grüßen, diana

  3. schifferw schreibt:

    Danke – und liebe Grüße zurück! Wolfgang

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