Die Franz Kafka Gesellschaft in Prag

Ein Zentrum mit Verlag und Buchhandlung zu Ehren des großen Prager deutschen Schriftstellers

Prag, die "Goldene Stadt" © Wolfgang Schiffer

Prag, die „Goldene Stadt“ © Wolfgang Schiffer

Es ist schon seltsam, jetzt habe ich während meines Aufenthalts in Prag bereits so manches über das literarische Leben in der „Goldenen Stadt“ geschrieben, aber entschieden zu wenig über ihren bedeutendsten literarischen „Sohn“, den Giganten Franz Kafka.

Bevor auch mich hier die kommende Festfolge nun in familiäre Verpflichtungen einbindet, will ich dies heute noch nachholen, quasi zum Abschied von dieser verzaubernden Metropole in der Mitte Europas, – natürlich nicht mit einer dezidierten Würdigung seines Werks, aber doch wenigstens mit einem speziellen Hinweis auf die hiesige Franz Kafka Gesellschaft.

Nach den vielen, bis zur politischen Wende 1989 andauernden Jahren der Ignoranz , ist sie es, die diesem Werk heute ihre ganze Aufmerksamkeit schenkt und mit ihren vielen Aktivitäten kontinuierlich dazu beiträgt, dass es ebenso wie der Name ihres Urhebers wieder zu natürlichen Bestandteilen des kulturellen Lebens in Tschechien wird und bleibt.

Begonnen hat dieses Engagement 1990, unmittelbar nach dem Ende der sozialistischen Ära. Am Altstädter Ring öffnete bereits mit Bezug auf den Schriftsteller das Café Milena, und der Initiative von Marta Davouze (ehemals Železná), die ich durch meine Gattin Markéta seinerzeit auch persönlich kennenlernen durfte, ist es maßgeblich zu verdanken, dass sich im selben Haus kurz danach die Franz Kafka Gesellschaft gründete – als eine private, unabhängige Organisation von Liebhabern und Kennern der Literatur dieses 1883 in Prag geborenen Autors.

Der Sitz der Franz Kafka Gesellschaft in Prag  Wolfgang Schiffer

Der Sitz der Franz Kafka Gesellschaft in Prag Wolfgang Schiffer

Heute residiert die Franz Kafka Gesellschaft in der Široka Straße 14 im jüdischen Viertel der Prager Altstadt; sie zählt etwa 1000 Mitglieder aus vielen Ländern der Welt, darunter namhafte Schriftsteller wie Günter Grass oder Amos Oz, und unterhält neben ihrem Zentrum für Veranstaltungen aller Art u .a. eine Buchhandlung (s. das zuvorige Foto) und einen Verlag, in dem neben anderen Prager deutschen Werken erstmals auch das komplette Werk Franz Kafkas in tschechischer Übersetzung veröffentlicht wurde.

Die Franz Kafka Gedenktafel © Wolfgang Schiffer

Die Franz Kafka Gedenktafel © Wolfgang Schiffer

Der Innenhof des Sitzes der Franz Kafka Gesellschaft © Wolfgang Schiffer

Der Innenhof des Sitzes der Franz Kafka Gesellschaft © Wolfgang Schiffer

Jährlich vergibt sie auch den Franz Kafka Preis, die einzige internationale literarische Auszeichnung Tschechiens. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Autoren wie Philip Roth, Peter Handke, Ivan Klíma oder Elfriede Jelinek.

Dank ihrer vielfältigen Aktivitäten wurde jedoch nicht nur ideell das Bewusstsein für die Bedeutung Franz Kafkas (und mit ihm für die gesamte Prager deutsche Literatur) auch im eigenen Land neu geweckt – ihnen ist es auch zu verdanken, dass sich selbst Teile des Stadtbilds Prags verändert haben und nun dem großen Literaten ihrer Stadt gebührend Rechnung tragen.

Der Franz Kafka Platz mit gleichnamigem Café © Wolfgang Schiffer

Der Franz Kafka Platz mit gleichnamigem Café © Wolfgang Schiffer

Dabei spreche ich zuvörderst nicht von den geradezu popkulturell anmutenden Souvenir-Artikeln, die es in Form von T-Shirts, Tassen und so weiter längst natürlich im Übermaß gibt, und auch nicht von den Cafés, die nach Franz Kafka benannt sind – ich spreche zum Beispiel vom Franz Kafka Platz und der dortigen Gedenktafel und vor allem von der beeindruckenden Bronze-Statue, die der tschechische Bildhauer Jaroslav Róna 2003 neben der Spanischen Synagoge, unweit des Sitzes der Gesellschaft, ihm zum Ruhm geschaffen hat.

