Herzlichen Glückwunsch, Peter Kurzeck!

© Erika Schmied

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Peter Kurzeck, am 10.Juni 1943 in Tachau in Böhmen geboren, begeht heute seinen Siebzigsten. Und dazu gratulieren nicht nur seine Freunde und die literarische Welt, auch Staufenberg, das Dorf seiner Kindheit und Jugend in der hessischen Provinz, in dem er nach der Vertreibung seiner Familie aus der Tschechoslowakei für viele Jahre lebte,
feiert seinen inzwischen zum Ehrenbürger ernannten Autor.

Der radikale BiographKern dieser Feier am 22. Juni ist eine Ausstellung im Burghaus in Staufenberg, welche die Präsentation des von der Fotografin und Kunstgeschichtlerin Erika Schmied zu dem Anlass frisch herausgegeben Bildbands „Peter Kurzeck – Der radikale Biograph“ begleitet, gefolgt von Lesungen und Gesprächen mit dem Autor selbst. Und einen Preis, einen weiteren zu den vielen literarischen Auszeichnungen, die dieser „große Solitär der deutschen Literatur“, wie Ulrich Faure, Kritiker und Chefredakteur von BuchMarkt online, den Autor einmal nannte, erhält Peter Kurzeck bei dieser Feier ebenfalls überreicht: den „Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik“.

Und das zu Recht: Die erzählerische Kraft dieses Autors, derentwegen ihn manche sogar gerne in die Nähe eines Marcel Proust oder James Joyce rücken, dokumentiert sich nämlich nicht allein in seinen gedruckten Werken, die im Stroemfeld Verlag ihre literarische Heimat gefunden haben, sie dokumentiert sich ebenfalls, und das in besonderer Weise, in seinem dort und im Verlag Supposé veröffentlichten Hörwerk.

Ob er „Vorabend“, den 1000-seitigen fünften Band seines großen, auf zwölf Bände angelegten autobiographisch-poetischen Zyklus „Das alte Jahrhundert“, vor Publikum ins Mikrophon diktiert oder zuvor „Ein Sommer, der bleibt“, die Erinnerung an seine Kindheit in Staufenberg, oder zuletzt „Unerwartet Marseille“, sie alle sind nämlich ohne Textvorlage, also allein aus einem beschwörenden Gedächtnis frei gesprochene Meisterwerke, in denen Peter Kurzeck die stets oszillierenden Grenzen von Autobiographie und literarisierender Fiktion zu einem poetischen Kosmos verdichtet, einem Kosmos von größter Wahrhaftigkeit. „Die Zeit erzählen“ nennt der Autor sein literarisches Ziel und tatsächlich, es gelingt ihm; in der Gleichzeitigkeit unzähliger Alltagsdetails und historischer Ereignisse und mit einer Stimme, die wie im Erstaunen über die eigene Erinnerungsleistung musikalisch schwingt, hält er diese für den Zuhörer bisweilen sogar an. Dabei entsteht die Literatur aus der Stimme selbst, und der Zuhörer wird Zeuge dieses Entstehungsprozesses. In derlei mündlichem Erzählen wird das Genre „Hörbuch“ zum Ereignis.

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Über schifferw

Literatur (und alles, was ihr nahe ist) ist m. E. eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Also zehre ich von ihr und versuche, sie zugleich zu nähren: als Autor, als Übersetzer, als Vermittler und nicht zuletzt als Hörer und Leser.
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