Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (19)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Zeichnung von Kjartan Guðjónsson aus dem besprochenen Band - Ausschnitt

Zeichnung von Kjartan Guðjónsson aus dem besprochenen Band – Ausschnitt

Þorpið / Das Dorf von Jón úr Vör, der Klassiker unter den poetischen Zyklen der modernen Dichtung Islands, dessen baldiges Erscheinen ich vor einigen Wochen bereits ankündigen konnte, ist da!

Der Queich Verlag, der die zweisprachige, mit Zeichnungen des isländischen Malers und Graphikers Kjartan Guðjónsson illustrierte Ausgabe publiziert hat, kündigt das Werk auf seiner Internetseite jetzt als „lieferbar“ an.

Als Autor des Nachwortes und Mit-Übersetzer der insgesamt sechsundfünfzig Gedichte des Zyklus halte ich bereits auch ein Belegexemplar in Händen – und dies sieht dann u. a. so aus:
Jón úr Vör "Das Dorf"
Ein weiteres Gedicht aus dem Band Þorpið / Das Dorf von Jón úr Vör soll hier jedoch auch nicht fehlen – mit Blick auf das Winterende allenthalben habe ich mich für das folgende entschieden:

Sóleyin grær í snjó

Sóleyin grær í snjó
í maí.
Með barn undir brjósti
um vor
gengur ung kona
á vaknandi stráum.

Túnið skal stækka,
steinarnir hlaðast í garð.
Moldin er mjúk og frjó
í höndum sólar og regns.

Ungur maður slær pontu við stein
og horfir á konu sína.
Og í rauðu flaginu leika sér þegar
lítil ófædd börn.

Der Hahnenfuß wächst im Schnee

Der Hahnenfuß wächst im Schnee
im Mai.
Ein Kind unter dem Herzen
im Frühling
geht eine junge Frau
durch das erwachende Gras.

Die Wiese soll wachsen,
Steine müssen geschichtet werden zum Wall.
Die Erde ist weich und fruchtbar
in den Händen von Sonne und Regen.

Ein junger Mann klopft seine Tabakdose gegen den Stein
und betrachtet seine Frau.
Und auf der roten Scholle spielen schon
kleine, noch nicht geborene Kinder.

PS für alle Leserinnen und Leser in Köln und Umgebung: Am Abend des 22. März stelle ich den Lyrikband Þorpið / Das Dorf von Jón úr Vör zusammen mit dem vor kurzem ebenfalls neu erschienenen Band Geahnter Flügelschlag des isländischen Dichters Stefán Hörður Grímsson im Kultursalon Freiraum vor. Und das im Rahmen der Ausstellung des isländischen Künstlers Jón Thor Gíslason. Auch der in Sachen Musik, Kunst und Literatur sehr engagierte Verein Freiraum freut sich auf zahlreiche Gäste!

Advertisements

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
Dieser Beitrag wurde unter Übersetzung, Bücher, Gedichte, Island, Kultursalon Freiraum Köln, Lesung, Literatur, Lyrik, Wortspiele abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (19)

  1. Sigrún Valbergsdóttir schreibt:

    Ich wäre gerne dabei um das Frühlingserwachen im Kölner Dorf zu erleben!
    Liebe Grüsse, Sigrún

    • schifferw schreibt:

      Und ich hätte Dich, der Mit-Übersetzung zweite Hälfte, ohne die das Buch nie einen Sonnenstrahl abbekommen hätte, so gern dabei! Liebe Grüße zurück, Wolfgang

  2. finbarsgift schreibt:

    danke für den schönen hinweis auf das poemdorf des jon mit deinen eigenen wohlgesetzten buchstabendörfern…

  3. Pingback: Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (20) | Wortspiele: Ein literarischer Blog

  4. Pingback: Þorpið – Das Dorf | Wortspiele: Ein literarischer Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s