Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (11)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Island - Sommer © Wolfgang Schiffer

Island – Sommer © Wolfgang Schiffer

Bevor der Winter, der in weiten Teilen Islands längst Einzug genommen hat, auch hierzulande die Landschaften und das Lebensgefühl bestimmt, will ich mit einem weiteren Gedicht von Stefán Hörður Grímsson, wohl meinem isländischen Lieblingsdichter, noch einmal an die heiteren Stimmungen des Sommers erinnern!

Entnommen ist das Gedicht erneut dem im Kleinheinrich Verlag soeben in erweiterter Neuauflage erschienenen Band „Geahnter Flügelschlag“, der, zweisprachig ediert und mit Aquarellen von Bernd Koberling als Kunstbuch gestaltet, nun etwa gut ein Drittel des lyrischen Schaffens von Stefán Hörður Grímsson abbildet. Die Übersetzung ist diesmal allerdings nicht eine Gemeinschaftsarbeit von mir und Franz Gíslason – sie entstand in Zusammenarbeit mit meinem in Düsseldorf lebenden isländischen Maler-Freund Jón Thor Gíslason.

Die Leuchtkraft eines Schiffes... © Wolfgang Schiffer

Die Leuchtkraft eines Schiffes… © Wolfgang Schiffer

Sumar

Hin brúnu fiskinet þorpsins
hanga á grindum og stögum
færi og stokkaðar lóðir
bíða í hálfrokknum króm.

Skolgráar fjarðarunnir
gjálfra hjá staurabryggjum
og daðra við bikaða súð.

Handan við lyngása græna
fjarst í vestrinu logar
dálítil kringlótt sól.

Og í daufu sólskini kvöldsins
sezt lítil stúlka undir skúrvegg
og bíður þess hljóðlát að einhver
komi hjá næsta horni.

Sommer

Die braunen Fischernetze des Dorfes
hängen an Latten und Seilen
Angelschnüre und Fangleinen im Rund
warten im halbdunklen Eck.

Bleigraue Wellen im Fjord
plätschern um Brückenpfähle
und hofieren Bordwände versiegelt mit Teer.

Hinter grünem Heiderücken
weit draußen im Westen leuchtet
ein klein wenig runde Sonne.

Und im fahlen Sonnenschein des Abends
lehnt sich ein kleines Mädchen an die Schuppenwand
und wartet still darauf dass jemand
um die nächste Ecke kommt.

Der Kultursalon Freiraum in Köln wird übrigens am 7. Februar nächsten Jahres von und mit Jón Thor Gíslason die Ausstellung „Bergmál / Widerhall“ eröffnen. Über mehrere Wochen wird dort sein malerisches und zeichnerisches Werk zu sehen sein – flankiert von manchen Abenden mit literarischem Programm, in dem auch die isländische Lyrik eine zentrale Rolle spielen wird. Bitte, einstimmen und vormerken!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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3 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (11)

  1. Annette Maron schreibt:

    Freue mich schon jetzt auf die Veranstaltungen im Kultursalon Freiraum und werde zu gegebener Zeit sicher die ein oder andere Gelegenheit nutzen, wieder einmal darüber in der Zeitschrift ISLAND zu berichten.
    Liebe Grüße
    Annette Maron

    • schifferw schreibt:

      Liebe Annette Maron, wir freuen uns auf Ihren Besuch – die Termine der einzelnen Veranstaltungen werden rechtzeitig im Programmheft und auf der Webseite vom Freiraum stehen! Und wenn Sie darüber auch noch berichten würden – wunderbar!
      Gute Grüße, Wolfgang Schiffer

  2. Pingback: Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (17) | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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