Das Franz Kafka Denkmal von Jaroslav Róna © Wolfgang Schiffer

Das Franz Kafka Denkmal von Jaroslav Róna © Wolfgang Schiffer

Zum Abschluss nun aber doch noch zumindest einmal kurz Franz Kafka im Original – mit einem Ausspruch, der uns bei welcher Beschäftigung mit Literatur auch immer stets als Wegmarke dienen sollte:

Das Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns!

In diesem Sinne, mit großem Dank für die bisherige „Gefolgschaft“, wünschen die „Wortspiele“ allen einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, auch über den Jahreswechsel hinaus!

PS: Kaum habe ich den Text zu Ende geschrieben und das Bildmaterial eingefügt, da wird mir wieder bewusst, dass ich vor einigen Jahren für den Argon Hörbuchverlag selber zwei Erzählungen Franz Kafkas eingelesen habe: Das Urteil und Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse. Es war mir wirklich entfallen. Und jetzt sehe ich: sie scheinen sogar beide noch in verschiedenen Ausgaben „auf dem Markt“ zu sein! Jedenfalls habe ich auf den Internetseiten des Verlags nachfolgende Cover noch gefunden!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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19 Antworten zu Die Franz Kafka Gesellschaft in Prag

  1. wederwill schreibt:

    Hat dies auf Benn Wederwill rebloggt und kommentierte:
    Alles, was nicht Literatur ist, langweilt mich. (Franz Kafka)

  2. schifferw schreibt:

    Herzlichen Dank für die Weitergabe und das zusätzliche Zitat! Nochmals: in diesem Sinne…
    Gute Grüße, Wolfgang Schiffer

    • B-Wederwill-Team schreibt:

      ….hatte die Antwort noch gar nicht gelesen, bin ein bisschen langsam zu so später Stunde! Wir sind auf die Hörbücher gespannt….
      beste Grüße zurück,
      Marlis Hofmann

  3. B-Wederwill-Team schreibt:

    Vielen Dank für den schönen Artikel, wir haben ihn bei uns unter „wir empfehlen“ rebloggt und werden selbst gern der Empfehlung auf das Hörbuch folgen.
    Beste Grüße,
    Marlis Hofmann, wederwill-Team

  4. Andrea schreibt:

    SCHÖNer ARTIKEL über FRANZ KAFKA…..SCHÖNes FEST…HERZlichst ANDREA:))

  5. IngridW schreibt:

    Ein schöner Beitrag, der wunderbar zu meiner gegenwärtigen Beschäftigung mit Franz Kafka passt. Vielen Dank. Und erholsame Feiertage!

    • schifferw schreibt:

      Danke! Das freut mich… Und ebenfalls gute Festtage!

      • IngridW schreibt:

        Ich habe mir gerade das Hörbuch mit Kafka-Erzählungen, das ich vor ein paar Tagen in der Solinger Stadtbibliothek entliehen und im Auto gelassen habe, da ich Hörbücher immer nur im Wagen höre, näher angesehen. Einer der Sprecher ist – Wolfgang Schiffer! Zufälle gibt’s.

        (P.S.: Bitte den oben falsch platzierten gleichlautenden Kommentar löschen. Danke.)

  6. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Ich schließe mich meinen Vorschreiberinnen und -schreibern an: Wirklich ein sehr schöner Beitrag! Ich wünsche fröhliche & entspannte Feiertage & freue mich aufs Wiederlesen. Liebe Grüße
    Petra

    • schifferw schreibt:

      Danke, liebe Petra! Ich wünsche ebenfalls eine gute Zeit – und sage auf bald, im neuen Jahr! Liebe Grüße
      Wolfgang

  7. gsohn schreibt:

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt und kommentierte:

    Neues vom Wortspiel-Radio-Korrespondenten aus Prag

  8. Lieber Wolfgang,
    ein wunderbarer Post über Prag und Kafka. Leider war ich nach nie in Prag – ausser eben mit Kafka. Vielleicht sollten wir endlich mal hinfahren, Dein Bericht animiert jedenfalls zum Kafka-Wiederlesen und zum Prag besuchen. Danke besonders für die beeindruckenden Bilder.
    Dir ein Gutes Neues Jahr und liebe Grüsse, Kai

    • schifferw schreibt:

      Lieber Kai, letzteres wünsche ich Dir und den Deinen ebenfalls! Habt ein „sagenhaftes“ 2014 – mit Prag-Besuch, bitte… Es lohnt sich!

  9. twicemodern schreibt:

    sehr schon,thank you very much

  10. Pingback: Kafkas Leoparden | Wortspiele: Ein literarischer Blog

  11. Pingback: „Das ist der Augenblick, der über / ein Brücklein jagt aus Vogelknochen …“ Teil III | Wortspiele: Ein literarischer Blog

  12. Pingback: „Das ist der Augenblick, der über / ein Brücklein jagt aus Vogelknochen …“ Teil IV | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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