Ulysses – hörbar gemacht!

Die Lesefassung von RBB und Hörverlag erhält den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik

"Ulysses"-Varianten © Wolfgang Schiffer

„Ulysses“-Varianten © Wolfgang Schiffer

Meinem gestrigen „Streifzug“ durch die isländische Poesie will ich heute schnell noch ein „Rauchzeichen“ hinterher schicken, das wieder einmal den akustischen Umgang mit Literatur zum Inhalt hat. In meinem Beitrag „Die Weltliteratur und der gute Ton“ habe ich ja bereits u. a. auf die faszinierende Hörspielbearbeitung des „Ulysses“ von James Joyce durch den Regisseur und Komponisten Klaus Buhlert sowie auf die vollständige Lesefassung dieses Romans hingewiesen, das der publizierende Hörverlag diesem Meilenstein szenischer Adaption, produziert vom SWR und Deutschlandfunk, wenig später hat folgen lassen – in Kooperation mit dem RBB und interpretiert von Schauspielerinnen und Schauspielern ersten Ranges: Christian Berkel, Matthias Brandt, Edith Clever, Axel Milberg, Sophie Rois, Udo Samel, Anna Thalbach und viele bedeutende andere…

Diese Produktion ist nun mit dem diesjährigen Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden, einer Jury vom Tonträgermarkt gänzlich unabhängiger Kritikerinnen und Kritiker. Für die Jury schrieb Peter Fuhrmann folgende Begründung:

Ulysses

„Bücher haben ihre Schicksale, gelesen oder ungelesen. Außer einigen Experten haben es in der Regel gewiss nur wenige Leser vermocht, über ein paar Seiten des „Ulysses“ von James Joyce hinaus zu dringen, ungeachtet der, wie der Autor einräumte, „spaßhaft-geschwätzigen, allumfassenden Chronik mit vielfältigstem Material“. Vielleicht fühlen sie sich zu sehr eingeschüchtert von der allzu großen Gelehrtheit, der tollen Sprach- und Gedankenakrobatik, der Differenziertheit der Erzähltechniken und der inhaltlich kaum nachvollziehbaren Motiv- und Symbolfülle, womit Joyce den hundsgewöhnlichen Alltag der Dubliner Kleinbürger reflektiert, ihre Handlungen und Begegnungen und Gedanken am 16. Juni 1904 von acht Uhr früh bis zum nächsten Morgen um etwa drei Uhr. Bloomsday – man feiert ihn heute noch. Um der Rezeption des Werkes nun endlich den Weg frei zu machen, wurde es unmittelbar nach Aufhebung der Sperrfrist 2012 von einigen Rundfunkanstalten in Kooperation mit dem Münchener Hörverlag in gleich zwei mustergültigen Produktionen herausgebracht: erst als Hörspiel in kürzerer Fassung (23 CDs), danach in voller Länge als Lesefassung (31 CDs). Letztere Version wird von exzellenten Schauspielern ohne jedes akustische Beiwerk interpretiert. Diese Produktion bietet ein Hörvolumen von knapp vierzigstündiger Dauer und wird als zeitloses Dokument höchsten Grades in die Geschichte der Tonaufzeichnung eingehen.“

Ich wünsche ein angeregtes Hören!

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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3 Antworten zu Ulysses – hörbar gemacht!

  1. Andrea schreibt:

    SCHÖNen StreifZUG durch den bunten HERBST–TAG….HERZlichst ANDREA:))

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