Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (18)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Küste in Island © Wolfgang Schiffer

Küste in Island © Wolfgang Schiffer

Mein heutiges „Rauchzeichen“ in dieser kleinen Reihe ist, wie bereits im Beitrag Nr. 13 geschehen, dem Dichter Jón úr Vör gewidmet – und dies aus einem für mich äußerst erfreulichen Anlass.

Seinerzeit konnte ich anmerken, dass das Hauptwerk dieses Lyrikers, sein Zyklus Þorpið / Das Dorf, das ich in den zurückliegenden Monaten u. a. zusammen mit meiner isländischen Freundin Sigrún Valbergsdóttir übersetzt habe, wohl im Frühjahr 2014 als zweisprachige Ausgabe im Queich Verlag erscheinen würde – heute weiß ich, es ist im Druck und die Auslieferung ist bereits auf Ende dieses Monats terminiert.

Das_Dorf_Frontcover_72Diesem glücklichen Umstand ist es auch zu verdanken, dass ich heute neben einem Gedicht aus diesem Zyklus, mit dessen freiem Versstil Jón úr Vör 1946 entscheidend zur Modernisierung der isländischen Poesie beitrug, bereits auch den Umschlag des Buches abbilden kann.
Es zeigt eine Montage aus Zeichnungen des isländischen Malers und Graphikers Kjartan Guðjónsson – mit ihnen illustrierte er erstmals die in 1979 erschienene 3. Ausgabe der in Island heute noch legendären poetischen Studie über das frühere Leben und Arbeiten der Menschen in dem kleinen Fischerdorf Patreksfjörður im Nordwesten der Insel. Die aktuelle isländisch-deutsche Publikation von Þorpið / Das Dorf enthält weitere Zeichnungen der seinerzeitigen Neuausgabe.

Landschaft mit Gehöft © Wolfgang Schiffer

Landschaft mit Gehöft © Wolfgang Schiffer

Ef þú ert fæddur á malarkambi

Ef þú ert fæddur á malarkambi
eru steinar við fætur þína
hvar sem þú ferð,
grasið brýtur sér
leið milli steina.

Far þú heiminn á enda
að leita þér frama,
kom heim
og leik þér að brotinni skel.

Gakk aldinn
veg allrar veraldar,
og í eilífðarfjörunni
finnur þú gulnað strá
bak við sorfinn blágrýtisstein.

Wenn du geboren bist am Kiessaum der See

Wenn du geboren bist am Kiessaum der See,
stehst du auf steinigem Grund,
wo immer du gehst,
das Gras bahnt sich seinen Weg
zwischen den Steinen.

Geh du ans Ende der Welt,
Ruhm zu erlangen,
kehr heim
und spiel mit einer zerschellten Muschel.

Geh, Alter,
den Weg der Welt in Gänze,
und am Strand der Ewigkeit
findest du einen vergilbten Halm
hinter einem Stein aus Basalt, geschliffen vom Meer.

Ein kurzes PS sei noch gestattet: Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn dieser neue Titel isländischer Poesie auch unter den Leserinnen und Lesern meiner „Wortspiele“ ein wenig Anklang fände. Er ist zwar noch nicht im Handel – aber vielleicht nimmt ja der Queich-Verlag bereits „Vorbestellungen“ entgegen!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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15 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (18)

  1. finbarsgift schreibt:

    wunderbar, Text wie Fotos wie Gedicht: eine beeindruckende Einheit!

  2. schifferw schreibt:

    Herzlichen Dank für den freundlichen Kommentar und gute Grüße, Wolfgang Schiffer

    • finbarsgift schreibt:

      ich muss immer wieder dein tolles grünes Foto „Landschaft mit Gehöft“ ansehen…
      erinnert mich an die Höfats im Allgäu, den „gefährlichen“ Abrutschberg (im Bild links mit den 4 Spitzen):

      Liebe Grüße zum WE
      vom Lu

      • schifferw schreibt:

        Ja, kann ich nachvollziehen! Sehr schön, danke! Ein schönes WE wünscht Wolfgang Schiffer

  3. versspielerin schreibt:

    oh ja, ganz und gar wunderbar, gedicht und foto berühren mich sehr.
    (zumal ich in einer gegend lebe, in der basalt auch eine rolle spielt … außerdem interessiert mich island(s lyrik) nicht zuletzt dank deines blogs)
    das buch, das hätte ich sehr gern! aber – könnte ich es dann, wenn erhältlich, auch bei dir direkt bestellen? (oder ist das jetzt zu …. vermessen? :))
    mit liebem gruß
    diana

  4. schifferw schreibt:

    Danke, liebe Diana – ich freue mich, dass der Beitrag gefällt und anregt… Und vermessen ist das geäußerte Ansinnen natürlich auch nicht – nur etwas schwierig, in die Tat umgesetzt zu werden… Der Band erscheint ja in einem gelisteten Verlag, so dass ich ihn selber nicht vertreibe… Ich bitte um Verständnis! Gute Grüße, Wolfgang

  5. buchwolf schreibt:

    Das Buch muss ich haben. Ich liebe illustrierte Literatur, und dieses schöne Werk könnte mein Einstieg in die isländische Literatur sein.
    lg,
    Wolfgang

  6. glennmillerfan schreibt:

    Als Literaturwissenschaftler interessiert mich natürlich Halldór Laxness, dessen Biographie ich kenne und schätze. Leider konnte ich bei Ihrem Vortrag am 15. Februar nicht dabei sein, aber vielleicht gibt es ja einmal eine Wiederholung. Im März sind Sie ja zum Glück erneut im „Freiraum“!

  7. Hanna-Linn Hava schreibt:

    Dem Land Island war ich schon immer hold, der neueren isländischen Literatur seit ich die Supermarktgedichte in die Finger bekam.
    Also habe ich hier wohl genau den richtigen Ort zum Stöbern gefunden; ich bedanke mich!

  8. schifferw schreibt:

    Freut mich, danke!

  9. Pingback: Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (19) | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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