Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (12)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Am Jökulsárlón © Wolfgang Schiffer

Am Jökulsárlón © Wolfgang Schiffer

Auch wenn es in Prag, meinem derzeitigen Aufenthaltsort, bereits recht kalt ist und man am Morgen beim Verlassen des Hauses darauf achten muss, nicht auf Reif oder gar Glatteis ins Rutschen zu geraten, lassen mich weder das Wetter noch mein anhaltendes Interesse an dieser Stadt und ihrem literarischen Leben so völlig auf ein Blättern in verschiedenen Publikationen mit isländischer Lyrik verzichten.

Leider habe ich jedoch kaum Originale ins Gepäck gelegt, so dass ich das heutige Gedicht auch nur in der Übersetzung anbieten kann. Sein Bezug, eine Jahrhundertwende, liegt auch bereits viele Jahre zurück – doch ist der Begriff eh nur als Metapher gemeint; das Gedicht behält seine Gültigkeit über dessen Bedeutung im engeren Sinne hinaus. Im Prinzip, so finde ich, gilt es für jede Wende, nach der wir etwas Neues erhoffen – sei es die eines Jahres, eines Tags oder nur einer Stunde…

Zusammen mit Ingibjörg Haraldsdóttir 2004 © Jakub Stránský

Zusammen mit Ingibjörg Haraldsdóttir 2004 © Jakub Stránský

Geschrieben hat es Ingibjörg Haraldsdóttir. Sie wurde 1942 in Reykjavík geboren, studierte jedoch an der staatlichen Filmschule in Moskau, wo sie 1969 ihr Regiediplom ablegte. Danach lebte und arbeitete sie für mehrere Jahre in Havanna. Während ihrer Zeit in der UdSSR und in Kuba schrieb sie auch als Journalistin und Übersetzerin für die isländische Zeitung Volkswille, bei der sie nach ihrer Rückkehr nach Reykjavík im Jahre 1975 weiterhin als Journalistin und Filmkritikerin tätig war. Seit 1981 allerdings ist sie freie Schriftstellerin und Übersetzerin. Seit ihrem ersten Gedichtband, Þangað vil ég fljúga / Dorthin will ich fliegen (1974), hat sie mehrere weitere Gedichtbände veröffentlicht und sich auch als Übersetzerin aus dem Spanischen und Russischen (u. a. von Werken Dostojewskis und Bulgakows) einen Namen gemacht. Für Ihre literarische und übersetzerische Arbeit wurde sie mit verschiedenen Auszeichnungen bedacht, so mit dem Guðmundur-Böðvarsson-Poesiepreis und dem Isländischen Literaturpreis.

Entnommen ist die Übersetzung ihres Gedichts, das ich heute vorstelle, dem 2011, im Jahr des Ehrengastauftritts „Sagenhaftes Island“ auf der Frankfurter Buchmesse, in der Edition Euterpe erschienenen Band Neue Lyrik aus Island. Herausgegeben und ins Deutsche übertragen wurde diese Sammlung mit Gedichten von insgesamt acht zeitgenössischen isländischen Dichterinnen und Dichtern von Dirk Gerdes.

Schwarze Küste - Schwarze Zukunft? © Wolfgang Schiffer

Schwarze Küste – Schwarze Zukunft? © Wolfgang Schiffer

Jahrhundertwende

Was hast du erwartet?

Dass auf unserem Weg ein Berg auftauchte?

Jenseits des Berges:
eine nagelneue Geschichte
ganz andere Menschen?

Öffne die Augen
sieh nach vorn:

Die Uhr tickt
die Erde dreht sich
und die Menschen sind mit diesem und jenem beschäftigt

Genau wie vorher

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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5 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (12)

  1. Alicia schreibt:

    Danke, grüß mir das wunderschöne Prag und paß auf Dich auf! Liebe Grüße

  2. Andrea schreibt:

    Liebe GRÜßE nach PRAG sendet dir ANDREA:))

  3. Pingback: LiteraturBild – Eine „Wundersame Mischung Island“ | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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