Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (1)

Meine Reise durch die isländische Poesie

Die Gletscherflusslagune Jökulsárlón © Wolfgang Schiffer

Die Gletscherflusslagune Jökulsárlón © Wolfgang Schiffer

Die letzten „Rauchzeichen“ zu zeitgenössischer Literatur aus Island, einem der zentraleren Themen meines Blogs, liegen bereits einige Zeit zurück, und neue Übersetzungen ins Deutsche sind erst im Vorfeld der im Oktober stattfindenden Buchmesse in Frankfurt und im kommenden Frühjahr zu erwarten.

Dies brachte mich auf die Idee, ein paar „Streifzüge“ durch vorhandene Übersetzungen isländischer Poesie zu unternehmen und deren Ergebnisse von nun an in unregelmäßiger Folge in den „Wortspielen“ vorzustellen, assoziativ begleitetet von Photographien, die auf der Insel im Nordmeer aufgenommen wurden, oder von Gemälden und Graphiken isländischer Künstler.

Das erste Gedicht in dieser Reihe ist von dem von mir höchst geschätzten isländischen Lyriker Stefán Hörður Grímsson. Stefán Hörður lebte von 1920 bis 2002; er wird den sogenannten Atomdichtern zugerechnet, die sich, wie sich auch die ehemalige Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir in dem horen-Band „Bei betagten Schiffen“ gerne erinnert, nach dem 2. Weltkrieg allen Anfeindungen zum Trotz erfolgreich für die Modernisierung der isländischen Dichtung eingesetzt haben.

Entnommen ist das Gedicht dem 1992 im Kleinheinrich Verlag erschienenen Auswahl-Band „Geahnter Flügelschlag“, dessen erweiterte Neuauflage derzeit in Vorbereitung ist. Die Übersetzung ist von mir und meinem verstorbenen Freund Franz Gíslason.

Bei Núpsstaður © Wolfgang Schiffer

Bei Núpsstaður © Wolfgang Schiffer

Mörleysur

Grjót og loft.
Engar vörður benda á leiðir
til næstu grasa.

Á þessum auða stað
í veggjalausri þögninni
kviknar þér sumartungl.

Veiðimaður og bráð hugrenninga
næturþokan flýr af enni þínu.
Eggjar glóa. Það er morgunn.
Þú hverfur inn í dögunina
bak við morgunnin.

Magere Gegend

Stein und Luft.
Nichts weist den Weg
zum nächsten Gras.

An diesem öden Ort
im mauerlosen Schweigen
entflammt sich dir ein Sommermond.

Jäger und Beute der Gedanken
der Nachtnebel flieht von deiner Stirn.
Grate glühn. Es ist Morgen.
Du tauchst in den Tagesanbruch ein
hinter dem Morgen.

Advertisements

Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
Dieser Beitrag wurde unter Übersetzung, Island, Literatur, Lyrik abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Dichtung von der Insel aus Feuer und Eis (1)

  1. Annette Maron schreibt:

    Schöne Idee!

    Grüße von Annette Maron

    • schifferw schreibt:

      Liebe Annette Maron, danke. Es freut mich, dass die Idee Ihr Gefallen findet. Schöne Grüße Wolfgang Schiffer

  2. gsohn schreibt:

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s