Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund

Über diese Rezension freue ich mich besonders, ist doch Michael Köhlmeiers Roman „Idylle mit ertrinkendem Hund“ vom Literaturhaus Köln und dem Kölner Stadtanzeiger zum diesjährigen „Buch für die Stadt“ gewählt worden. Nach der Eröffnungsmatinee mit dem Autor am 10. November werden sich viele weitere Veranstaltungen in Köln und im Umland diesem Buch widmen. Sie alle sind zu erfahren über den Literaturkalender Köln.

das graue sofa

Köhlmeier_IdylleDer Lektor hat für den Schriftsteller eine ambivalente Funktion: Er hilft bei der Erstellung des Romans, unterstützt, liest kritisch, gibt Anregungen, motiviert und begleitet so den gesamten Schaffensprozess. Er ist aber auch derjenige, der alle Schnitzer sieht, jede inhaltliche und sprachliche Schwäche erkennt und aufdeckt, den Schriftsteller immer wieder mit seinen Unzulänglichkeiten konfrontiert und trotzdem natürlich eine jederzeit konstruktive Zusammenarbeit erwartet. So ambivalent sieht auch Michael Köhlmeier, der Ich-Erzähler, der keinen Hehl daraus macht, auch der Autor zu sein, seinen Lektor, Dr. Johannes Beer. Dr. Beer ist in der Branche ein anerkannter Experte, ein Lektor, um den ihn andere Schriftsteller durchaus beneiden. Aber es ist auch nicht immer die reine Freude, mit ihm, dem Genauen, dem Anspruchsvollen, zusammenzuarbeiten. Und so erzählt Köhlmeier seiner Frau Monika, dass der Lektor den Autor die Passage, die sprachlich nicht so gelungen scheint, vorlesen lasse – wenn der Autor uneinsichtig sei, durchaus mehrmals:

Wenn ich…

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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7 Antworten zu Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund

  1. Ulrich Faure schreibt:

    Und völlig unverständlich ist, daß sein großartiger „Joel Spazierer“-Roman in diesem Jahr für die namhaften Preise nicht einmal nominiert war. Der steht „Abendland“ in nichts nach. Wenn ich mir so die diversen Long- und Shortlists so angucke, dann frag ich mich…

    • schifferw schreibt:

      …nun, bei dem einen oder anderen Titel frage ich mich dies auch… Bleibt zu hoffen, dass sie ähnlich intensiv gelesen werden!

  2. regina wyrwoll schreibt:

    ich habe neulich im auto auf der rückfahrt von wien im orf ein ausgezeichnetes (frühes) hörspiel von köhlmeier gehört, habe leider den titel vergessen. köhlmeier ist ein großartiger autor (und auch musiker?). gratulation zum „buch für die Stadt“, ich werde da sein.

    • schifferw schreibt:

      Liebe Regina, es ist schwer zu erraten, welches der vielen Hörspiele von M. K. Du gehört haben magst – er hat wirklich recht viele geschrieben und uns noch dazu in der ihm eigenen Art Biblische Geschichten, Klassische Sagen des Altertums und den Shakespeare erzählt… Mein Lieblingshörspiel aus seiner Werkstatt ist „March Movie“, produziert 1983. Da geht es um das wundersame Verschwinden einer ganzen Blaskapelle – ein wunderbarer Spaß, erzählerisch wie akustisch. Vielleicht war es ja dieses, dass Du gehört hast? Gute Grüße, Wolfgang

  3. dasgrauesofa schreibt:

    Ich muss ja gestehen, dass ich „Joel Spazierer“ bisher nur auf den ersten zweieinhalb Seiten angelesen habe, frage mich aber auch, warum die Buchpreise so voller sperriger Titel sind, wenn es doch Autoren gibt, die es durchaus beherrschen, eine interessante Geschichte sprachlich wunderbar zu erzählen. Was will man mehr von Literatur? Und wer die kurze Form so gekonnt umsetzt (jetzt gerate ich ja geradzu ins Schwärmen) wie Köhlmeier, der zeigt ja, dass er es kann.
    Mich würde ja interessieren, wie es kommt, dass die „Idylle“ al Buch für die Stadt ausgewählt wurde. GIbt es dazu Begründungen?
    Viele Grüße, Claudia

    • schifferw schreibt:

      Liebe Claudia,
      solltest Du am 10.11. tatsächlich bei der Eröffnungsmatinee zugegen sein können, wäre es natürlich schön, wenn Du nicht nur M. Köhlmeier live erlebtest, sondern auch wir uns vielleicht kurz persönlich kennen lernten… Nun aber zur Nachfrage: Meines Wissens werden für die Wahl zunächst Vorschläge von literaturnahen Institutionen etc. auf einer Longlist gesammelt, die anschließend zu einer Shortlist mit drei möglichen Titeln ausjuriert werden. Zum letztendlich ausgewählten Titel „Idylle mit ertrinkendem Hund“ heißt es u.a., es sei ein Buch, das den Leser bewege, aber nicht erdrücke. Köhlmeier gelinge es meisterhaft, den rechten Ton für diese außerordentliche Geschichte zu finden. Wobei, das wissen wir, die außerordentliche Geschichte, eben auch in der Bewältigung des realen Todes seiner Tochter besteht, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.
      Gute Grüße, Wolfgang

      • dasgrauesofa schreibt:

        Das ist eine schöne Jury-Begründung. — Deine Idee mit dem persönlichen Kennenlernen finde ich sehr gut. Wenn ich es also schaffe am 10.11. (ich fürchte, es gibt dann wieder viel Wochenendarbeit), werde ich mich noch einmal bei Dir melden.
        Viele Grüße, Claudia

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